10.05.2012
Mehr als 55 Tote in Syrien
Doppelanschlag erschüttert Damaskus
Damaskus/Istanbul - Die Anschläge waren selbst für syrische Verhältnisse gewaltig: In Damaskus sind bei zwei Sprengstoffattentaten mindestens 55 Menschen getötet worden. Das staatliche Fernsehen zitierte den Gesundheitsminister des Landes. Dieser sprach von "terroristischen Bombenanschlägen". Laut dem Innenministerium hat es zudem 372 Verletzte gegeben.
Dagegen erklärte der Syrische Nationalrat als wichtigstes Oppositionsbündnis, das Regime von Präsident Assad wolle mit den Anschlägen die internationalen Beobachter der Waffenruhe einschüchtern. Zugleich nutze sie die Taten, um bewaffnete Gruppen und das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich zu machen.
Die beiden Bomben seien während des morgendlichen Berufsverkehrs auf einer Schnellstraße im Süden der Hauptstadt explodiert, hieß es. Die Detonationen ereigneten sich kurz nacheinander gegen 7.50 Uhr. Noch in weit entfernten Stadtvierteln ließ die Wucht der Explosion die Fenster vibrieren.
Wie ein AFP-Journalist berichtete, wurden mehrere zivile Autos zerstört und die Fassaden der umliegenden Gebäude schwer beschädigt. Die Explosionen hinterließen einen Krater von drei Metern Tiefe, über dem Osten der Stadt stand dichter schwarzer Rauch.
Komplex des Geheimdienstes schwer beschädigt
In der betroffenen Gegend befindet sich auch ein Komplex des Militär-Geheimdienstes, der seit Monaten gegen die Proteste in dem Land vorgeht. Das Gebäude sei beschädigt worden. Allerdings lassen sich Berichte aus dem Land kaum unabhängig verifizieren.
Der TV-Sender al-Arabija meldete, der Leiter der Uno-Beobachtermission, Generalmajor Robert Mood habe darauf bestanden, den Tatort selbst in Augenschein zu nehmen.
Am Mittwoch wären die Uno-Mitarbeiter noch selbst beinahe Opfer einer Attacke geworden. Auf einer Straße von Damaskus Richtung Süden explodierte ein Sprengsatz, als ein syrisches Militärfahrzeug darüberfuhr. Zuvor hatten Uno-Autos die Stelle passiert. Die Regimesoldaten sollten den Konvoi in die Provinz Daraa begleiten. Sechs Soldaten wurden verletzt, die Beobachter der Vereinten Nationen blieben unversehrt.
jok/dpa/AFP