11.12.2012
Bürgerkrieg
Viele Tote bei Anschlägen auf syrisches Dorf
Syrischer Rebell: Schwere Gefechte mit Soldaten von Machthaber Assad
London - Das Ziel der Anschlagserie: ein syrisches und von Alawiten bewohntes Dorf im Zentrum des Landes. Bei der Attacke wurden offenbar viele Menschen getötet, über die Zahl der Opfer gibt es allerdings widersprüchliche Angaben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, in dem Dorf Aqrab in der Provinz Hama seien 125 Menschen getötet oder verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, es gebe rund 200 Verletzte oder Tote, Aktivisten hätten zunächst zehn Todesopfer bestätigt. Zur religiösen Minderheit der Alawiten gehört auch Syriens Präsident Baschar al-Assad.
Laut dem Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, war zunächst unklar, ob Rebellen hinter den Anschlägen steckten. "Aber wenn dies der Fall ist, ist es die größte Racheaktion der Rebellen" gegen alawitische Zivilisten, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Im Norden Syriens lieferten sich Rebellen und Regierungssoldaten am Dienstag laut Beobachtungsstelle schwere Gefechte rund um eine der größten Militärakademien des Landes. Den Angaben zufolge sind 3000 Soldaten in der Akademie untergebracht. Mehrere Rebellen-Brigaden seien an den Kämpfen bei der seit zwei Wochen belagerten Akademie beteiligt.
Inzwischen fliehen immer mehr Menschen vor dem Bürgerkrieg. Mehr als eine halbe Million Syrer haben sich nach Angaben der Vereinten Nationen in den Nachbarländern als Flüchtlinge registrieren lassen oder stehen kurz davor. Zusammen mit den noch nicht erfassten Bürgerkriegsflüchtlingen hätten schon jetzt 700.000 Syrer ihrer Heimat den Rücken gekehrt, teilte das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen am Dienstag in Genf mit. Insgesamt seien knapp 510.000 Syrer in den Nachbarstaaten wie dem Libanon und der Türkei bereits registriert oder planten einen solchen Schritt, erklärte das UNHCR. Allein in Jordanien seien in den vergangenen zwei Nächten 1000 verängstigte und frierende Syrer über die Grenze gekommen. Im Schnitt hätten sich im November pro Tag 3200 Menschen gemeldet. Dazu kämen noch Zehntausende Flüchtlinge, die bislang nicht von der Uno erfasst worden seien. In Jordanien betrage ihre Zahl nach staatlichen Angaben etwa 100.000.
Vor dem Beginn desBürgerkriegs lebten in Syrien etwa 20 Millionen Menschen. Der Aufstand gegen Präsident Assad begann im März 2011 und hat sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Dabei sind schätzungsweise 40.000 Menschen getötet worden.
Russland wandte sich zuletzt gegen den jüngsten Vorstoß der USA, Assad zum Amtsverzicht zu bewegen. Entsprechende Absichten verfolge die Regierung in Moskau nicht, berichtete die Zeitung "Kommersant". "Moskau ist überzeugt, dass Assad nicht freiwillig geht", hieß es zur Begründung. Präsident Wladimir Putin und andere führende Regierungsvertreter haben dennoch wiederholt versichert, Assad nicht zu unterstützen.
hen/Reuters/AFP