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08.07.2012
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Israel

Tausende fordern Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden

Demonstranten in Tel Aviv: Alte Regel muss bis zum 31. Juli abgeschafft werden
REUTERS

Demonstranten in Tel Aviv: Alte Regel muss bis zum 31. Juli abgeschafft werden

Ultraorthodoxe müssen in Israel nicht zum Militär. Wehrpflichtige wollen die alte Regel nicht mehr hinnehmen - und rufen zum Protest auf: Jetzt demonstrierten mindestens 10.000 Menschen in Tel Aviv. Die Regierung sucht nach einer Lösung.

Tel Aviv - Die Sonderregelung bei der Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden spaltet die Gesellschaft in Israel: Mehrere tausend Menschen haben am Samstagabend in Tel Aviv für eine Reform des Militärdienstes und eine Einbeziehung der bisher davon befreiten ultraorthodoxen Juden demonstriert. Nach Angaben der Polizei versammelten sich mindestens 10.000 Demonstranten zu der Kundgebung vor dem Kunstmuseum der Stadt, die Organisatoren gaben eine dreimal höhere Teilnehmerzahl an. "Ein Volk = eine Wehrpflicht" stand auf den Spruchbändern der Demonstranten.

Männer müssen in Israel für drei Jahre zum Militär, Frauen für zwei. Von der Wehrpflicht ausgenommen sind ultraorthodoxe Juden und Angehörige der arabischen Minderheit. Staatsgründer David Ben-Gurion hatte viele Gründe, alle Ultraorthodoxen vor 64 Jahren freizustellen: Er meinte, auf die wenigen hundert Religiösen, die sich selber "Haredim" (Hebräisch: Gottesfürchtige) nennen, verzichten zu können. Sie hatten keine militärische Ausbildung und identifizierten sich nicht mit der Ideologie des säkularen Staates. Doch betraf die Freistellung 1948 gerade einmal 400 Personen, sind heute mindestens 60.000 Haredim automatisch vom Wehrdienst freigestellt.

Der Oberste Gerichtshof hatte diese Regelung für verfassungswidrig erklärt und deren Abschaffung zum 31. Juli verlangt. "Wir müssen ein neues Gesetz über die Wehrpflicht erlassen, andernfalls werden vom 1. August an rund 60.000 junge orthodoxe Juden als Deserteure betrachtet", sagte der Parlamentsabgeordnete der Kadima-Partei, Jochanan Plessner.

Der Konflikt bedroht die große Koalition des rechtsorientierten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Der Regierungschef hatte am Montag ein Komitee aufgelöst, das einen Gesetzesentwurf über einen allgemeinen Wehr- oder Ersatzdienst ausgearbeitet hatte. Der Komiteevorsitzende Plessner veröffentlichte die Empfehlungen dennoch. Er sprach sich dafür aus, strengreligiöse Männer im Alter von 22 Jahren in die Armee aufzunehmen. Nur jährlich 1500 hochbegabte Religionsstudenten sollten vom Dienst an der Waffe freigestellt werden. Verweigerer sollten Geldstrafen erhalten. Der Kadima-Vorsitzende Schaul Mofas hatte mit einem Ausscheiden aus der Koalition gedroht, sollten diese Empfehlungen nicht angenommen werden. Am Sonntag wollte Netanjahus Likud-Partei über Kompromisslösungen beraten.

