19.07.2012
Omar Suleiman ist tot
Ägyptens Folterknecht im Maßanzug
Kairo/Cleveland - Omar Suleiman war auf sein Äußeres bedacht und stets akkurat gekleidet. In seiner Freizeit spielte er gern Karten und Schach. Im Gespräch galt er als ruhig, beherrscht, sogar angenehm. Doch Omar Suleiman hatte ein zweites Gesicht. Als Chef des mächtigen ägyptischen Geheimdienstes ließ er ungezählte Gefangene misshandeln. Er symbolisierte in seiner Heimat wie kaum ein anderer das verhasste Regime von Ex-Präsident Husni Mubarak. Nun ist Suleiman überraschend am frühen Donnerstagmorgen in einem US-Krankenhaus gestorben.
Die Todesursache ist noch ungeklärt. "Es ging ihm gut. Es passierte ganz plötzlich, während er sich in Cleveland medizinischer Tests unterzog", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Bediensteten. Der Leichnam soll nun rasch für den Rücktransport nach Ägypten vorbereitet werden. Suleiman wurde 76 Jahre alt.
Während der jüngsten politischen Umwälzungen in Ägypten hatte Suleiman eine wichtige Rolle gespielt. Über viele Jahre hinweg war der Hardliner einer der engsten Mubarak-Vertrauten gewesen. Dieser hatte ihn noch kurz vor seinem Sturz zu seinem Stellvertreter ernannt. Das Amt verlor Suleiman wieder, als der Oberste Militärrat nach dem Abgang von Mubarak die Macht übernahm.
Suleiman war es letztlich, der am 11. Februar 2011 den von den Demonstranten in Kairo geforderten Rücktritt des Machthabers verkündete.
Da hatte er bereits eine steile Karriere hinter sich. Suleiman stammt aus der ländlichen Provinz Kena, wo er nach unterschiedlichen Quellenangaben 1935 oder 1936 geboren wurde. Als Sohn einer wohlhabenden Familie absolvierte Suleiman eine Militärausbildung in Kairo und in der ehemaligen Sowjetunion, dann studierte er Politik.
Nach seiner Zeit beim Militär wechselte Suleiman zum einflussreichen und gefürchteten ägyptischen Geheimdienst Mucharabat, dessen Leitung er 1991 übernahm. Das unbedingte Vertrauen seines obersten Chefs Mubarak errang der Spionage-General 1995, als der Präsident bei einem Afrika-Gipfel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein Attentat auf seine Limousine unverletzt überstand. Es war Suleiman gewesen, der auf den Einsatz eines schwer gepanzerten Fahrzeugs bestanden hatte.
Danach war er ständig in der Nähe des Präsidenten und mit wichtigsten Entscheidungen betraut. Der frühere Chef eines europäischen Geheimdienstes bezeichnete ihn einmal als "Augen und Ohren des Präsidenten".
Zwei Gesichter: Daheim verhasst - im Ausland geschätzt
Im eigenen Land war Suleiman gefürchtet, im Nahost-Konflikt galt er dagegen über viele Jahre als gefragter Unterhändler. Er erreichte eine Reihe von Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und den Palästinensern und verantwortete die ägyptischen Bemühungen, die Gräben zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen wieder zuzuschütten. Außerdem vermittelte er in dem hochkomplexen Streit der afrikanischen Staaten um das Nilwasser.
US-Medienberichten zufolge war er aber auch an der Verschleppung von Terrorverdächtigen zur Befragung und Folter durch den US-Geheimdienst CIA im Ausland beteiligt.
Weil er den islamistischen Terror in seiner Heimat bekämpft und die pro-westliche Palästinenserfraktion um deren Präsidenten Mahmud Abbas gegen die islamische Hamas unterstützt, gilt Suleiman in den USA und in Israel als "Wunschpartner".
Pleite im Kampf um das Präsidentenamt
Das höchste politische Amt im Land blieb ihm jedoch verwehrt. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers hatte Suleiman eine Kandidatur als Präsident angestrebt. Doch daraus wurde nichts: Die Wahlkommission schloss ihn aus. Suleiman wurde vorgeworfen, nicht die verlangte Anzahl von Unterschriften von Unterstützern aus 15 Provinzen vorgelegt zu haben.
Nach seiner gescheiterten Kandidatur verließ er das nordafrikanische Land. Unterschlupf fand er mit seiner Familie zunächst in Abu Dhabi. Von dort hatte sich Suleiman zuletzt noch einmal mit einer Warnung gemeldet. Ägypten drohe die Isolation, wenn die Islamisten die Macht im Land übernehmen würden, teilte er in seinem letzten offiziellen Statement mit.
jok/mit Material von Reuters und AFP

