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25.11.2012
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Umkämpfter Osten

Uno erwägt Drohnen-Einsatz im Kongo

DPA

Der Konflikt im Kongo breitet sich weiter aus, nun erwägen die Vereinten Nationen, Drohnen zur Überwachung des umkämpften Gebiets einzusetzen. So soll der Schutz der Zivilbevölkerung verbessert werden. Erstmals haben sich Rebellen der M23-Miliz mit Präsident Kabila zu Gesprächen getroffen.

New York - Seit Wochen terrorisieren Milizionäre der Gruppe M23 die Zivilbevölkerung im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Sie behaupten, die Menschen schützen zu wollen, doch tatsächlich ziehen sie plündernd, vergewaltigend und marodierend von Stadt zu Stadt. Den Blauhelmen ist es in den vergangenen Wochen nicht gelungen, die Zivilbevölkerung zu schützen.

Nun erwägen die Vereinten Nationen, unbewaffnete Drohnen zur Überwachung des umkämpften Gebiets einzusetzen. Die Informationen aus der Luft sollen den Schutz der Zivilbevölkerung vor Angriffen verbessern, sagte Kieran Dwyer von der Uno-Abteilung für Friedenserhaltende Maßnahmen in New York.

Ein entsprechender Vorschlag werde dem Sicherheitsrat in der kommenden Woche unterbreitet. Die Drohnen sind laut Dwyer nur eine von mehreren Maßnahmen für die Menschen, über die das höchste Uno-Gremium entscheiden soll. Die jüngsten Kämpfe zwischen der Rebellenbewegung M23 und den Regierungstruppen haben bereits Zehntausende in die Flucht getrieben.

Friedensgespräch mit Präsident Kabila

Der Osten des Kongos ist reich an Rohstoffen und deshalb umkämpft. Experten vermuten, dass die Regierungen der Nachbarländer Ruanda und Uganda die Milizen mit Waffen und Ausbildern unterstützen. Die Regierungen der beiden Länder bestreiten das.

Das Gebiet sei so weiträumig, dass die Uno-Friedensmission Monusco es nicht lückenlos abdecken könne, sagte Dwyer. Derzeit liefen Gespräche mit der kongolesischen Regierung und mehreren Uno-Mitgliedstaaten, die über Drohnen verfügen. "Wir würden äußerst vorsichtig vorgehen und in hundertprozentiger Abstimmung mit der Regierung in Kinshasa."

Die Friedenstruppe im Kongo ist mit etwa 17.000 Mann die derzeit größte Mission der Vereinten Nationen. Eine weitere Aufstockung ist geplant. Den kongolesischen Rebellen der M23-Bewegung war am Samstag von mehreren Staats- und Regierungschefs sowie anderen hochrangigen Vertretern der sogenannten Internationalen Konferenz der Großen Seen Afrikas (ICGLR) eine Frist von 48 Stunden gesetzt worden, um sich aus der Provinzhauptstadt Goma zurückzuziehen. Außerdem sollen die Rebellen den örtlichen Polizeibeamten ihre Waffen zurückgeben. Sonst soll eine Regionaltruppe militärisch eingreifen.

"Es geht um die Probleme des Landes"

Die Aufständischen machen direkte Friedensgespräche mit Präsident Joseph Kabila zur Bedingung eines Rückzugs aus Goma. Kabila hatte bislang Treffen mit den Rebellen ausgeschlossen. Die ICGLR rief die kongolesische Regierung auf, auf die "rechtmäßigen Beschwerden" der Rebellen einzugehen.

Nach dem Krisentreffen in der ugandischen Hauptstadt Kampala hat es offenbar ein erstes Treffen zwischen Vertretern der Miliz und Präsident Kabila gegeben. Das sagte der Chef der Rebellenbewegung, Jean-Marie Runiga Lugerero. Die Atmosphäre sei zunächst "angespannt" gewesen, doch im Verlauf des Treffens hätten sich beide Seiten beruhigt, denn "es geht nicht um persönliche Probleme, sondern um Probleme des Landes", sagte Lugerero.

Der kongolesische Außenminister Raymond Tshibanda bestätigte, dass es ein Treffen zwischen der Miliz und Kabila gab. Er widersprach jedoch Lugerero, dass weitere Zusammenkünfte geplant seien. Lugerero hatte dagegen gesagt, am Sonntag werde ein weiteres Treffen zwischen ihm und dem Staatschef stattfinden.

