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22.11.2012
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Kongo

Rebellen rücken auf Bukavu vor

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DPA

Im Kongo ist die Rebellengruppe M-23 weiter auf dem Vormarsch: Nach der Einnahme von Goma und Sake ist jetzt die strategisch wichtige Stadt Bukavu das nächste Ziel der Aufständischen.

Goma - Im Kongo sind nach Uno-Angaben bereits mehr als 100.000 Menschen auf der Flucht, aber im Konflikt zwischen M-23-Rebellen und Regierung ist offenbar noch lange keine Lösung in Sicht. Zuletzt rückten die Rebellen auf die strategisch wichtige Stadt Bukavu im Osten des Landes vor. Damit wurde am Donnerstag der größte Gebietsgewinn der Rebellen in den vergangenen zehn Jahren möglich, nachdem sie in den Vortagen schon die Großstadt Goma und Sake eingenommen hatten. Die M-23 will Präsident Joseph Kabila stürzen.

In Goma liefen Tausende Soldaten und Polizisten zu den Rebellen über. Laut einem Uno-Bericht werden die Aufständischen von den Nachbarländern Ruanda und Uganda unterstützt. Demnach führen die Streitkräfte Ruandas bei der M-23 das Kommando. Ruanda stelle den Rebellen Waffen und Truppenverstärkung zur Verfügung, oberster Befehlshaber der M-23 sei de facto der ruandische Verteidigungsminister James Kabarebe, hieß es. Die beiden Länder weisen den Vorwurf zurück, in den Konflikt verwickelt zu sein.

Ein Major der kongolesischen Streitkräfte, die sich nach der Niederlage in Goma in der auf dem Weg nach Buvkavu gelegenen Stadt Minova sammelten, beklagte sich über ausbleibende Informationen. "Wir warten auf Befehle, aber die sind bisher nicht gekommen. Wir sind hungrig und haben fünf Tage im Busch im Regen geschlafen", sagte der Major, der anonym bleiben wollte.

Präsident Kabila lehnt direkte Gespräche mit der M-23 bisher ab. Bei den Kämpfen mit Rebellen im Jahr 2008 hatten erst direkte Verhandlungen ein Friedensabkommen ermöglicht, das auch die Übernahme von Aufständischen in die regulären Streitkräfte regelte. Diese Vereinbarung wurde im April hinfällig, als rund 700 Soldaten desertierten und die M-23 gründeten. Von der Hauptstadt Kinshasa sind die Rebellen noch rund 1600 Kilometer entfernt.

Derzeit sind im Kongo rund 17.000 Uno-Soldaten der Monusco-Mission präsent. Die Blauhelme haben sich aber bisher nicht aktiv in den Konflikt in dem zentralafrikanischen Staat eingemischt.

Das internationale Kinderhilfswerk World Vision berichtete über die Rekrutierung von Kindersoldaten durch die Rebellen. "Oft werden Kinder rekrutiert, die ihre Eltern im Chaos der Auseinandersetzungen verloren haben", sagte Dominic Keyzer, ein Mitarbeiter von World Vision im Kongo.

Der Uno-Sicherheitsrat hat Sanktionen gegen die M-23 verhängt, zu denen Reiseverbote für die Führung und das Einfrieren von Vermögenswerten gehören. Kritik an den Nachbarländern hat der Weltsicherheitsrat noch nicht ausgesprochen. Erschwert wird die Lage dadurch, dass Ruanda für eine zweijährige Amtszeit in den Sicherheitsrat gewählt wurde, die im Januar beginnt.

