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01.12.2012
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Syrien

Heftige Gefechte um Flughafen von Damaskus

AP

Rebell in Aleppo (29. November): Heftige Kämpfe in Syrien

Rebellen und Regierungstruppen liefern sich in Syrien harte Kämpfe um den Flughafen von Damaskus. Mehrere Wohnviertel wurden zum Ziel von Luftangriffen. Zugleich wurde der Internet-Zugang nach mehrtägiger Unterbrechung wiederhergestellt.

Istanbul/Beirut - In Syriens Hauptstadt Damaskus sind erneut heftige Kämpfe rund um den strategisch wichtigen Flughafen entbrannt. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London flogen Regierungstruppen am Samstag Luftangriffe auf mehrere Viertel, um den Airport gegen Angriffe von Rebellen zu sichern. Die Flugzeuge hätten zwei Vororte angegriffen. Sollten die Aufständischen dort ihre Stellungen halten, hätten sie ein vom Nordosten bis zum Südwesten reichendes Gebiet um Damaskus unter ihrer Kontrolle.

Die meisten internationalen Fluglinien hatten die Flüge nach Damaskus zuvor eingestellt. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, ist nur noch die staatliche Syria Air im Einsatz. Deren Büro in Beirut bestätigte, dass der Flugplan weiterhin eingehalten werde. Der Geschäftsführer der syrischen Agentur für zivile Luftfahrt, Ghaidaa Abdullatif, rief nach Angaben des Staatsfernsehens alle internationalen Fluggesellschaften auf, die Flüge nach Damaskus wieder aufzunehmen, nachdem die Sicherheit auf der Straße zum Flughafen wiederhergestellt sei. Rebellen gaben an, eine Regierungsmaschine bei Damaskus abgeschossen zu haben.

Nach einer zweitägigen Unterbrechung gab es in Hauptstadt Damaskus derweil wieder Zugang zum Internet. Die syrischen Menschenrechtsbeobachter teilten mit, dass fast alle Provinzen nun wieder online seien. Das Internet und das Telefonnetz waren am Donnerstag ausgefallen. Regierung und Opposition gaben sich gegenseitig die Schuld dafür. Wie die "New York Times" berichtete, haben sich die Rebellen jedoch schon seit Monaten auf ein solches Szenario vorbereitet und unter anderem Satelliten-Telefone ins Land geschmuggelt.

Uno-Soldaten unter Beschuss

Nach Angaben eines Sprechers der Vereinten Nationen gerieten auch am Freitag wieder Uno-Soldaten, die auf den Golan-Höhen die Waffenstillstandslinie zwischen Syrien und Israel überwachen, auf dem Weg zum Flughafen unter Beschuss. Anders als am Tag zuvor habe es aber diesmal keine Verletzten gegeben. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

In Ägyptens Hauptstadt Kairo bereitet sich die syrische Nationale Koalition der Oppositionellen auf die Zeit nach dem Sturz von Präsident Baschar al-Assad vor. Wie aus Kreisen der Allianz verlautete, steht die Aufstellung einer Übergangsregierung unmittelbar bevor. Die Führung könnte demnach Riad Hidschab übernehmen, der sich im August nur zwei Monaten nach seiner Ernennung zum Regierungschef aus Syrien abgesetzt und der Opposition angeschlossen hatte.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu hat die syrische Regierung am Samstag mit einer bewaffneten Miliz verglichen. Al-Assad habe nach 20 Monaten des Konflikts seine Legitimation verloren, sagte Davutoglu. Die Regierung habe sich in eine bewaffnete Miliz verwandelt, die mit brutalen Methoden versuche, an der Macht zu bleiben.

Die syrische Regierung sei eine ernsthafte Gefahr für die Zukunft des eigenen Volkes und des Landes, sagte der Minister weiter. Mit jedem Tag wachse zudem die Bedrohung für die Region. Die Türkei hat die Vereinten Nationen aufgefordert, eine Schutzzone für Zivilisten in Syrien einzurichten. Der libanesische Außenminister Adnan Mansur lehnte indes jede Intervention von außen ab.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 summiert sich die Zahl der Toten nach Angaben der Vereinten Nationen auf 40 000. Hunderttausende sind geflohen.

