19.06.2012
5+1-Gespräche in Moskau
Atomverhandlungen mit Iran gescheitert
Ashton (l.) und Irans Chefermittler Dschalili (r.): Gespräche in der großen Runde gescheitert
Moskau - Iran hält weiter an seinem umstrittenen Atomprogramm fest. Die Verhandlungen der 5+1-Gruppe wurden nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton unterbrochen. Seit gestern hatten die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland mit der iranischen Führung verhandelt.
Die Gespräche seien detailliert und strittig gewesen, sagte Ashton. Die Weltmächte würden weiterhin eine diplomatische Lösung im Atomstreit anstreben. Die Unterschiede der Positionen seien jedoch signifikant geblieben. Das weitere Vorgehen hänge von Iran ab: "Wir erwarten von Iran zu entscheiden, ob das Land gewillt ist Diplomatie funktionieren zu lassen", sagte Ashton.
Der Westen fürchtet, dass Iran nach Atomwaffen strebt und hat deshalb harte Sanktionen gegen die Regierung in Teheran verhängt. Als Bedingung für eine mögliche Lockerung forderten die Vetomächte in den Verhandlungen, dass die Urananreicherung in iranischen Anlagen auf 20 Prozent zurückgefahren wird und die Regierung Inspektionen in iranischen Atomanlagen zulässt.
Darauf lässt sich Iran jedoch bislang nicht ein: Chefunterhändler Said Dschalili betonte erneut, dass das Atomprogramm lediglich zivilen Zwecken diene. Die Anreicherung von Uran sei ein garantiertes Recht des Landes, sagte Dschalili. Zuletzt hatten Drohungen Israels, notfalls militärisch gegen das Atomprogramm vorzugehen, den Konflikt weiter verschärft.
Die Verhandlungen in Moskau standen nach Angaben aus Delegationskreisen schon mehrmals vor dem Abbruch. Geplant ist nun ein Treffen einer technischen Arbeitsgruppen in Istanbul am 3. Juli, sagte die EU-Außenbeauftragte Ashton. An das Ergebnis dieses Treffen seien auch weitere Gespräche der 5+1-Gruppe mit dem iranischen Chefunterhändler Dschalili gebunden.
Alternative Runde ohne EU-Beteiligung denkbar
Die Verhandlungen hatten sich von Anfang an schwierig gestaltet. "Wir sehen in Gesprächen in der jetzigen Konstellation keinen Sinn mehr", sagte ein Mitglied der iranischen Delegation. Auch die einflussreichen Revolutionsgarden in Teheran teilen offenbar diesen Standpunkt: "Wir haben zumindest in diese Art der Verhandlungen alle Hoffnungen verloren", sagte General Mohamed-Resa Naghdi nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur ISNA.
Nach Angaben von Diplomaten gibt es jedoch möglicherweise eine Alternative zu den Gesprächen in der großen Runde: So könnte sich Iran zu direkten Verhandlungen mit Russland und den USA treffen - ohne eine Beteiligung der Europäischen Union. So könnte noch einmal Bewegung in den Streit kommen, hoffen Experten.
usp/dpa/Reuters/AFP
