14.09.2012
Attacke gegen Botschaft
Hass auf Deutschland
Khartum - Der Gewaltausbruch in der sudanesischen Hauptstadt hat die deutsche Botschaft nicht unvorbereitet getroffen, seit Tagen bereiteten sich die Diplomaten auf den Tag des Zorns vor. Der Protest entbrannte in Khartum jedoch nicht wegen des in den USA verbreiteten antiislamischen Films "Unschuld der Muslime", sondern richtete sich direkt gegen Deutschland.
Spätestens seit Anfang dieser Woche riefen im Sudan islamistische Prediger und indirekt auch die Regierung zu einer massiven Demonstration vor der deutschen Botschaft an diesem Freitag auf. Mehrere Imame hetzten ihre Anhänger mit der Aussage auf, dass in Deutschland bei Demonstrationen das Bild des heiligen Propheten geschändet werde.
Ganz offenbar spielten die Hass-Prediger dabei auf Aktionen von islamkritischen Organisationen wie der rechtsextremen Kleinpartei Pro NRW an. Anhänger von Pro NRW trugen bei ihren Kundgebungen in Deutschland bereits häufiger Mohammed-Karikaturen mit sich. Bilder dieser Demos, so sagen Beobachter in Khartum, hätten die Massen aufgestachelt.
Der Protest gegen Deutschland bekam in den vergangenen Tagen auch eine politische Komponente. Das Außenministerium in Khartum forderte Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag direkt auf, in Deutschland Demonstrationen mit Mohammed-Karikaturen zu verbieten.
Zudem tadelte das Außenministerium Merkel, weil sie im Jahr 2010 den Zeichner der Karikaturen, die 2005 für wütende Proteste in der gesamten muslimischen Welt gesorgt hatten, bei der Verleihung eines Medienpreises in Potsdam ehrte und den Dänen Kurt Westergaard ausdrücklich als Beispiel für die Meinungsfreiheit lobte.
"Kanzlerin hat Beleidigung des Islam begrüßt"
Das Statement des Ministeriums in Khartum in Richtung Deutschland war eindeutig: "Die deutsche Kanzlerin hat leider eine Beleidigung des Islam begrüßt und damit das friedliche Nebeneinander der Kulturen in Frage gestellt."
Gleichzeitig mobilisierten in Khartum die Anhänger der radikalen Prediger zu einer Großdemonstration. Einer der Prediger forderte die Ausweisung des deutschen Botschafters. Ein Anführer der radikalen Islamischen Befreiungspartei rief seine Anhänger diese Woche mehrmals direkt zu Attacken gegen die deutsche Landesvertretung auf.
Das Auswärtige Amt (AA) war sich der Gefahr durchaus bewusst, dem Vernehmen nach warnte es alle Deutschen im Sudan vor dem möglichen Gewaltausbruch. Parallel entwickelte man ein Sicherheitsprogramm für die Botschaft, am Freitag dann war kaum einer der deutschen Mitarbeiter in der Vertretung.
Versuche, die sudanesische Regierung von ihrem harten Kurs abzubringen, startete das Ministerium von Guido Westerwelle (FDP) noch am Freitag. Eilig wurde der sudanesische Botschafter in Berlin einbestellt, dort forderte man ihn auf, für den Schutz der Botschaft in Khartum zu sorgen.
Fenster kaputt, Gegenstände in Flammen
Die Bitte kam offenbar schon zu spät - wenige Stunden danach zogen die Demonstranten vor der deutschen Vertretung in Khartum auf und begannen ihren gewaltsamen Protest. Gegen Mittag attackierten aufgebrachte Demonstranten die deutsche Botschaft. Augenzeugen berichteten, die Protestierenden seien in das Gebäude eingedrungen, hätten Fenster, Überwachungskameras und Mobiliar zerschlagen und dann Feuer gelegt. Minister Westerwelle erklärte in Berlin, die Mitarbeiter der Botschaft seien in Sicherheit.
Ausgestanden scheint die Sache auch nach der Gewalteskalation nicht. Im Gegenteil: Für den kommenden Sonntag ist in Khartum eine weitere Demo angekündigt. Das Auswärtige Amt rät in einem aktuellen Sicherheitshinweis, das Gelände um die deutsche Botschaft bis einschließlich Sonntag zu meiden. Allgemein wird Reisenden empfohlen, sich von Demonstrationen und größeren Menschenansammlungen im Sudan fernzuhalten.
mgb/jok/dapd/Reuters