hen/AP

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insgesamt 16 Beiträge
1. Buvaku?
voschify 22.11.2012
Weil sie es so oft wiederholen bin ich mir plötzlich nicht mehr ganz sicher... Sie meinen nicht vielleicht etwa Bukavu?
Weil sie es so oft wiederholen bin ich mir plötzlich nicht mehr ganz sicher... Sie meinen nicht vielleicht etwa Bukavu?
2.
Olafimwesten 22.11.2012
....Die Aussage "Derzeit sind im Kongo rund 17.000 Uno-Soldaten der Monusco-Mission präsent. Die Blauhelme haben sich aber bisher nicht aktiv in den Konflikt in dem zentralafrikanischen Staat eingemischt." ist [...]
....Die Aussage "Derzeit sind im Kongo rund 17.000 Uno-Soldaten der Monusco-Mission präsent. Die Blauhelme haben sich aber bisher nicht aktiv in den Konflikt in dem zentralafrikanischen Staat eingemischt." ist sachlich unrichtig. Ein Teil der 19.100 Monusco Truppen, die sich in der Naehe von Goma aufhalten haben mehrfach in Bodenkaempfe gegen M23 eingegriffen, obwohl sie dafuer ueberhaupt kein Mandat haben. Zuletzt wurden sogar Kampfhubschrauber eingesetzt um die Armee der DRC (FARDC) zu unterstuetzen. Erst als die FARDC Hals ueber Kopf Goma verlassen haben, nicht ohne dabei die Hauser der eigenen Bevoelkerung zu pluendern, hat Monusco aufgehoert zu kaempfen. (Im Laufe der letzten Jahre hat Monsco immer wieder Kampagnen der FARDC unterstuetzt, nicht zuletzt bei kaempfen gegen die FDLR in Sued Kivu.) M23 ist eine Meuterei von FARDC Einheiten, die mittlerweile eskaliert ist. Es ist nicht einmal entscheidend ob M23 von Ruanda oder Uganda unterstuetzt wird. Fuer Monusco ist ausschlaggebend, dass man nicht ohne Mandat die Kartoffeln aus dem Feuer holen will, wenn eine FARDC von 120.000 Mann nicht bereit ist, selbst gegen 1.000 Meuterer anzutreten. Es waere wuenschenswert, wenn sich die Regierung in Kinshasa am Kampf gegen bewaffnete Gruppen jeder Art auf ihrem eigenen Territorium beteiligen wuerde. Solange das nicht der Fall ist brauchen Soldaten aus Bangla Desh, Belgien, Russland, und der Schweiz nicht den Kopf hinhalten. Es ist nach nicht lange her dass der Conoglesische President Kabile gefordert hat, Monusco (damals noch MONUC) solle das Land verlassen, weil es seine Aufgabe erfuellt habe. Was denn nun?
3.
Progressivist 22.11.2012
Ich glaube es wäre interessanter einen von Ihnen geschrieben Artikel über dieses Thema zu lesen, als diesen oberflächlichen aus Agenturmeldungen zusammengeschusterten Text, in dem man dann auch noch von Buvaku schreibt. [...]
Zitat von Olafimwesten....Die Aussage "Derzeit sind im Kongo rund 17.000 Uno-Soldaten der Monusco-Mission präsent. Die Blauhelme haben sich aber bisher nicht aktiv in den Konflikt in dem zentralafrikanischen Staat eingemischt." ist sachlich unrichtig. Ein Teil der 19.100 Monusco Truppen, die sich in der Naehe von Goma aufhalten haben mehrfach in Bodenkaempfe gegen M23 eingegriffen, obwohl sie dafuer ueberhaupt kein Mandat haben. Zuletzt wurden sogar Kampfhubschrauber eingesetzt um die Armee der DRC (FARDC) zu unterstuetzen. Erst als die FARDC Hals ueber Kopf Goma verlassen haben, nicht ohne dabei die Hauser der eigenen Bevoelkerung zu pluendern, hat Monusco aufgehoert zu kaempfen. (Im Laufe der letzten Jahre hat Monsco immer wieder Kampagnen der FARDC unterstuetzt, nicht zuletzt bei kaempfen gegen die FDLR in Sued Kivu.) M23 ist eine Meuterei von FARDC Einheiten, die mittlerweile eskaliert ist. Es ist nicht einmal entscheidend ob M23 von Ruanda oder Uganda unterstuetzt wird. Fuer Monusco ist ausschlaggebend, dass man nicht ohne Mandat die Kartoffeln aus dem Feuer holen will, wenn eine FARDC von 120.000 Mann nicht bereit ist, selbst gegen 1.000 Meuterer anzutreten. Es waere wuenschenswert, wenn sich die Regierung in Kinshasa am Kampf gegen bewaffnete Gruppen jeder Art auf ihrem eigenen Territorium beteiligen wuerde. Solange das nicht der Fall ist brauchen Soldaten aus Bangla Desh, Belgien, Russland, und der Schweiz nicht den Kopf hinhalten. Es ist nach nicht lange her dass der Conoglesische President Kabile gefordert hat, Monusco (damals noch MONUC) solle das Land verlassen, weil es seine Aufgabe erfuellt habe. Was denn nun?
