11.06.2012
Grenze zur Türkei
Syrisches Regime legt gezielt Waldbrände auf Fluchtrouten
Detonationen in Homs: Uno-Beobachter bestätigen Beschuss durch Armee-Hubschrauber
Damaskus - In Syrien halten die heftigen Gefechte zwischen Regierungstruppen und Rebellen an - das Regime schneidet Flüchtlingen offenbar gezielt den Weg ab. Sicherheitskräfte legen laut der Nachrichtenagentur Reuters in den Wäldern an der Grenze zur Türkei Feuer. Damit erschweren sie verletzten Zivilisten und Aufständischen die Flucht ins Nachbarland. Ein Reuters-Reporter sah Rauchsäulen von neuen Bränden, die nahe des türkischen Grenzortes Güvecci in den Himmel stiegen.
Aufständische bekräftigten die Vorwürfe an die Regierung in Damaskus. "Sie fangen damit an, entlang der ganzen Grenze Feuer zu legen", sagte einer der Rebellen in einem Flüchtlingslager in Yayladagi, das etwa einen Kilometer von der Grenze entfernt in der türkischen Provinz Hatay liegt. Wegen der Brände müssten Flüchtlinge nun weite Wege gehen. Einige Verletzte seien bereits gestorben, weil sie nicht rechtzeitig Hilfe erhielten. Die Aufständischen selbst überqueren die Grenze nahe Güvecci nicht mehr, da syrische Soldaten diese Stelle von zwei Türmen aus überwachen und die verkohlten Baumstümpfe kaum Deckung bieten.
Die Vorgänge auf der syrischen Seite können kaum überprüft werden, da internationale Journalisten nicht ungehindert arbeiten dürfen. Bereits vor Monaten hatte die syrische Armee damit begonnen, Teile der Grenze zu verminen.
Uno bestätigen erstmals Beschuss durch Kampfhubschrauber
Der internationale Sondergesandte Kofi Annan sprach von einer weiteren Eskalation der Kämpfe. Zum ersten Mal konnten Beobachter der Uno-Mission bestätigen, dass das Regime Kampfhubschrauber für den Beschuss von Städten einsetzt, die als Rebellenhochburgen gelten. Auf diese Weise seien die Truppen gegen Rastan und Talbiseh vorgegangen, zwei Orte nördlich der Stadt Homs. Wie Aktivisten berichteten, nahmen die Soldaten von Präsident Baschar al-Assad auch andere Gebiete in mehreren Provinzen des Landes unter Beschuss.
Nach nicht unabhängig zu überprüfenden Angaben wurden bei den Attacken am Montag mindestens 24 Menschen getötet, die in London ansässigen oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete mehr als 70 Tote. Die Regierung setze inzwischen verstärkt Hubschrauber ein, "nachdem ihre Bodentruppen große Verluste erlitten haben", sagte Direktor Rami Abdul-Rahman. "Dutzende Fahrzeuge" seien von den Rebellen seit Ende Mai "zerstört oder beschädigt" worden.
In anderen Städten seien die Assad-Truppen mit Panzern und Granaten vorgegangen, konkret in den Provinzen Homs, Hama, Daraa, Aleppo, in Vororten der Hauptstadt Damaskus sowie in Deir al-Sor. Die vom Regime kontrollierte Nachrichtenagentur Sana meldete, die Behörden hätten in Damaskus einen Anschlag mit einer Autobombe verhindert. Der 700 Kilogramm schwere Sprengsatz sei von Experten entschärft worden.
fdi/Reuters/dapd