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21.05.2012
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Griechenlands radikale Linke

Tsipras will mit Merkel und Hollande verhandeln

Politiker Tsipras: "Die Umsetzung der Sparpolitik ist offensichtlich gescheitert"
REUTERS

Politiker Tsipras: "Die Umsetzung der Sparpolitik ist offensichtlich gescheitert"

Er könnte griechischer Regierungschef werden - der Chef der radikalen Linken drängt vor den Neuwahlen auf die europäische Bühne. Alexis Tsipras reist nach Berlin und Paris, verlangt Reformverhandlungen und setzt auf schwindenden deutschen Einfluss: "Zum ersten Mal ist Merkel extrem isoliert."

Athen - Die griechische Linke geht in die Offensive und will in Berlin und Paris für neue Verhandlungen über den Reformkurs ihres taumelnden Heimatlandes werben. Die Zeit sei reif für Gespräche darüber, wie Griechenland in der Euro-Zone gehalten werden könne, sagte der Chef der radikalen Links-Partei Syriza, Alexis Tsipras, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit dem Wahlsieg des französischen Sozialisten François Hollande fehle Bundeskanzlerin Angela Merkel ein wichtiger Partner bei der Durchsetzung des Sparkurses, sagte der 37-Jährige, dessen Partei bei der erneuten Abstimmung über ein griechisches Parlament Mitte Juni gute Chancen hat, stärkste Kraft zu werden. "Zum ersten Mal ist Merkel extrem isoliert", betonte er. "Die Umsetzung der Sparpolitik ist offensichtlich gescheitert - nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien, Portugal, Italien, Irland und anderen Ländern."

Der Syriza-Chef kommt am Dienstag nach Berlin und will dort nach Beratungen mit Klaus Ernst und Gregor Gysi von den Linken eine Pressekonferenz geben. Bereits am Montag trifft er sich in Paris unter anderem mit dem linken Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon. Gespräche mit Regierungsvertretern sind nicht vorgesehen. Auch Hollande hat ein Treffen abgelehnt, obwohl er mit seinen Forderungen nach eine stärkeren Wachstumsinitiative zum Hoffnungsträger der Sparkritiker geworden ist.

Tsipras verlangt neue Verhandlungen über die Bedingungen der internationalen Geldgeber auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs. Es sei entwürdigend für einen griechischen Ministerpräsidenten, die Gespräche wie bisher üblich mit technischen Vertretern der sogenannten Troika zu führen, sagte er.

Tsipras verlangt Euro-Bonds

Die Europäische Union, der Internationale Währungsfonds und die Europäische Zentralbank (EZB) haben mit Griechenland ein umfangreiches Reform- und Sparprogramm vereinbart als Basis für ihre Milliardenhilfen. Vorschlagen will der bis vor kurzem kaum bekannte Linke unter anderem eine direkte Unterstützung der nationalen Haushalte durch die EZB, wie sie allerdings als Staatsfinanzierung in den Verträgen für die Euro-Zone strikt untersagt ist. Auch plädiert er wie Hollande für Euro-Bonds, um mit gemeinsamen Anleihen die Schuldenlast schwächerer Staaten auf die Schultern der Stärkeren umzuverteilen. "Wir wollen die europäische Solidarität und Finanzierung dafür nutzen, eine Basis für unsere langfristigen Reformen zu schaffen", sagte Tsipras. "Aber wir müssen wissen, dass wir in zwei bis drei Jahren dieser Abwärtsspirale entkommen, dass wir Wachstum haben werden und dass wir dann das Geld zurückzahlen können, das wir erhalten haben. Wir haben keine Chance, die Mittel zurückzugeben, wenn wir dieses Programm fortsetzen."

Tsipras hofft auf einen Sieg seiner Partei Syriza bei den Neuwahlen am 17. Juni - knapp vier Wochen vor den Neuwahlen in Griechenland zeichnet sich ein dramatisches Rennen zwischen der radikalen Linken und den am Sparkurs festhaltenden Konservativen Nea Dimokratia (ND) ab. Keine Partei hat die Chance auf eine Alleinregierung.

Schäuble redet Griechen in Athener Zeitung ins Gewissen

Neue Umfragen zeichnen ein uneinheitliches Bild. Nach einer in der Zeitung "Kathimerini" veröffentlichten Umfrage des Instituts Public Issue wird die Syriza mit 28 Prozent stärkste Partei. Die ND legt von 18,85 auf 24 Prozent zu. Auch die Sozialisten gewinnen leicht von 13,2 auf 15 Prozent. Eine Umfrage des Instituts MRB für die Sonntagszeitung "Real News" sieht dagegen die Konservativen mit 20,1 Prozent knapp vor der Syriza mit 19,6 Prozent. Die Sozialisten kommen hier auf nur 11,9 Prozent. Auch das Institut Alco sieht die ND mit 23,1 Prozent auf Platz eins vor der radikalen Linken mit 21,4 Prozent. Die Sozialisten sind in dieser Erhebung für die Boulevardzeitung "Proto Thema" auch hier drittstärkste Kraft mit 13,5 Prozent.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Griechen in einem Interview der Athener Zeitung "Kathimerini" vor einer unbedachten Wahlentscheidung gewarnt. Die griechischen Politiker müssten den Wählern erklären, dass die Europäische Union Griechenland helfen wolle. Es gebe aber keine Hilfe ohne Voraussetzungen. Ob das Sparprogramm in die Tat umgesetzt würde, hänge allein von den griechischen Politikern ab; erklärte Schäuble. Es sei nicht an ihm, dem griechischen Volk zu sagen, was es wählen solle. Die Griechen müssten sich aber im Klaren sein, dass sie bei der Wahl am 17. Juni nicht einfach für eine Partei stimmen, sagte Schäuble der Zeitung.