yes/dpa/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
1. Kann ein unfreiwilliger Soldat ein guter Soldat sein?
MrStoneStupid 08.07.2012
Ja aber garantiert ist das keineswegs. Wehrdienst sollte nach Möglichkeit freiwillig sein. Israel muss besser werden, das israelische Militär muss besser werden, so dass der Wehrdienst eine Ehre und begehrt ist, so dass es [...]
Ja aber garantiert ist das keineswegs. Wehrdienst sollte nach Möglichkeit freiwillig sein. Israel muss besser werden, das israelische Militär muss besser werden, so dass der Wehrdienst eine Ehre und begehrt ist, so dass es genügend Freiwillig gibt. (imho)
2.
PublicTender 08.07.2012
Ich kenne mich da nur wenig aus. Wollen die nicht Wehrdienst leisten weil sie die Dienst an der Waffe aus ethischen bzw. religiösen Gründen ablehnen? Also wie unsere Verweigerer? Oder sehen die Wehrdienst als notwendig [...]
Zitat von sysopUltraorthodoxe müssen in Israel nicht zum Militär. Wehrpflichtige wollen die alte Regel nicht mehr hinnehmen - und rufen zum Protest auf: Jetzt demonstrierten mindestens 10.000 Menschen in Tel Aviv. Die Regierung sucht nach einer Lösung. Israel: Tausende fordern Wehrpflicht für orthodoxe Juden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843220,00.html)
Ich kenne mich da nur wenig aus. Wollen die nicht Wehrdienst leisten weil sie die Dienst an der Waffe aus ethischen bzw. religiösen Gründen ablehnen? Also wie unsere Verweigerer? Oder sehen die Wehrdienst als notwendig an, wollen aber nicht selber weil sie "an der religiösen Front kämpfen"?
3.
sp0n 08.07.2012
Zur sogenannten Wehrgerechtigkeit habe ich eine recht klare Meinung. Jedoch gibt es im eigenen (Deutsch)Land genug zu kehren. Sind hierzulande doch gar ca. 50% der Bevölkerung von der Wehrpflicht befreit.
Zitat von sysopUltraorthodoxe müssen in Israel nicht zum Militär. Wehrpflichtige wollen die alte Regel nicht mehr hinnehmen - und rufen zum Protest auf: Jetzt demonstrierten mindestens 10.000 Menschen in Tel Aviv. Die Regierung sucht nach einer Lösung. Israel: Tausende fordern Wehrpflicht für orthodoxe Juden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843220,00.html)
Zur sogenannten Wehrgerechtigkeit habe ich eine recht klare Meinung. Jedoch gibt es im eigenen (Deutsch)Land genug zu kehren. Sind hierzulande doch gar ca. 50% der Bevölkerung von der Wehrpflicht befreit.
4. Nt
vogelskipper 08.07.2012
Auf Gewaltfreiheit werden sie sich schlecht berufen können und mit Waffen können viele auch gut umgehen und tragen sie in den Siedlungen offen um die Schulter. Ich bin mal auf die Argumentation gespannt, warum sie nicht beim [...]
Auf Gewaltfreiheit werden sie sich schlecht berufen können und mit Waffen können viele auch gut umgehen und tragen sie in den Siedlungen offen um die Schulter. Ich bin mal auf die Argumentation gespannt, warum sie nicht beim Militär dienen sollen/ können.
5.
Dumpfmuff3000 08.07.2012
Die Ultraorthodoxen sind nicht nur religiös gesehen ultraorthodox, sie sind auch politisch gesehen ultrarechtsradikal und befürworten kritiklos auch noch die aggressivste israelische Außenpolitik (obschon sie den Staat Israel [...]
Zitat von PublicTenderIch kenne mich da nur wenig aus. Wollen die nicht Wehrdienst leisten weil sie die Dienst an der Waffe aus ethischen bzw. religiösen Gründen ablehnen? Also wie unsere Verweigerer? Oder sehen die Wehrdienst als notwendig an, wollen aber nicht selber weil sie "an der religiösen Front kämpfen"?
Die Ultraorthodoxen sind nicht nur religiös gesehen ultraorthodox, sie sind auch politisch gesehen ultrarechtsradikal und befürworten kritiklos auch noch die aggressivste israelische Außenpolitik (obschon sie den Staat Israel ablehnen), befürworten und betreiben militante Siedlungsexpansion etc. Das heißt, aus Pazifismus verweigern die den Militärdienst garantiert nicht. Kämpfen wollen sie selber aber nicht, sondern das darf dann die restliche Bevölkerung für sie erledigen. Ultraorthodoxe Familien produzieren im Schnitt 10 Kinder und werden in den nächsten zwei Jahrzehnten bis zu 40% der israelischen Beölkerung ausmachen. Die gehen nicht arbeiten, sondern kassieren staatliche Unterstüzung und studieren 24/7 die Tora. Und wollen einen fundamentalistischen religiösen Staat, mit Geschlechtertrennung im gesamten öffentlichen Raum. Ach ja und am Sabbat sollen in Krankenhäusern lebenserhaltende Geräte abgeschaltet werden, Krankenwagen nicht fahren dürfen etc. Viel Spaß noch mit diesen Leuten, Israel.

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