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22.11.2012
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Pakistan

Mehr als 20 Tote bei Selbstmordanschlag

DPA

Tatort in Rawalpindi: Polizeieinsatz nach Selbstmordattentat auf schiitische Prozession

Der Attentäter trug eine Sprengstoffweste und war mit Handgranaten bewaffnet: Bei einem Selbstmordanschlag nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind mehrere Menschen getötet worden. In der Metropole Karatschi explodierten außerdem zwei Bomben.

Islamabad - Bei Anschlägen auf muslimische Prozessionen in Pakistan sind in der Nacht zu Donnerstag mindestens 25 Menschen getötet worden. Ein Selbstmordanschlag ereignete sich in der Stadt Rawalpindi, wie ein Sprecher der Rettungskräfte mitteilte. Dabei starben 23 Menschen. Demnach wurden mindestens 62 Menschen durch die Detonation verwundet, darunter mehrere Kinder. In Rawalpindi hat die Armee ihr Hauptquartier, die Stadt liegt wenige Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt. Die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), die pakistanische Taliban-Dachorganisation, bekannte sich zu dem Anschlag.

Der etwa 18 Jahre alte Attentäter habe eine Sprengstoffweste getragen und sei mit Handgranaten bewaffnet gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Gläubigen hätten gerade eine schiitische Gebetsstätte verlassen, als sich der Angriff ereignet habe, hieß es.

Bei zwei weiteren Bombenanschlägen auf Schiiten in der südpakistanischen Hafenstadt Karatschi wurden in der Nacht zum Donnerstag nach Angaben der Polizei insgesamt zwei Menschen getötet. Auch zu diesen Anschlägen bekannten sich die pakistanischen Taliban.

Schiiten stellen etwa 20 Prozent der mehr als 185 Millionen Pakistaner. Die Minderheit begeht derzeit den Trauermonat Muharram, der am Sonntag mit dem Trauerfest Aschura endet. Sunnitische Extremisten wie die Taliban greifen immer wieder Schiiten an.

Handynetz zur Sicherheit abgestellt

In Erwartung von Anschlägen ließ die pakistanische Regierung in mehreren Städten stundenweise das Mobilfunknetz abstellen, damit Terroristen ihre Angriffe nicht koordinieren können. Die Entscheidung von Innenminister Rehman Malik, während des Monats Muharram auch keine Motorräder in Teilen von Karatschi zuzulassen, da Terroristen sie meist als Transportmittel nutzten, stieß in der Bevölkerung auf massive Kritik - das Motorrad ist schließlich wichtigstes Transportmittel für viele Menschen.

Am Donnerstag findet in der Hauptstadt Islamabad, die an Rawalpindi grenzt, ein Gipfeltreffen der sogenannten Developing-Eight-Staaten zu Wirtschaftsthemen statt. In der D-8-Gruppe hatten sich 1997 acht damalige Entwicklungsländer zusammengeschlossen. Dem Bündnis gehören Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Malaysia, Nigeria, Pakistan und die Türkei an.

Neben dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi wollen auch sein iranischer Amtskollege Mahmud Ahmadinedschad und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan teilnehmen. Wegen der angespannten Sicherheitslage ist Pakistan selten Gastgeber internationaler Treffen.

wit/kaz/AP/AFP/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
1. traurig
trallala34 22.11.2012
dass hier im SPON Forum noch immer so viele Menschen Verständnis für Islam-Terroristen haben und diese für Freiheitskämpfer halten. (Vielleicht nicht in Pakistan, aber in Afghanistan, Syrien, Libyen, Irak ...)
dass hier im SPON Forum noch immer so viele Menschen Verständnis für Islam-Terroristen haben und diese für Freiheitskämpfer halten. (Vielleicht nicht in Pakistan, aber in Afghanistan, Syrien, Libyen, Irak ...)
2. ...
Zavi85 22.11.2012
Werden die Rebellen aus Libyen und Syrien jetzt wieder auf eine Stufe mit Terroristen gestellt?
Zitat von trallala34dass hier im SPON Forum noch immer so viele Menschen Verständnis für Islam-Terroristen haben und diese für Freiheitskämpfer halten. (Vielleicht nicht in Pakistan, aber in Afghanistan, Syrien, Libyen, Irak ...)
Werden die Rebellen aus Libyen und Syrien jetzt wieder auf eine Stufe mit Terroristen gestellt?

Fakten über Pakistan

Staatsgründung
REUTERS

Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS

Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP

Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS

In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa

Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS

1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.

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