17.08.2012
Vereinte Nationen
Brahimi wird neuer Syrien-Sondervermittler
Diplomat Brahimi: Vermittler in einem schwierigen Phase
New York - Der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi übernimmt den Posten des Uno-Sondergesandten für Syrien. Das teilten die Vereinten Nationen am Freitag mit. Der 78-Jährige tritt die Nachfolge von Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan an. Dieser hatte aus Enttäuschung über ausbleibende Fortschritte sein Mandat zum Monatsende niedergelegt.
Brahimi beginnt seine Vermittlerrolle in einem schwierigen Phase. Die fünf-Vetomächte im Weltsicherheitsrat können sich auf keine gemeinsame Linie einigen. Ein für Freitag geplantes Treffen der Syrien-Aktionsgruppe wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Einen Grund, warum die Zusammenkunft verschoben wurde, nannte der Sprecher der russischen Uno-Vertretung auf Anfrage zunächst nicht.
In Syrien kämpfen die Truppen des Assad-Regimes und Aufständische seit 18 Monaten um die Macht. Weil beide Seiten Gewalt und Blutvergießen nicht beenden, besiegelte der Uno-Sicherheitsrat am Donnerstag das endgültige Ende der Beobachtermission Unsmis. An ihre Stelle soll ein Verbindungsbüro in Damaskus treten, in dem rund 30 bis 40 Menschen arbeiten sollen.
Brahimi hält einen Kompromiss dennoch für möglich: "Ich bin optimistisch, dass es eine Lösung in Syrien geben kann. Aber ich bin nicht optimistisch, dass es eine einfache Lösung sein kann", sagte er schon im Juni. "Der Weg wird lang und teuer sein."
Bekannt wurde der Nordafrikaner 1994 in Südafrika, wo er als Chef der Uno-Mission die ersten fairen Wahlen mitorganisierte. Von 1991 bis 1993 war Brahimi Außenminister seines Heimatlandes. Es folgten Uno-Stationen in der ganzen Welt, etwa Liberia, Jemen, Kongo. Brahimi, der fließend Arabisch, Englisch und Französisch spricht, gilt als profunder Kenner der internationalen Beziehungen. Er hat sich bei seinen zahlreichen Kriseneinsätzen den Respekt seiner Verhandlungspartner gesichert.
Brahimi ist ein Diplomat, der nicht seichte Formulierungen wählt, sondern Klartext spricht. Im Jahr 2000 veröffentlichte er in deutlicher Sprache einen Bericht zu Uno-Friedensmissionen. Sein Fazit: Die Bemühungen der Vereinten Nationen seien höchst ehrenvoll, oft sei die Wirkung aber gering.
Besonders oft war Brahimi in Afghanistan. Unter den Taliban konnte er allerdings kaum etwas bewegen - er gab 1999 nach zwei Jahren auf. Doch er kehrte nach dem Sturz der Taliban 2002 zurück und war maßgeblich am Aufbau neuer Strukturen in dem Land beteiligt. Nach Kabul folgte ein weiterer Krisenherd: 2004 und 2005 leitete er die Uno-Mission im Irak.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte nach Angaben eines Sprechers die Bereitschaft von Brahimi, sein Talent und seine Erfahrung in den Dienst dieser entscheidenden Aufgabe zu stellen. "Er wird dafür die starke, klare und gemeinsame Unterstützung der internationalen Gemeinschaft - inklusive des Sicherheitsrats - brauchen, die er zu Recht erwartet." Für die Vereinten Nationen habe die Diplomatie zur friedlichen Beilegung der Krise weiterhin Vorrang.
heb/Reuters/dpa