Die wichtigsten westlichen Industriestaaten und Russland hatten sich bei ihrem Gipfeltreffen in Camp David am Wochenende für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen. "Alle G-8-Mitgliedstaaten wollen, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag am Rande der Beratungen. Voraussetzung sei aber, dass das Land die Verpflichtungen, die es eingegangen sei, auch einhalte. "Das ist von allen gleichermaßen hier so geteilt worden", sagte Merkel.

Die G8 sei sich auch einig gewesen, dass in der Euro-Zone sowohl Wachstum als auch Haushaltskonsolidierung nötig sei, sagte Merkel. "Konsolidierung und Wachstum sind zwei Seiten einer und derselben Medaille." An dieser Stelle gebe es auch Einigkeit zwischen Frankreich und Deutschland. Wachstum könne durch Haushaltskonsolidierung, strukturelle Reformen und Zukunftsinvestitionen geschaffen werden. "Es geht nicht um Konjunkturprogramme im herkömmlichen Sinne", so die deutsche Kanzlerin.

anr/Reuters/dpa

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insgesamt 95 Beiträge
1. Was ein Dummkopf
qranqe 21.05.2012
Merkel ist doch nicht isoliert! Nur weil mit Hollande ein Träumer dazugekommen ist, der seinem Volk nicht realisierbare Dinge versprochen hat, ist das noch lange kein Problem für Merkel. Sowieso zeigt sich schon, dass in der [...]
Merkel ist doch nicht isoliert! Nur weil mit Hollande ein Träumer dazugekommen ist, der seinem Volk nicht realisierbare Dinge versprochen hat, ist das noch lange kein Problem für Merkel. Sowieso zeigt sich schon, dass in der Schuldenkrise nicht Mehrheiten, sondern Möglichkeiten entscheiden. Sonst hätten wir jetzt nach dem G8-Treffen große Konjunkturprogramme auf Pump. Aber, oh Wunder, auch Obama stärkt Merkel den Rücken. Da kann der Rest von Europa noch so sehr nach deutschem Steuergeld verlangen. Dass unsere lieben Nachbarn in dieser Frage kaum mehr Hemmungen kennen, finde ich erschreckend.
2.
lezel 21.05.2012
Der ist ja lustig. Hat er verschlafen, daß diese Gespräche längst stattfanden und daraus Verträge entstanden, die heute gelten?
Zitat von sysopDie Zeit sei reif für Gespräche darüber, wie Griechenland in der Euro-Zone gehalten werden könne
Der ist ja lustig. Hat er verschlafen, daß diese Gespräche längst stattfanden und daraus Verträge entstanden, die heute gelten?
3. Der kommunistische Erpresser
elwu 21.05.2012
Tsipras hat überhaupt keine Forderungen zu stellen sondern genau gar nichts zu melden, weil keinerlei offizielles Amt. Der kann als Privatmann nur für sich und seine ultrarote Partei sprechen, gerne auch mit der deutschen [...]
Tsipras hat überhaupt keine Forderungen zu stellen sondern genau gar nichts zu melden, weil keinerlei offizielles Amt. Der kann als Privatmann nur für sich und seine ultrarote Partei sprechen, gerne auch mit der deutschen Variante 'Die Linke', das ist aber schon alles.
4. ESM und Fiskalpakt: KEIN europäischer Bürger hat darüber abstimmen können...
cheechago 21.05.2012
und jetzt kommen die Griechen und stellen Merkels "marktkonforme" Demokratie in Frage: Merkel hat zusammen mit Sarkozy immer mehr ureigene Entscheidungen der nationalen Parlamente durch die ausserhalb dieser [...]
Zitat von sysopEr könnte griechischer Regierungschef werden - der Chef der radikalen Linken drängt vor den Neuwahlen auf die europäische Bühne. Alexis Tsipras reist nach Berlin und Paris, verlangt Reform-Verhandlungen und setzt auf schwindenden deutschen Einfluss: "Zum ersten Mal ist Merkel extrem isoliert". Alexis Tsipras: Griechische Linke will mit Europa verhandeln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834103,00.html)
und jetzt kommen die Griechen und stellen Merkels "marktkonforme" Demokratie in Frage: Merkel hat zusammen mit Sarkozy immer mehr ureigene Entscheidungen der nationalen Parlamente durch die ausserhalb dieser beschlossenen Konstrukte ESM und Fiskalpakt ausgehebelt. Das mag dem Finanzkapitalismus gut tun (Banken haben ja intensiv an diesen Mechanismen mitgearbeitet) ,aber sicher nicht dem Steuerzahler der für all das gerade stehen muss - auch mit folgenden Generationen. Zudem wird Europa so nicht zusammenwachsen - aber gerade Deutschland hat vom europäischen Wirtschaftsraum extrem profitiert. Kaptitalismus brauch keine Demokratie (s. Oligarchen-Russland oder Chile unter Pinochet) . In seiner heutigen Form höhlt er diese aus und schafft repressive Strukturen (wegfallender Spielraum für Bildungszugang, gesellschaftliche Teilhabe, sorgenfreies Alter, prekäre Arbeitsverhältnisse).
5. Keine...
echobravo 21.05.2012
Eurobonds ohne Sparprogramm der Betroffenen oder Fiskalpakt. Ich bin guter Dinge dass unser Bundestag das ganze ansonsten stoppt und ich wäre ausnahmsweise auf Seite der "Euro Rebellen".
Eurobonds ohne Sparprogramm der Betroffenen oder Fiskalpakt. Ich bin guter Dinge dass unser Bundestag das ganze ansonsten stoppt und ich wäre ausnahmsweise auf Seite der "Euro Rebellen".

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