16.11.2012
Mali
Islamisten nehmen unverschleierte Frauen in deren Häusern fest
Bamako - Die Islamisten im Norden Malis gehen gegen Frauen vor, die Zuhause keinen Schleier tragen. Wie Augenzeugen berichteten, nahmen Mitglieder der Gruppe Al-Qaida im islamischen Maghreb (Aqmi) am Freitag in der Stadt Timbuktu Frauen fest. Ein Abgeordneter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Festnahmen von Unverschleierten in Timbuktu seien am Donnerstag und Freitag in den Häusern der Frauen erfolgt. Ärzte berichteten, die Frauen seien im Gebäude einer ehemaligen Bank in Timbuktu "inhaftiert" worden.
Aqmi und die islamistische Miliz Ansar Dine haben seit dem Frühjahr die Kontrolle über Timbuktu übernommen. Sie wollen dort einen streng islamischen Staat errichten . Im Namen der Scharia, des islamischen Rechts, verübten sie zahlreiche Übergriffe und zerstörten Jahrhunderte alte Mausoleen in der Stadt, die auf der Liste des Weltkulturerbes der Uno-Kulturorganisation Unesco stehen.
Bei einer Offensive gegen die Islamisten-Miliz Mujao erlitten Tuareg-Rebellen übereinstimmenden Quellen zufolge unterdessen eine herbe Niederlage. Die Tuareg-Rebellen der Nationalen Bewegung der Befreiung von Azawad (MNLA) starteten eine Offensive, um das Gebiet um Gao im Nordosten Malis von der Islamisten-Miliz Mujao zurückzuerobern. Die Tuareg hätten allerdings "eine schwere Niederlage" erlitten und in einem Hinterhalt mehrere Männer verloren, verlautete aus malischen Sicherheitsquellen.
Vertreter von Ansar Dine, die sich in Erklärungen von Aqmi abgrenzen, verhandeln derzeit in Burkina Faso über eine Beilegung des Konflikts im Norden Malis. Afrikanische Staaten erwägen eine militärische Intervention, die von der EU mit Ausbildung der malischen Streitkräfte und Logistik unterstützt werden könnten. Darüber wollen die EU-Außenminister am 19. November beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands zu einer Beteiligung erklärt.