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28.11.2012
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Mission am Hindukusch

Kabinett beschließt Truppenabbau in Afghanistan

AFP

Deutscher Soldat in Afghanistan: Statt 4900 noch 3300 Soldaten

Die Bundesregierung hat den Rückzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan auf den Weg gebracht: Das Kabinett beschloss am Vormittag, die Truppenstärke bis Anfang 2014 von 4900 auf 3300 Soldaten zu reduzieren. Der Bundeswehrverband fordert die Stationierung deutscher Kampftruppen auch danach.

Berlin - Das Kabinett hat die Weichen für einen Truppenabzug aus Afghanistan gestellt, jetzt muss das Parlament den Plänen noch zustimmen: Bis Anfang 2014 soll die Truppenstärke von derzeit maximal 4900 Soldaten auf 3300 Mann sinken. Das wurde am Mittwoch in Berlin beschlossen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte das neue Mandat mit den Worten: "Das Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan rückt in greifbare Nähe."

Bis Ende 2014 sollen nach bisheriger Planung alle deutschen Kampftruppen Afghanistan verlassen. Doch damit ist die Mission am Hindukusch nicht zu Ende. Deutschland ist nämlich auch an der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte beteiligt, die den Kampf gegen die Taliban aufnehmen sollen.

Der Bundeswehrverband fordert die Stationierung deutscher Kampftruppen in Afghanistan auch nach dem Jahr 2014. Eine solche Reserve sei nötig, "um auf Krisen reagieren zu können", sagte Verbandschef Ulrich Kirsch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Nur unterstützend tätig zu sein und allein die afghanischen Sicherheitskräfte Gefechte mit den Aufständischen führen zu lassen, wird nicht gelingen."

Im jüngsten Fortschrittsbericht drängt die Bundesregierung die Führung in Afghanistan zu Reformen und insbesondere zu einem härteren Vorgehen gegen Korruption. Die für 2014 geplanten Präsidentschaftswahlen müssten unter "größtmöglicher Transparenz und Glaubwürdigkeit" stattfinden. Der Bericht dient dazu, den Bundestag einmal pro Jahr ausführlich über die Entwicklung in Afghanistan zu unterrichten.

Afghanistans Regierung wird zu Reformen gedrängt

Kritisiert wird in dem Bericht, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, dass die Entwicklung des Landes durch Amtsmissbrauch und Vorteilsnahme weiterhin gehemmt werde. Richtern, Staatsanwälten und Polizisten fehlten "nicht selten" die Kenntnisse über die eigenen Gesetze. Wörtlich heißt es: "Gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit sind Ziele, deren vollständige Umsetzung noch aussteht."

Deutschland ist am Hindukusch nach den USA und Großbritannien der drittgrößter Truppensteller. Auch bei den zivilen Aufbauhilfen liegt Deutschland auf Platz drei.

Die Bundesregierung mahnt, dass dauerhafter Frieden in Afghanistan nur möglich sei, wenn auch innerhalb des Landes der Versöhnungsprozess Fortschritte mache. "Dies ist bisher nicht gelungen." In vielen Teilen des Landes sei die Sicherheitslage trotz einer leichten Verbesserung immer noch instabil. In den ersten zehn Monaten wurden demnach 287 Soldaten des internationalen Isaf-Einsatzes getötet. Zum Vergleich: Von Januar bis Oktober 2011 waren es 427.

