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13.06.2012
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Streit um Finanzsteuer

EU-Kommission widerspricht Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Brüssel hält Schnellverfahren für Finanzsteuer für möglich
dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Brüssel hält Schnellverfahren für Finanzsteuer für möglich

Das dürfte SPD und Grünen gefallen: Während Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Finanztransaktionsteuer noch in dieser Wahlperiode für unmöglich hält, ist man in EU-Kreisen offenbar ganz anderer Ansicht. Dort kann man sich ein Schnellverfahren in diesem Jahr vorstellen.

Berlin - Seit Tagen feilschen Opposition und Regierung um die Ratifizierung des Fiskalpakts - ein wichtiger Knackpunkt: Wann wird die von SPD und Grünen verlangte Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte beschlossen? Die Opposition will dies in diesem Jahr tun. Jetzt bekommt sie dafür Unterstützung aus Brüssel: Nach Auskunft der EU-Kommission kann die Abgabe noch 2012 vereinbart werden, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Voraussetzung sei, dass beim Treffen der EU-Finanzminister kommende Woche in Luxemburg oder danach im Juli von mindestens neun Ländern ein entsprechender Antrag gestellt werde, hieß es im Umfeld von Steuerkommissar Algirdas Semeta.

Die EU-Kommission sei demnach zu einer "prioritären Prüfung" eines solchen Antrags bereit. Liege dieser bis zum Sommer vor, wäre es möglich, die Einführung der Steuer auf alle Finanzgeschäfte in neun oder mehr Ländern Ende dieses Jahres zu beschließen. Erhoben werden könnte die Abgabe aber tatsächlich erst Anfang 2014, da umfangreiche Vorarbeiten nötig wären.

SPD und Grüne machen ihre Zustimmung zum EU-Fiskalpakt davon abhängig, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konkrete Schritte zur Einführung einer Finanzsteuer unternimmt. Merkel ist dazu nach eigenem Bekunden bereit. Allerdings fühlt sich die Opposition hingehalten, da die Koalition gleichzeitig betont, dass eine Umsetzung des Vorhabens in dieser Wahlperiode kaum möglich sei.

Schäuble wirbt um Unterstützung

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) bemühe sich darum, bis Ende kommender Woche neun Unterstützerstaaten für die Finanzsteuer zusammenzubekommen. Ob das gelinge, sei allerdings offen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Die Europäischen Verträge sehen vor, dass eine Gruppe von neun oder mehr Staaten im Rahmen der sogenannten verstärkten Zusammenarbeit vorangehen, wenn sich die 27 EU-Mitglieder in einer bestimmten Frage nicht einig werden. Die Finanztransaktionsteuer wird unter anderem von Großbritannien blockiert, da es um seinen Finanzmarktplatz London fürchtet.

Treffen im Kanzleramt

Am späten Mittwochmorgen treffen sich die Spitzen von Koalition und Opposition mit der Kanzlerin, um eine Lösung im Streit um den Fiskalpakt zu suchen. Mit einem Durchbruch im Kanzleramt wird aber noch nicht gerechnet. Die Opposition sieht bei vielen Fragen noch Klärungsbedarf. Merkel hatte bereits am Dienstag in einer Sitzung der Unionsfraktion davor gewarnt, falsche Erwartungen zu wecken. Noch sei man mitten in der Arbeit.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) rechnet für das heutige Spitzentreffen mit einer weiteren Annäherung. "Ich finde, dass wir nicht so weit auseinanderliegen", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". "Die Finanztransaktionssteuer wird so schnell wie möglich umgesetzt."

Weil der Fiskalpakt mit Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden muss, ist Schwarz-Gelb auf die Unterstützung der Opposition angewiesen. Die Regierung drängt darauf, den Fiskalpakt zusammen mit dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM möglichst bis Ende Juni zu billigen, um ein positives Signal an die Märkte zu geben. Der ESM tritt am 1. Juli in Kraft.

SPD-Linke forderten am Mittwoch härtere Bedingungen für ein Ja ihrer Partei zu dem Fiskalpakt. "So wie das jetzt vorgesehen ist, kann man dem nicht zustimmen", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Klaus Barthel, der "Berliner Zeitung".

Für den Juso-Vorsitzenden Sascha Vogt reicht die Finanztransaktionssteuer allein nicht aus. Neben einem Konjunkturprogramm müssten mit der Bundesregierung "verbindliche Schritte für eine gemeinsame Einnahmenpolitik" der EU verhandelt werden. "Dazu gehören Mindeststeuersätze für Unternehmen und Vermögen sowie Euro-Bonds", so Vogt.

"Einziger Hoffnungsschimmer in der verkorksten Euro-Politik"

Der Bund der Steuerzahler wandte sich vor dem Spitzentreffen im Kanzleramt gegen eine Neuverhandlung des Fiskalpakts. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Vizepräsident Reiner Holznagel: "Der Fiskalpakt darf nicht aufgeweicht werden. Er ist der einzige Hoffnungsschimmer in der verkorksten Euro-Politik." Die Opposition forderte Holznagel auf, den Fiskalpakt "uneingeschränkt" zu unterstützen. Wachstumselemente, wie sie Rot-Grün fordere, bedeuteten dagegen mehr Staatsschulden. Auch mit einer Finanztransaktionssteuer würde "einzig der Steuerzahler" zur Kasse gebeten.