Die Rebellen hatten die ostkongolesische Grenzstadt Goma am Dienstag nach einer fünftägigen Offensive eingenommen und die Regierungstruppen vertrieben. Am Tag darauf eroberten sie auch die nahegelegene Stadt Sake.

Die Miliz entstand, nachdem Offiziere der kongolesischen Streitkräfte im Frühjahr desertiert waren. Die Aufständischen verlangen eine bessere Bezahlung, Waffen und eine Amnestie für Kriegsverbrecher.

han/dpa/AFP

Forum

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insgesamt 9 Beiträge
1. Drohnen im Kongo und Reis in China
Niamey 25.11.2012
Was die UNO erwägt, kratzt heute keinen mehr im Geringsten! Die hat ihre Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft schon vor 30 Jahren verloren. Den Verein sollte man abschaffen und man könnte eine Menge Geld sparen.
Zitat von sysopDPADer Konflikt im Kongo breitet sich weiter aus, nun erwägen die Vereinten Nationen, Drohnen zur Überwachung des umkämpften Gebiets einzusetzen. So soll der Schutz der Zivilbevölkerung verbessert werden. Erstmals haben sich Rebellen der M23-Miliz mit Präsident Kabila zu Gesprächen getroffen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kongo-krise-uno-droht-m23-miliz-mit-drohnen-einsatz-a-869165.html
Was die UNO erwägt, kratzt heute keinen mehr im Geringsten! Die hat ihre Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft schon vor 30 Jahren verloren. Den Verein sollte man abschaffen und man könnte eine Menge Geld sparen.
2. Undifferenziert
Mensch-Meier 25.11.2012
Seit dem Fall Gomas vor wenigen Tagen haben Spiegel und Co. den Kongo-Konflikt wiederentdeckt und versorgen uns mit undifferenzierten Berichten, die den Eindruck erwecken, ein zuvor friedliches Land würde von urplötzlich [...]
Seit dem Fall Gomas vor wenigen Tagen haben Spiegel und Co. den Kongo-Konflikt wiederentdeckt und versorgen uns mit undifferenzierten Berichten, die den Eindruck erwecken, ein zuvor friedliches Land würde von urplötzlich auftauchenden rohstoffgierigen Rebellen ins Chaos gestürzt. Die vielen Detailfehler (Buvaku, Minusco, 150km bis Kinshasa) lassen erahnen, dass hier nicht gerade Experten am Werk sind. Ich empfehle allen, die sich umfassend informieren wollen, den Kongo-Blog von Dominic Johnson - ruhig an einem verreegneten Sonntag mal ein paar Jahre zurücklesen.
3. Danke
zwischendominante 25.11.2012
für den Tipp zum Kongo-Blog! Ihre Auffassung teile ich, dass der Konflikt erst mit dem Einmarsch in Goma "entdeckt" wurde. Selbst hatte ich seit dem Frühsommer in Mails an verschiedene Redaktionen versucht, [...]
Zitat von Mensch-MeierSeit dem Fall Gomas vor wenigen Tagen haben Spiegel und Co. den Kongo-Konflikt wiederentdeckt und versorgen uns mit undifferenzierten Berichten, die den Eindruck erwecken, ein zuvor friedliches Land würde von urplötzlich auftauchenden rohstoffgierigen Rebellen ins Chaos gestürzt. Die vielen Detailfehler (Buvaku, Minusco, 150km bis Kinshasa) lassen erahnen, dass hier nicht gerade Experten am Werk sind. Ich empfehle allen, die sich umfassend informieren wollen, den Kongo-Blog von Dominic Johnson - ruhig an einem verreegneten Sonntag mal ein paar Jahre zurücklesen.
für den Tipp zum Kongo-Blog! Ihre Auffassung teile ich, dass der Konflikt erst mit dem Einmarsch in Goma "entdeckt" wurde. Selbst hatte ich seit dem Frühsommer in Mails an verschiedene Redaktionen versucht, auf das Thema hinzuweisen, zu dem von Anfang an die im Virunga-Nationalpark engagierten Naturschutzorganisationen Alarm geschlagen hatten. Alle diese Versuche wurden nicht einmal mit abschlägigen Antworten bedacht ... Nun staune ich selbst, wieviel Ostkongo es plötzlich in der Medienlandschaft gibt.