als/dpa/dapd

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insgesamt 17 Beiträge
1. Wir erzeugen die Failed States
raumbefeuchter 28.11.2012
Jeder der bissherigen Einsätze des Westens in der Welt - mit oder ohne die Bundeswehr - hinterlässt risige Trümmerhaufen. Was übrig bleibt, sind Tote, Verletzte,Korruption, Mafia, Bürgerkrieg etc. Im besten Fall ändert sich [...]
Jeder der bissherigen Einsätze des Westens in der Welt - mit oder ohne die Bundeswehr - hinterlässt risige Trümmerhaufen. Was übrig bleibt, sind Tote, Verletzte,Korruption, Mafia, Bürgerkrieg etc. Im besten Fall ändert sich nichts. Das naive Märchen vom "Nation Building" sollten wir schnellstens vergessen. Die Realität ist viel komplexer als die möchtegern Thinktanks sich jemals ausmalen können. Die Fähigkeit zu erkennen, dass man die Entwicklung nicht vollständig überblickt ist wohl die nächste grössere Herrausforderung an uns. Zukunftig gefragt, werden pragmatische, punktgenaue, weniger ideologische und kleine Verbesserungen sein.
2.
rudi 28.11.2012
das Land ist nach wie vor im Chaos, da ist nicht viel zu loben. Gut ist es nur für die Soldaten, die wieder nach Hause kommen.
Zitat von sysopDie Bundesregierung hat den Rückzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan auf den Weg gebracht: Das Kabinett beschloss am Vormittag, die Truppenstärke bis Anfang 2014 von 4900 auf 3300 Soldaten zu reduzieren. Der Bundeswehrverband fordert die Stationierung deutscher Kampftruppen auch danach. Kabinett beschließt Truppenabbau in Afghanistan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kabinett-beschliesst-truppenabbau-in-afghanistan-a-869698.html)
das Land ist nach wie vor im Chaos, da ist nicht viel zu loben. Gut ist es nur für die Soldaten, die wieder nach Hause kommen.
3.
Hans58 28.11.2012
Warum fordert der DBwV das? Er denkt halt weiter und sieht den Schutz seiner Mitglieder in AFG gefährdet, wenn dort nur "Nichtkämpfer" stationiert sind.
Zitat von sysop....Der Bundeswehrverband fordert die Stationierung deutscher Kampftruppen auch danach. ..
Warum fordert der DBwV das? Er denkt halt weiter und sieht den Schutz seiner Mitglieder in AFG gefährdet, wenn dort nur "Nichtkämpfer" stationiert sind.
4. Sicherheit
pete101 28.11.2012
Die Bevölkerung in Afghanistan hat das Vertrauen in die Soldaten schon längst verloren. Die Afghanischen Sicherheitskräfte können in Afghanistan nicht alleine für Sicherheit sorgen. So steigen die Preise für eine kalaschnikow seit [...]
Die Bevölkerung in Afghanistan hat das Vertrauen in die Soldaten schon längst verloren. Die Afghanischen Sicherheitskräfte können in Afghanistan nicht alleine für Sicherheit sorgen. So steigen die Preise für eine kalaschnikow seit den letzten Jahren kontinuierlich. Die Bevölkerung rüstet auf. Zum Teil natürlich auch um die westlichen Streitkräfte zu bekämpfen, jedoch auch um sich nach dem Truppenabzug gegen die Taliban zu verteidigen, denn die Taliban werden sicherlich anders mit den Dorfbewohner umgehen als die ausländischen Streitkräfte. Die Chance Afghanistan zu verändern wurde vor Jahren schon verpasst. Und ohne eine Kontrolle der Grenze zu Pakistan durch Sicherheitskräfte ist der Krieg gegen die Taliban nicht zu gewinnen. Vorallem die Bundeswehr hat viele vorher erkämpfte Gebiete den Taliban einfach überlassen. Soldaten sind ausgebildet zu kämpfen und müssen mit der Gefahr zu sterben leben.Die deutschen Soldaten sind in diesem Krieg meiner Meinung nach sinnlos gefallen. Ruhet in Frieden Soldaten.
5.
niska 28.11.2012
Ist vielleicht ganz gut so das jetzt zu machen, bevor die letzten Zeitsoldaten in Rente gegangen sind.
Zitat von sysopDie Bundesregierung hat den Rückzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan auf den Weg gebracht: Das Kabinett beschloss am Vormittag, die Truppenstärke bis Anfang 2014 von 4900 auf 3300 Soldaten zu reduzieren. Der Bundeswehrverband fordert die Stationierung deutscher Kampftruppen auch danach. Kabinett beschließt Truppenabbau in Afghanistan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kabinett-beschliesst-truppenabbau-in-afghanistan-a-869698.html)
Ist vielleicht ganz gut so das jetzt zu machen, bevor die letzten Zeitsoldaten in Rente gegangen sind.

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