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16.11.2012
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Gaza-Konflikt

Hamas feuert Rakete auf Tel Aviv - Luftalarm

Die Lage in Nahost spitzt sich noch weiter zu: Zum zweiten Mal ist in Tel Aviv Luftalarm ausgelöst worden, Zeugen berichten von einer schweren Explosion. Der Polizei zufolge verfehlte eine Rakete der Hamas aber ihr Ziel. Israels Luftwaffe bombardiert unvermindert Gaza.

Tel Aviv/Gaza - Es ist bereits das zweite Mal, dass in Tel Aviv die Sirenen heulten: Die Küstenmetropole löste Luftalarm aus. Die Hamas erklärte am Freitag, eine Rakete auf Tel Aviv abgefeuert zu haben - angeblich auf ein Einkaufszentrum. Der israelischen Polizei zufolge erreichte die Rakete ihr Ziel allerdings nicht. Mindestens ein Geschoss sei in offenem Gelände eingeschlagen. Im Zentrum der Stadt war deutlich eine schwere Explosion zu hören. Opfer gab es nach Angaben der Behörden nicht.

Anschließend fuhren Lautsprecherwagen der Armee durch die Stadt und gaben Entwarnung. Die Menschen könnten die Schutzräume wieder verlassen. Eine weitere von der Hamas abgefeuerte Rakete, die Tel Aviv treffen sollte, landete am Freitag im Meer.

Die Hamas ignorierte am Freitag eine mit Israel vereinbarte Waffenruhe. Während des Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil im Gaza-Streifen schoss die radikalislamische Organisation innerhalb von zwei Stunden mehr als 50 Raketen auf Israel ab und traf Häuser im südisraelischen Aschkelon. Die israelische Armee reagierte mit Luftangriffen, bei denen zwei Palästinenser getötet wurden. Kämpfer der Hamas greifen Israel immer wieder mit Raketen an.

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Kampf gegen Hamas: Netanjahus gefährliche Strategie
Seit dem Golfkrieg von 1991 hatte es keinen Raketenangriff mehr auf Tel Aviv gegeben. Am Donnerstag waren erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder Sprengkörper im Stadtgebiet eingeschlagen. Bisher galten Angriffe auf die Stadt als klare rote Linie bei den jahrelangen Scharmützeln zwischen Israel und der Hamas. Verteidigungsminister Barak bezeichnete die Raketenattacken auf die Küstenstadt bereits als "Eskalation".

Israel verstärkt Offensive

In der Nacht hatte das Land seine Offensive verstärkt: Unvermindert bombardierte die israelische Luftwaffe Ziele im Gaza-Streifen. Auch von dort wurde gefeuert.

Die Regierung von Benjamin Netanjahu machte am Freitag deutlich, dass sie bereit ist, die Operationen auch zu einer Bodenoffensive auszuweiten. Die Streitkräfte begannen 16.000 Reservisten einzuberufen, wie sie per Twitter bekannt gaben. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte einen solchen Schritt am Donnerstag genehmigt. Laut Informationen aus Israel stehen bis zu 30.000 Reservisten zur Verfügung.

Einen etwaigen Einmarsch in den Gaza-Streifen bereitete Israel auch durch die Stationierung von Panzern und Truppentransportern im Grenzgebiet am Donnerstagabend vor. Zudem wurden zahlreiche Soldaten mit Bussen in die Region gebracht. Israelische Fernsehsender berichteten, die Invasion sei für diesen Freitag geplant. Die Streitkräfte dementierten und erklärten, bisher sei noch keine Entscheidung über einen Einmarsch in den Gaza-Streifen gefallen.

"Hamas, bombardiert Tel Aviv!"

Im Westjordanland gingen am Freitag Tausende Palästinenser aus Protest gegen die israelische Offensive im Gaza-Streifen auf die Straße. In Ramallah und Nablus riefen sie Parolen wie "Hamas, bombardiert Tel Aviv!". Wütende Menschen verbrannten die israelische Flagge und riefen "Tod Israel".

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi sicherte den Palästinensern im Gaza-Streifen die Unterstützung seines Landes zu. "Kairo wird Gaza nicht alleinlassen", sagte er. An die Adresse Israels sagte er nach Angaben der staatlichen Medien: "Was in Gaza im Moment geschieht, ist aus unserer Sicht eindeutig ein Angriff auf die Menschlichkeit."

