13.05.2012
Demo gegen Festnahmen
10.000 Russen starten "Kontrollmarsch" durch Moskau
Junger Teilnehmer an Massendemo in Moskau: Protest gegen Festnahmen
Moskau - In Moskau formiert sich immer stärkerer ziviler Widerstand gegen das harte Vorgehen der staatlichen Sicherheitskräfte. Mit einem Marsch ohne Plakate und Parolen haben etwa 10.000 Menschen friedlich auf die jüngsten Massenverhaftungen bei Kreml-kritischen Protesten reagiert.
Bekannte Schriftsteller hatten ursprünglich einen "Kontrollspaziergang" als Prüfung angekündigt, "ob man als Moskauer ohne Repressionen durch die Stadt gehen könne". Unerwartet hätten sich Tausende dem nicht erlaubten Marsch angeschlossen, meldete die Agentur Interfax am Sonntag.
Begleitet von einem Polizeiaufgebot zogen die Autoren zusammen mit Familien mit Kindern und älteren Menschen durch die russische Hauptstadt. "Wir verteidigen die Versammlungsfreiheit", sagte der Musiker Andrej Makarewitsch. "Es wird viel gelacht, niemand ruft Parolen oder hat Plakate oder Spruchbänder dabei", teilte ein Augenzeuge am Telefon der Nachrichtenagentur dpa in Moskau mit.
Ziel des Spaziergangs war ein Lager von Regierungsgegnern in einem kleinen Park der Metropole. Hier campieren Kremlkritiker aus Protest gegen den Ämtertausch von Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dmitri Medwedew vor einer Woche.
Seit vergangenem Sonntag, dem Tag vor Putins Vereidigung zu seiner dritten Amtszeit als Staatsoberhaupt, gibt es täglich Demonstrationen in der Hauptstadt. Nachdem die Polizei eine nicht genehmigte Aktion gewaltsam aufgelöst und mehr als 400 Menschen festgenommen hatte, organisieren die Demonstranten sogenannte Flashmobs: Plötzlich und unangekündigt tauchen sie an einem markanten Platz im Stadtzentrum auf, errichten ihr Lager und bleiben über Nacht.
jok/dpa/dapd