24.05.2012
Untersuchungsbericht
Uno wirft Regime und Rebellen in Syrien schwere Verbrechen vor
Uno-Militärbeobachter in Syrien: "Ganze Familien wurden hingerichtet."
Genf - Die Lage für die Menschen in Syrien wird immer unerträglicher. Eine unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen wirft den Truppen des Regimes sowie den Rebellen in ihrem jüngsten Bericht schwere Verbrechen vor. Für die Mehrzahl der Untaten sei die Regierungsarmee verantwortlich, stellt die Uno klar.
Ungesetzliche Tötungen durch das Regime seien an der Tagesordnung. Mehrfach habe die Armee ganze Dörfer abgeriegelt und anschließend auf Flüchtlinge geschossen. Rebellen seien nach ihrer Festnahme exekutiert worden. In einzelnen Fällen habe das Militär ganze Familien von Regimegegnern in ihren Häusern hingerichtet. Andere Überlebende schilderten der Kommission Folterungen und Misshandlungen.
Auch vor Kindern mache das Regime keinen Halt: Selbst Zehnjährige würden von den Sicherheitskräften festgehalten und gefoltert, weil ältere Verwandte sich angeblich der Freien Syrischen Armee angeschlossen hätten. Die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad sollen außerdem mehrere Minderjährige exekutiert haben. Zudem seien Kinder von Scharfschützen getötet worden. Einige Schulen seien vom Militär in Kommandoposten umgewandelt worden, eine andere Schule in der Provinz Aleppo sei niedergebrannt worden, weil der Direktor mit Regimegegnern sympathisiert haben soll.
Auch die Aufständischen foltern
Doch auch die Rebellen nehmen wenig Rücksicht auf Menschenrechte. Mehrere Aufständische haben den Uno-Mitarbeitern berichtet, dass ihre Einheiten gefangengenommene Regierungssoldaten exekutierten. In einigen Orten sollen die Regimegegner eigene Gefängnisse für Assad-Anhänger errichtet haben.
Die Kommission habe zudem den zunehmenden Einsatz selbstgebauter Sprengsätze durch die militante Opposition festgestellt. Einige Regimegegner schilderten, wie sie Bomben aus Benzin, Düngemitteln und Metallnägeln herstellten. Diese seien unter anderem gegen Panzer der Regierungsarmee eingesetzt worden.
Auch die Aufständischen setzten Folter als Mittel ein, um festgenommene Regimeanhänger zu Geständnissen zu zwingen. In einigen Fällen seien die Gefangenen dadurch ums Leben gekommen. Zudem nahmen die Rebellen offenbar mehrfach Zivilisten und Soldaten gefangen, um diese gegen eigene Gefangene oder Lösegeld einzutauschen.
Die Uno-Kommission wirft den Aufständischen außerdem vor, Kinder als Kundschafter, Boten und Köche einzusetzen. Mehrere Minderjährige sollen in diesen Funktionen regelmäßig die türkisch-syrische Grenze überschreiten.
Die Untersuchungskommission wurde im August 2011 vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eingesetzt, um die Lage in Syrien zu untersuchen. Die Delegation arbeitet unabhängig von den Militärbeobachtern, die der Uno-Sicherheitsrat nach Syrien entsandt hat.
Die Regierung in Damaskus weigert sich, mit dem Gremium zu kooperieren, und lässt die Uno-Mitarbeiter nicht im Land arbeiten. Der am Donnerstag vorgelegte Bericht beleuchtet die Entwicklungen in Syrien seit März. Er fußt auf Interviews mit 214 Personen, die außerhalb des Landes befragt wurden.
syd