mbe/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 82 Beiträge
1. Große Operationen
robert.haube 01.12.2012
Kaum war auch das Mobilfunknetz wieder hergestellt, flog schon die erste per Handy gezündete Autobombe in die Luft. Nach syrischen Medienangaben hat die syrische Armee während des blackouts eine breit angelegte Offensive im [...]
Kaum war auch das Mobilfunknetz wieder hergestellt, flog schon die erste per Handy gezündete Autobombe in die Luft. Nach syrischen Medienangaben hat die syrische Armee während des blackouts eine breit angelegte Offensive im Umland östlich und nordöstlich von Damaskus gestartet. Dabei sind mehrere Teilstreitkräfte im Einsatz: Spezialtruppen, Infanterie, gepanzerte Einheiten, Luftstreitkräfte und Artillerie. Es scheint ordentlich zur Sache zu gehen.
2. Bewaffnete Milizen
hdwinkel 01.12.2012
---Zitat--- Al-Assad habe nach 20 Monaten des Konflikts seine Legitimation verloren, sagte Davutoglu. Die Regierung habe sich in eine bewaffnete Miliz verwandelt, die mit brutalen Methoden versuche, an der Macht zu bleiben. [...]
---Zitat--- Al-Assad habe nach 20 Monaten des Konflikts seine Legitimation verloren, sagte Davutoglu. Die Regierung habe sich in eine bewaffnete Miliz verwandelt, die mit brutalen Methoden versuche, an der Macht zu bleiben. ---Zitatende--- Daß sich das Militär immer mehr zu einer Art Miliz entwickelt ist wohl zutreffend wie schlecht. Und es dürfte wohl kein Geheimnis sein, daß die Regierung an der Macht bleiben möchte. Umgekehrt ist zu fragen, wer die Opposition eigentlich legitimiert hat, mit Waffengewalt die Macht zu erlangen. Wie auch immer der bewaffnete Widerstand begründet wird, die 40.000 Toten und Hunderttausende Verletzte und Flüchtlinge hätte es ohne diesen bewaffneten Widerstand nicht gegeben.
3. @hdwinkel
wekru 01.12.2012
Zitat - "die 40.000 Toten und Hunderttausende Verletzte und Flüchtlinge hätte es ohne diesen bewaffneten Widerstand nicht gegeben." Ohne diese "Regierung", die sich einer demokratischen Legitimation verweigert [...]
Zitat - "die 40.000 Toten und Hunderttausende Verletzte und Flüchtlinge hätte es ohne diesen bewaffneten Widerstand nicht gegeben." Ohne diese "Regierung", die sich einer demokratischen Legitimation verweigert und den Einsatz von Militär als legitime Form der politischen Auseinandersetzung betrachtet, hätte es die Opfer aber auch nicht gegeben. Wärend in Deutschland manche Leute 20 Prozesse wegen eines Blumenkübels führen, sind die ersten 1000 Syrer alleine dafür ermordet worden, weil sie freie Wahlen wollten, bei denen nicht von vornherein per Verfassung feststeht, dass Assads Einheitspartei eine deutliche Mehrheit zusteht. Warum wird hier stets vergessen, dass es diesen Krieg nur gibt, weil die ganze Welt über 6 Monate weggeguckt hat als tausende unbewaffnete Demonstranten in Folteranlagen verbracht wurden oder auf offener Straße von Milizen des Regimes hingerichtet wurden?
4. Titellos
UnitedEurope 01.12.2012
Wenn Sie sich auf Wikipedia die Timeline anschauen werden Sie feststellen, dass die Proteste zunächst friedlich verliefen und Assad sie brutal niederschlagen/-schießen ließ. Danach bewaffneten sich die Demonstranten und erst [...]
Zitat von hdwinkelDaß sich das Militär immer mehr zu einer Art Miliz entwickelt ist wohl zutreffend wie schlecht. Und es dürfte wohl kein Geheimnis sein, daß die Regierung an der Macht bleiben möchte. Umgekehrt ist zu fragen, wer die Opposition eigentlich legitimiert hat, mit Waffengewalt die Macht zu erlangen. Wie auch immer der bewaffnete Widerstand begründet wird, die 40.000 Toten und Hunderttausende Verletzte und Flüchtlinge hätte es ohne diesen bewaffneten Widerstand nicht gegeben.
Wenn Sie sich auf Wikipedia die Timeline anschauen werden Sie feststellen, dass die Proteste zunächst friedlich verliefen und Assad sie brutal niederschlagen/-schießen ließ. Danach bewaffneten sich die Demonstranten und erst seit dem verlangen sie auch den Sturz Assads. Davor waren sie vor allem für Reformen auf die Straße gegangen. Sieht so aus als müsste Assad und seine Schergen, unfähig mit friedlichen Demonstranten und den Forderungen nach echten Reformen umzugehen, die Verantwortung für die meisten Toten auf sich nehmen.
5.
Pega123 01.12.2012
Hm... die syrische Opposition sitzt in Kairo. Irgendwie ahne ich schlimmes für die Region... noch ein Staat in den Händen von Fundamentalisten. Ich frage mich, ob ein handzahmer Diktator in Damaskus nicht besser wäre, als [...]
Zitat von sysopRebellen und Regierungstruppen liefern sich in Syrien harte Kämpfe um den Flughafen von Damaskus. Mehrere Wohnviertel wurden zum Ziel von Luftangriffen. Zugleich wurde der Internet-Zugang nach mehrtägiger Unterbrechung wiederhergestellt. Syrien: Heftige Gefechte um Flughafen von Damaskus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-heftige-gefechte-um-flughafen-von-damaskus-a-870449.html)
Hm... die syrische Opposition sitzt in Kairo. Irgendwie ahne ich schlimmes für die Region... noch ein Staat in den Händen von Fundamentalisten. Ich frage mich, ob ein handzahmer Diktator in Damaskus nicht besser wäre, als ein weiterer Staat in den Hand von Islamisten. Deshalb fände ich es gut, man würde sich einfach komplett raushalten und die Syrer machen lassen und das ganze in kompletter Neutralität.

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