21.05.2012
Jemen
Selbstmordattentäter reißt mehr als 90 Menschen in den Tod
Sanaa - Dutzende Menschen hat ein Selbstmordattentäter in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa mit in den Tod gerissen - wie viele genau ums Leben kamen, ist unklar. Jemens Verteidigungsministerium meldet 96 Tote, zuvor war von mindestens 60 Todesopfern die Rede gewesen. Die Zahl der Verletzten wird mit 222 angegeben. Die meisten Opfer sind demnach Soldaten.
Nach Angaben aus Militärkreisen sprengte sich der Selbstmordattentäter unweit des Präsidentenpalastes in die Luft, als Soldaten gerade für eine Parade zum Nationalfeiertag am Dienstag probten. Der Attentäter trug den Angaben zufolge selbst eine Militäruniform und konnte sich so unter die Soldaten mischen. Die Explosion riss einen tiefen Krater in den Sabiin-Platz, auf dem die Parade am Dienstag stattfinden sollte.
Die attackierten Soldaten sollen größtenteils einer Eliteeinheit angehören, die unter dem Befehl von Yahya Salih stehen, einem Neffen des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih. Der Verteidigungsminister und der Stabschef waren nach Angaben aus Militärkreisen zugegen, blieben aber unverletzt. Die Parade soll am Dienstag aus Anlass des jemenitischen Nationalfeiertags unter Anwesenheit von Präsident Abd Rabbu Mansur al-Hadi abgehalten werden. Ob die Feierlichkeiten trotz des Anschlags wie geplant stattfinden werden, war zunächst unklar.
Wer den Anschlag verübte, war zunächst nicht klar. In den vergangenen Tagen hatte die jemenitische Armee eine von den USA unterstützte Offensive gegen das Terrornetzwerk al-Qaida gestartet. Vom Jemen aus operiert die Qaida-Sektion AQAP, die die USA nicht nur als Bedrohung für die Region, sondern als weltweite Gefahr betrachten.
Am Wochenende hatten sich Qaida-Kämpfer und Regierungstruppen im Süden des Landes schwere Gefechte geliefert. 17 Menschen kamen ums Leben. Unter den Opfern seien acht Aufständische, vier Soldaten und fünf Freiwillige, die auf Seiten der Streitkräfte kämpften, sagte ein Militärsprecher.
Die Regierungstruppen hatten am Freitag ihre Offensive bei Dschaar begonnen. Diese ist Teil der geplanten Rückeroberung von Sindschibar, der Hauptstadt der Provinz Abjan, die seit einem Jahr unter der Kontrolle des örtlichen Arms der al-Qaida steht. In den vergangenen Tagen waren bereits Dutzende Kämpfer auf beiden Seiten ums Leben gekommen.
Unterdessen wird aus dem Westen des Jemen ein Angriff auf US-Soldaten gemeldet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hätten Aufständische das Feuer auf das Auto, in dem die drei Amerikaner saßen, eröffnet. Ein US-Soldat sei dabei verletzt worden.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, unter den Opfern seien viele Schüler und Soldaten - diese von der Nachrichtenagentur dpa stammende Meldung ist falsch und wurde inzwischen korrigiert. Bei den Toten handelt es sich mehrheitlich um Soldaten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
anr/dpa/Reuters/AP/AFP