Merkel besorgt

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton machte ebenfalls die Hamas für die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten verantwortlich. "Die Raketenangriffe der Hamas und anderer Gruppen im Gaza-Streifen, mit denen die derzeitige Krise begann, sind für keine Regierung hinnehmbar und müssen aufhören", hieß es am Freitag in einer Erklärung Ashtons.

Ähnlich äußerte sich Kanzlerin Angela Merkel. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf Israel", sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag. Die Kanzlerin betrachte die Entwicklung mit großer Sorge. Der Beschuss Israels müsse sofort eingestellt werden.

Ein Sprecher der Uno-Menschenrechtsbeauftragten Navi Pillay rief am Freitag in Genf beide Seiten zur Mäßigung auf und verwies auf das Leid der Zivilbevölkerung.

heb/hen/dpa/dapd

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insgesamt 87 Beiträge
1.
wolfon1 16.11.2012
Wenn man einem Hund auf den Schwanz tritt, dann beißt er. Frau Merkels Kommentare sind nicht objektiv, schließlich drangsaliert Israel die Palästinenser seit Jahren mit seiner aggressiven Siedlungspolitik und der Verweigerung [...]
Wenn man einem Hund auf den Schwanz tritt, dann beißt er. Frau Merkels Kommentare sind nicht objektiv, schließlich drangsaliert Israel die Palästinenser seit Jahren mit seiner aggressiven Siedlungspolitik und der Verweigerung der staatlichen Anerkennung.
2. Sorry Angie...
Andreas P. 16.11.2012
Statt wieder blind unsern Freunden in Israel zu folgen, sollte sich Frau Merkel lieber mal verbal zurückhalten in Ihrer vorschnellen und blinden Kritik an der Hamas. Das kann und muss man immer von beiden Seiten sehen. Und wer [...]
Statt wieder blind unsern Freunden in Israel zu folgen, sollte sich Frau Merkel lieber mal verbal zurückhalten in Ihrer vorschnellen und blinden Kritik an der Hamas. Das kann und muss man immer von beiden Seiten sehen. Und wer hat denn hier mit der Eskalation angefangen?
3. Es....
patsche2712 16.11.2012
...wird nach dieser erneuten Eskalation wohl nur noch eine Frage von Stunden sein, bis die israelische Bodenoffensive beginnt. Es scheint, Benjamin Netanjahu will seinen Wählern den Kopf der Hamas als Wahlgeschenk auf dem [...]
...wird nach dieser erneuten Eskalation wohl nur noch eine Frage von Stunden sein, bis die israelische Bodenoffensive beginnt. Es scheint, Benjamin Netanjahu will seinen Wählern den Kopf der Hamas als Wahlgeschenk auf dem Silbertablett präsentieren. Grundsätzlich denke ich, dass die Welt ohne die Hamas ein kleines bisschen besser wäre...
4. Moment mal
Raisti1 16.11.2012
Isreal hat doch die Offensive gestartet. Das die Hamas sich wehrt ist verständlich wie kommt jetzt Merkel drauf das die Hamas an der Eskalation schuld ist ? Versteh das irgenwie nicht. Oder ist mir nur was entgangen zu [...]
Isreal hat doch die Offensive gestartet. Das die Hamas sich wehrt ist verständlich wie kommt jetzt Merkel drauf das die Hamas an der Eskalation schuld ist ? Versteh das irgenwie nicht. Oder ist mir nur was entgangen zu der vorhergehenden Israelischen offensive ?
5. allesamt verbrecher
srb.armatus 16.11.2012
Israel erschießt Fußballspielende kinder -> Hamas schickt Raketen->israel mördert noch mehr zivilisten-> hamas schickt raketen, tötet 3 israelische zivs. Palästina beantragt beobachterstatus->israel droht mit [...]
Israel erschießt Fußballspielende kinder -> Hamas schickt Raketen->israel mördert noch mehr zivilisten-> hamas schickt raketen, tötet 3 israelische zivs. Palästina beantragt beobachterstatus->israel droht mit "harter" strafe. wär ich in palästina geboren würde ich auch grad raketen auf israel schießen, bibi ist ein verbrecher und zettelt nen krieg an um wahlen zu gewinnen...allesamt verbrecher.

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Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

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Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.

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