11.09.2012
Wut über Mohammed-Film
Islamisten attackieren US-Vertretungen in Kairo und Benghasi
US-Konsulat in Benghazi: Gestürmt und angezündet
Kairo - Mit Schildern und schwarzen Fahnen haben sie sich vor die US-Botschaft in Kairo gedrängt. Hunderte aufgebrachte Islamisten skandierten und stürmten am Dienstagabend auf die amerikanische Vertretung zu. Ihr Unmut richtete sich gegen einen Film, in dem ihrer Meinung nach der Prophet Mohammed verunglimpft wird.
Der Film wurde von einem koptischen Christen produziert, der in den USA lebt. Nach Angaben ägyptischer Medien zeigt der Film, von dem Ausschnitte im Internet bei YouTube zu sehen sind, den Propheten beim Sex und zweifelt seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort an.
Auch im libyschen Benghasi kam es wegen des Films zu Unruhen. Dort haben bewaffnete Männer das US-Konsulat gestürmt und es angezündet. Dabei wurde nach Mitteilung von Außenministerin Hillary Clinton ein US-Amerikaner getötet. Ein weiterer US-Bürger sei an der Hand verletzt worden, sagte der libysche Vize-Innenminister Wanis al-Scharef der Agentur. Zunächst hatte ein Sprecher gesagt, in dem Gebäude hätte sich niemand aufgehalten. Alle weiteren Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung seien in Sicherheit gebracht worden.
In Kairo gelang es einigen Demonstranten, die Mauern der Botschaft zu erklettern und die US-Flagge herunterzureißen. Botschaftssprecher hatten zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen", verurteilt.
Die Sicherheitsabsperrungen auf den Straßen rund um die US-Botschaft waren erst kürzlich entfernt worden, nachdem örtliche Händler dies vor Gericht durchgesetzt hatten. Die ägyptischen Behörden mussten zusätzliche Sicherheitskräfte schicken, um die Menge von einer Erstürmung der Botschaft abzuhalten.
In Washington sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, "um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen". Nuland rief außerdem dazu auf, aus dem Vorfall keine Rückschlüsse auf das amerikanisch-ägyptische Verhältnis zu ziehen. Es seien generell Fortschritte bei Kontakten zur zivilen Gesellschaft erzielt worden.
Erst Ende August hatte ein ägyptischer Extremist die deutsche Botschaft in Kairo angegriffen und vor dem Gebäude mit einer Spielzeugpistole um sich geschossen.
Vor einem Jahr hatten Demonstranten die israelische Botschaft in Kairo gestürmt und die Fahne Israels vom Botschaftsgebäude entfernt. Bei heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei starben damals vier Menschen.
kha/dpa/AFP/Reuters