4. Dominic Johnson Blog
susuki 25.11.2012
Faktenreich und interessant zu lesen. Gewisse dem politischen Lager zuzuordnende Defizite. Insgesamt Lesenswert.
Faktenreich und interessant zu lesen. Gewisse dem politischen Lager zuzuordnende Defizite. Insgesamt Lesenswert.
5. optional
Olafimwesten 25.11.2012
Wenn man immer nur die Titelseiten liest und immer nur die Auswahl der fuer den jeweiligen Nachrichtenmarkt interessanten Agenturnachrichten, dann erfaehrt man auch nichts. Eine Nachricht schafft es eben nur auf Seite Eins wenn [...]
Wenn man immer nur die Titelseiten liest und immer nur die Auswahl der fuer den jeweiligen Nachrichtenmarkt interessanten Agenturnachrichten, dann erfaehrt man auch nichts. Eine Nachricht schafft es eben nur auf Seite Eins wenn sie interassant genug ist im Verglecih mit anderen Nachrichten, die da auch hinsollen. Das ist im Moment schwierig. Dass Congo es nun auf die Titelseiten schafft, Mali aber nicht, liegt wohl daran, dass es in Mali im Moment auch gefaehrlich ist zu recherchieren. Die boesen M23 scheinen ja fuer Beobachter weniger gefaehrlich zu sein als „El Quada im Maghreb“. Allerdings gibt genug Information zur Lage im Kongo und hat es sie auch immer gegeben. Wenn Sie einfach nur mal ein bisschen Suchen werden Sie sich wundern. Es stimmt, dass Afrikas 54 Staaten in der deutschen Presse nicht oft vorkommen. Das liegt auch daran, dass der Kontinent nicht besonders Relevant ist fuer die meisten Deutschen. Und selbst in anderen Laendern, die viel mehr ueber den Kontinent berichten, gibt es da Unterschiede. Franzoesische Medien berichten staendig ueber das frankophone Afrika, Cote d’Ivoire, Gabon, die Congos – britische Medien berichten viel ueber Nigeria, Kenia, Siera Leone, Suedafrika...die Laender, die die Leser eben interessieren. Schade ist, dass selbst interessierte Leser, die gerne mehr wuessten, sich nichht ein bisschen mehr Muehe geben, und dann doch nur die Inhalte der oft duennen Agenturmeldungen wiederholen ohne diese kritisch zu hinterfragen. Es laesst sich dann gleich auch trefflich auf der UN herumpruegeln, ohne das geringste Wissen darueber unter welch Schwierigen Situation eine solche Operation wie Monusco arbeiten, in einem Land in dem die politischen Eliten ueberhaupt kein Interesse haben an einer Verbesserung der Situation. Monusco (vorher MONUC) haben die kongolesische Armee (FARDC) immer wieder unterstuetzt in ihren Kampagnen gegen die FDLR und gegen andere Rebellengruppen. Dass die FARDC sich allerdings reihum immer wieder mit diesen Rebellen verbuendet hilft dann natuerlich nicht. Der Kongolesische Stabs- Chef, bekannt als „Tango Four“ ist grade gestern gefeuert worden, weil er Waffen an regierungsfeindliche Rebellen verhoekert hat. Nur weiss man das schon seit Jahren und nur jetzt braucht man ein Bauernopfer wegen der Blamage der FARDC in Goma. Noch ein Wort zum Einsatz der Monusco bei Goma. Dioe UN Truppen haben die 1000 vorrueckenden M23 noch mit Kampfhelikoptern angegriffen, als die 7.000 FARDC breits dabei waren zu tuuermen. Die Aufgabe der UN Truppen ist es, die Bevoelkerung gegen Gewalt zu beschuetzen. Als nun also die Deserteure der regulaeren Armee auf ihrer Flucht die Hauser der eigenen Bevoelkerung gepluendert haben, sollten da in der Zwischenzeit Bangla Deschi, Schweizer und Russische Soldaten das Land verteidigen? Ich denke das ist nicht ihr Mandat.

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