13.07.2012
Britischer Geheimdienst
MI 6-Chef prahlt mit Operationen gegen Iran
MI 6-Chef Sawers: "Eine Reihe von Operationen durchgeführt"
London/Hamburg - Der Auftritt des britischen Geheimdienstchefs schwankte zwischen Stolz und Sorge: Es sei seinen Agenten gelungen, die Fähigkeit Irans zum Bau einer Atombombe bereits im Jahr 2008 durch verdeckte Operationen zu vereiteln, sagte John Sawers, Leiter des Auslandsgeheimdienstes MI 6, laut dem britischen "Telegraph" in der vergangenen Woche vor etwa hundert hochrangigen Regierungsbeamten in London. Der Bericht stützt sich auf eine Zusammenfassung der Rede in einer Zeitschrift für britische Regierungsbeamte.
Es war erst der zweite öffentliche Auftritt des MI 6-Chefs seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009. Die Aussagen Sawers sind auch deshalb bemerkenswert, weil Großbritannien wie auch die USA bislang ihre Beteiligung stets abgestritten hatten, wenn Iran sie geheimdienstlicher Schläge gegen das Atomprogramm bezichtigte. Zwar hatte Sawers bei seiner ersten Rede im Oktober 2010 erklärt, Atomwaffen stellten für Großbritannien eine größere Bedrohung als Terrorismus dar, über gezielte Operationen sprach er jedoch nicht.
Der MI 6-Chef nannte laut dem Bericht auch in seiner jüngsten Rede keine Details, gab aber zu, der Auslandsdienst habe "eine Reihe von Operationen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die internationalen Sanktionen umgesetzt werden". Der MI 6 werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die Probleme zu bekämpfen.
Die erfolgreichen Maßnahmen des Geheimdiensts haben demnach jedoch nur für eine Verzögerung gesorgt. Nur noch zwei Jahre würden Iran davon trennen, zur Atommacht aufsteigen zu können. Damit steige die Gefahr eines Angriffs seitens der USA oder Israel.
"Atommacht Iran akzeptieren - oder Militärschlag anordnen"
Er sei auch persönlich sehr stolz darauf, in den vergangenen zehn Jahren in verschiedenen Ämtern mit dieser Angelegenheit weltweiten Interesses befasst gewesen zu sein, sagte Sawers demnach weiter. Er habe das Gefühl, dass er damit auch Wirkung erzielt habe.
Trotz der Erfolge gab Sawers keinen optimistischen Ausblick. Es sei die Aufgabe des MI 6 gewesen, "jenen furchtbaren Moment zu verzögern, wenn die Politiker sich entscheiden müssen, entweder Iran als Atommacht zu akzeptieren oder einen Militärschlag gegen Iran anzuordnen". Wenn es so weit sei, wäre es einem israelischen Regierungschef oder einem US-Präsidenten kaum möglich, Irans Atommachtstatus zu akzeptieren.
In den vergangenen Jahren hat es eine ganze Reihe von Angriffen auf das iranische Atomprogramm gegeben - etwa durch Computerviren. So soll der Mitte 2010 entdeckte Stuxnet-Virus erheblichen Schaden in den Urananreicherungsanlagen Irans verursacht haben. Erst vor wenigen Wochen machte der Spionagevirus Flame Furore, der Ähnlichkeiten mit Stuxnet aufweist und aus ihm entwickelt worden sein könnte. Darüber hinaus kamen mehrere hochrangige iranische Atomwissenschaftler bei Anschlägen ums Leben.
Konflikt verschärft sich schnell
Iran beschuldigte nach den Attacken jeweils die Geheimdienste der USA, Israels und Großbritanniens. Israel schwieg stets zu den iranischen Anwürfen, während Amerikaner und Briten sie von sich wiesen.
Der Konflikt um das iranische Atomprogramm hat in den vergangenen Monaten erheblich an Schärfe gewonnen. Nicht nur die Hauptgegner Irans - die USA und Israel - befürchten die Atombombe in der Kontrolle des Regimes in Teheran. Auch der Chef der internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEA warnte Anfang März mit deutlichen Worten, seine Behörde sei in "großer Sorge" und "tief beunruhigt" wegen der möglichen Arbeiten Irans an Atomwaffen.
Seit Monaten werden immer wieder Gedankenspiele aus israelischen und amerikanischen Militärkreisen über militärische Schläge gegen die iranischen Atomanlagen publik. Anfang März drohte US-Präsident Barack Obama mit Angriffen, um den Bau einer Atombombe zu verhindern: "Ich bluffe nicht."
Auch auf anderem Gebiet verstärken die USA und ihre Verbündeten derzeit den Druck auf Iran, etwa durch ein strenges Ölembargo. Am Donnerstag weiteten die USA die Sanktionen gegen die Islamische Republik aus, indem sie Restriktionen gegen elf Unternehmen verhängten, die Verbindungen zum Atomwaffenprogramm der Iraner haben sollen.
fdi