Nach dem Treffen mit Merkel fliegen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der frühere Finanzminister Peer Steinbrück zu Gesprächen mit dem neuen französischen Präsidenten François Hollande nach Paris. Fankreich führt bereits zum 1. August eine Finanztransaktionssteuer ein.

heb/dpa/dapd

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insgesamt 22 Beiträge
1.
garfield 13.06.2012
Tja, schon Mist, wenn man wie immer, wenn man etwas NICHT will, nach europäischen Lösungen ruft - und plötzlich finden sich genug Länder für so eine Lösung. Jetzt müssen Merkels Bedienstete aber mächtig im Hintergrund kreiseln, [...]
Zitat von sysopDas dürfte SPD und Grünen gefallen: Während Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Finanztransaktionsteuer noch in dieser Wahlperiode für unmöglich hält, ist man in EU-Kreisen offenbar ganz anderer Ansicht. Dort kann man sich ein Schnellverfahren in diesem Jahr vorstellen. Finanzsteuer kann laut EU-Kommission doch noch 2012 vereinbart werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838524,00.html)
Tja, schon Mist, wenn man wie immer, wenn man etwas NICHT will, nach europäischen Lösungen ruft - und plötzlich finden sich genug Länder für so eine Lösung. Jetzt müssen Merkels Bedienstete aber mächtig im Hintergrund kreiseln, um das einigen Ländern auszureden. Denn sonst war zu früh gefrohlockt, die Finanzsteuer bis zur nächsten Legislaturperiode vor sich her zu schieben.
2. Die Steuer macht sich gut
diefreiheitdermeinung 13.06.2012
als Beruhigungsmittel fuer das Wahlvolk weil es dann meint die Regierungen wuerden die boesen Banken nun richtig an die Kandarre nehmen und abstrafen. Die Sache ist zudem ideologiebefrachtet, wird wahnsinnig schwierig zu [...]
als Beruhigungsmittel fuer das Wahlvolk weil es dann meint die Regierungen wuerden die boesen Banken nun richtig an die Kandarre nehmen und abstrafen. Die Sache ist zudem ideologiebefrachtet, wird wahnsinnig schwierig zu administrieren sein, kostet ein kleines Vermoegen in der Durchfuehrung, wird zum Schluss vom ganz normalen Bankkunden bezahlt und NICHT von den Banken und bringt erst recht nicht eine Loesung des europaeischen Schuldenproblems. Und Hedgefonds werden sicherlich durch diese Spielerei NICHT abgeschreckt. Da muesste man schon ganz andere Geschuetze auffahren inkl. einem Spekulationsverbot auf diverse Geschaefte. Aber das bringt natuerlich keine zusaetzlichen Steuern in den Topf.
3. .
kuddel37 13.06.2012
Die EU vergisst, das sie Deutschland nichts vorzuschreiben hat. Wird hier keine Finanztransaktionssteuer beschlossen, gilt sie hier auch nicht und wird nicht erhoben. Deutschland könnte zum Bankenmekka werden. Die EU-Cowns [...]
Zitat von sysopDas dürfte SPD und Grünen gefallen: Während Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Finanztransaktionsteuer noch in dieser Wahlperiode für unmöglich hält, ist man in EU-Kreisen offenbar ganz anderer Ansicht. Dort kann man sich ein Schnellverfahren in diesem Jahr vorstellen. Finanzsteuer kann laut EU-Kommission doch noch 2012 vereinbart werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838524,00.html)
Die EU vergisst, das sie Deutschland nichts vorzuschreiben hat. Wird hier keine Finanztransaktionssteuer beschlossen, gilt sie hier auch nicht und wird nicht erhoben. Deutschland könnte zum Bankenmekka werden. Die EU-Cowns werden immer dreister, schnellstens raus aus dem Euro und der EU.
4.
c++ 13.06.2012
Leider wird eine Frage überhaupt nicht diskutiert: Wofür sollen die zusätzlichen Steuereinnahmen verwendet werden? Die EU-Kommission wie auch Rotgrün gehen davon aus, dass diese Steuereinnahmen sofort an die EU überwiesen werden. [...]
Leider wird eine Frage überhaupt nicht diskutiert: Wofür sollen die zusätzlichen Steuereinnahmen verwendet werden? Die EU-Kommission wie auch Rotgrün gehen davon aus, dass diese Steuereinnahmen sofort an die EU überwiesen werden. Dann bin ich gegen diese Steuer. Werden die Einnahmen aus der Steuer eingesetzt, um z.B. endlich in Bildung und marode Infrastruktur zu investieren, dann bin ich für diese Steuer. Also: cui bono? Die entscheidende Frage.
5. Wie soll das Schattenbankensystem erfasst werden?
böseronkel 13.06.2012
Es ist ja nun wirklich kein Geheimnis, dass besonders die gelbe Wirtschafts-Taliban der Bundesregierung strikt gegen irgendeine Steuer, die die oberen 10% trifft, ist. Steuern auf Börsenumsätze sind nicht besonders sinnvoll, wenn [...]
Es ist ja nun wirklich kein Geheimnis, dass besonders die gelbe Wirtschafts-Taliban der Bundesregierung strikt gegen irgendeine Steuer, die die oberen 10% trifft, ist. Steuern auf Börsenumsätze sind nicht besonders sinnvoll, wenn die gefährlichen over-the-counter-Geschäfte in dark-rooms des Schattenbankensektors nicht erfasst werden. Wie können es international organisierte Staaten zulassen, dass Wetten gegen Staaten wie Spanien möglich sind. Wir wissen, Schattenbanken können es durch Verkäufe von Staatsanleihen, die sie gar nicht besitzen, dafür sorgen, dass diese Wetten auch gewonnen werden.

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