Ich glaube es wäre interessanter einen von Ihnen geschrieben Artikel über dieses Thema zu lesen, als diesen oberflächlichen aus Agenturmeldungen zusammengeschusterten Text, in dem man dann auch noch von Buvaku schreibt. Was halten Sie von der These, dass die M23 von Ruanda unterstützt werden?
4. Einmal
Kohle&Reibach 22.11.2012
mit Napalm rüber und ruhe ist. Mist, das kommt von diesen blöden Vietnamfilmen. ;-I
Zitat von sysopIm Kongo ist die Rebellengruppe M-23 weiter auf dem Vormarsch: Nach der Einnahme von Goma und Sake ist jetzt die strategisch wichtige Stadt Buvaku das nächste Ziel der Aufständischen. Kongo: Rebellen rücken auf Bukavu vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kongo-rebellen-ruecken-auf-buvaku-vor-a-868789.html)
mit Napalm rüber und ruhe ist. Mist, das kommt von diesen blöden Vietnamfilmen. ;-I
5.
Olafimwesten 22.11.2012
Es gibt da nicht so viele Beweise. Bis jetzt zitieren alle und jeder aus einem einzigen Annex zu einem UN Bericht (Expertengruppe der UN). In Ruanda glaubt man die Beweise wiederlegt zu haben, besonders weil die Anschuldigungen [...]
Zitat von ProgressivistWas halten Sie von der These, dass die M23 von Ruanda unterstützt werden?
Es gibt da nicht so viele Beweise. Bis jetzt zitieren alle und jeder aus einem einzigen Annex zu einem UN Bericht (Expertengruppe der UN). In Ruanda glaubt man die Beweise wiederlegt zu haben, besonders weil die Anschuldigungen sich auf wenige Interviews mit einigen Deserteuren und auf auf einen einzigen gefundenen ruandischen Militarausweis berufen. Dass ein Chef eines der Congolesischen Dienst gegenueber dem ruandischen Verteidigungsminister bei einem der vielen bilateralen Treffen, die ja nicht abgerissen sind, zugegeben hat diesen Ausweis selbst hat anfertigen zu lassen ist dann nicht mehr sehr weit in der Presse kommuniziert worden. Sicher hat Ruanda lange viel Einfluss unter den Soldaten mit ruandischer Abstammung gehabt. Es gibt auch Verwischungen zwischen den Armeen, da congolesische Tutsi (und nicht nur ruandische Fluechtlinge der zweiten Generation) im ruandischen Buergerkrieg 1994 auf der Seite Kagames mitgekaempft haben. Als zwei Jahre nach diesem Krieg der Aufstand gegen Mobutu im Congo richtig losging was es auch Ruanda, dass Kabila (den Vater des jetzigen Praesidenten) auf den Thron gehoben hat. Dabei sind viele Congolesen dann als Buergerkriegsarmee in ihr eigenes Land wieder einmarschiert. (Kabilas Stabschef war lange genug der jetzige ruandische Verteidigungsminister Kabarebe) Seit dem ist viel passiert, und man kann die ganze Reihe von Konflikten seitdem nicht in Kuerze zusammenfassen, aber Ruandas Einfluss bei der CNDP, einer Tutsi Rebellion gegen Kabila, ist gesunken, seit diese Gruppe nach einem Friedensschluss in 2009 in die FARDC integriert wurde. Nun sind es einige Hundert dieser ehemaligen CNDP Rebellen, die wieder meutern, da angeblich die Regierung die Vereinbarungen nicht einhaellt. Da dieser Aufstand den Ruandern eher ungelegen kommt kann man annehmen, dass diese neue M23 sich von Ruanda emanzipert hat, mehr als dass die alte CNDP je konnte. Dass es da allerdings immer noch alte Affinitaeten gibt ist sicherlich war, dass die Regierung in Kinshasa versucht von ihrer eigenen Inkompetenz abzulenken ist leider auch war. Die Congoregierung braucht eigentlich eine Unterstuetzung von Ruanda fuer M23 um sich Hilfe der noerdlichen Staaten zu sichern. Das mag dazu gefuehrt haben dass waehrend des Vormarsches von M23 auf Goma congolesische Granaten auf ruandischem Territorium eingeschlagen sind. Die Ruander haben Kinshasa nicht den Gefallen getan daraufhin einzugreifen - das waere dann naemlich die "smoking gun" geworden, die Kinshasa noch fehlt um ruandische Einmischung beweisen zu koennen. Das Ganze ist hier natuerlich sehr stark paraphrasiert.

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