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13.12.2012
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Syrien-Krieg

Nato glaubt an raschen Kollaps des Assad-Regimes

DPA/ SANA

Assads Soldaten im August 2012: Der Zerfall ist eine Frage der Zeit

Die Nato schürt Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Regierung Assad. Laut Generalsekretär Rasmussen steht der Zusammenbruch des Regimes in Damaskus bald bevor. Die syrische Opposition gibt sich kämpferisch: Ein Eingreifen ausländischer Kräfte sei gar nicht mehr nötig.

Brüssel - Eine Frage der Zeit nennt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen den Zerfall der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad. "Ich glaube, das Regime in Damaskus nähert sich dem Kollaps", sagte Rasmussen am Donnerstag. Er forderte Assad auf, einen Wandel vorzubereiten, der den "gerechtfertigten Bestrebungen des syrischen Volkes" entspreche. Rasmussen forderte die Regierung auf, die Gewalt in dem umkämpften Land zu beenden.

Der Druck auf das Assad-Regime steigt von Tag zu Tag. Erstmals scheint sich auch die russische Regierung auf den Sturz des Präsidenten vorzubereiten. Dabei ist Moskau neben Peking Assads wichtigster Verbündeter. "Die Führung verliert mehr und mehr die Kontrolle im Land", sagte Vizeaußenminister Michail Bogdanow laut der Agentur Itar-Tass. Deshalb sei eine Niederlage des syrischen Präsidenten möglich. "Leider kann der Sieg der syrischen Opposition nicht mehr ausgeschlossen werden."

Zusammen mit China hat Moskau im Uno-Sicherheitsrat mehrere Sanktionsanläufe blockiert, die gegen Syriens Machthaber gerichtet waren. Noch im Oktober hatte der Putin-Vertraute Wladimir Jakunin in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE offen russische Waffenlieferungen an Damaskus verteidigt.

Vizeaußenminister Bogdanow signalisierte auch jetzt keine Absicht, sich der Position des Westens anzunähern und Sanktionen mitzutragen. Rund 130 Länder haben die syrische Opposition inzwischen anerkannt, darunter die USA. Bogdanows Aussagen wurden von Beobachtern aber als Zeichen gewertet, dass Russland von Assad abrücken könnte.

Keine Intervention des Auslands mehr nötig

Nach Angaben des neuen Oppositionschefs Muas al-Chatib ist ein Eingreifen ausländischer Kräfte im syrischen Bürgerkrieg nicht mehr erforderlich. Das syrische Volk habe seine Probleme selbst angepackt, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Zu seinem Schutz braucht es keine internationalen Kräfte mehr." Chatib führt den Dachverband der syrischen Opposition, die Nationale Koalition, die sich vor kurzem gründete.

Die Opposition sei bereit, Vorschläge von Präsident Assad für eine Kapitulation und ein Verlassen des Landes zu prüfen, sagte Chatib. "Ich hoffe nur, dass er weiß, dass er keine Rolle mehr in Syrien oder im Leben des syrischen Volkes spielt."

Nato bestätigt Einsatz von Scud-Raketen

Rasmussen bestätigte, dass die syrischen Streitkräfte mittlerweile Kurzstreckenraketen auf Regierungsgegner abfeuerten. Es gebe "einige Informationen", dass es sich um Scud-Raketen handele. "Wir haben am Anfang dieser Woche den Start einer Reihe von ungelenkten Kurzstreckenraketen gesehen", sagte der Nato-Generalsekretär. "Die Raketen wurden innerhalb Syriens abgefeuert und landeten auch innerhalb Syriens."

Rasmussen verurteilte den Einsatz der Raketen: Dieser zeige eine "völlige Missachtung für das Leben" der Syrer. Zuvor hatte bereits ein hochrangiger US-Vertreter den Einsatz von Kurzstreckenraketen bestätigt.

Damaskus widersprach dieser Darstellung kategorisch. Das Außenministerium ließ über die staatliche Presseagentur Sana eine Mitteilung verbreiten, wonach keine Scud-Raketen gegen "terroristische Gruppen" verwendet wurden. Als Terroristen bezeichnet das syrische Regime die Rebellen.

Die Scud-Raketen wurden einst in der Sowjetunion entwickelt. Nach Angaben von Rüstungsexperten tragen sie einen Sprengkopf von rund 600 bis 1000 Kilogramm und können Ziele in einer Entfernung von 300 bis 550 Kilometern treffen.

Angst vor Chemiewaffen

Mittlerweile wächst international die Angst, dass Assad seine Chemiewaffen einsetzen könnte. Medienberichten zufolge schulen Experten im Auftrag der USA offenbar syrische Regimegegner im Umgang mit Chemiewaffen. In Jordanien lernen die Milizen demnach, das Material zu entdecken und zu sichern.

40.000 Menschen sind in dem Bürgerkrieg bisher ums Leben gekommen. Auch am Donnerstag erlebte Syrienblutige Gewalt. Mindestens 16 Menschen wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag getötet, als eine Autobombe in Katana, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, explodierte. 20 Menschen hätten Verletzungen erlitten, hieß es. Der Anschlag soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben. Unter den Opfern seien auch Schüler einer benachbarten Grundschule mit Kindergarten.

Die Organisation syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete, landesweit habe es am Donnerstag 50 Todesopfer gegeben, darunter acht Angehörige der Regierungstruppen. Diese seien bei Gefechten in Aleppo getötet worden.

heb/Reuters/AP/dpa/AFP

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insgesamt 161 Beiträge
1. Gratulation an die Nato
gaga007 13.12.2012
Und wieder unterstützt der Westen die Schaffung eines Gottesstaates mit einer Taliban-Regierung ! Syrien war bisher wahrlich keine Demokratie nach westlichen Maßstäben, aber es war ein stabiles Land ! Die Ereignisse in [...]
Und wieder unterstützt der Westen die Schaffung eines Gottesstaates mit einer Taliban-Regierung ! Syrien war bisher wahrlich keine Demokratie nach westlichen Maßstäben, aber es war ein stabiles Land ! Die Ereignisse in Ägypten zeigen die angestrebte Richtung dieser sogenannten Freiheitskämpfer des "islamischen Frühlings" auf - die Schaffung von Gottesstaaten in denen die Sharia das Gesetz bildet. Ungläubige und Frauen sind die ersten Opfer westlicher Denk- und Handelsweise. Wie naiv die Politik doch sein kann !
2. Bekannte Argumentation
tiram 13.12.2012
Bekannte Argumentation Das gleiche wurde über Libyen auch behauptet, obwohl die Rebellen damals keine Chancen hatten.
Bekannte Argumentation Das gleiche wurde über Libyen auch behauptet, obwohl die Rebellen damals keine Chancen hatten.
3.
schlob 13.12.2012
sehr kurzsichtig- solche diktatoren müssen wissen,dass ihre zeit begrenzt ist,auch wenn der nächste noch schlimmer ist.
Zitat von sysop..... als einen islamistischen Tyrannen.
sehr kurzsichtig- solche diktatoren müssen wissen,dass ihre zeit begrenzt ist,auch wenn der nächste noch schlimmer ist.
4.
c++ 13.12.2012
"gerechtfertigten Bestrebungen des syrischen Volks", das ist das Letzte, was die Nato interessiert. Der Sieg der Nato im Syrienkrieg wird ebenso ein Phyrrussieg sein wie der Sieg in Afghanistan, im Irak oder in Libyen
"gerechtfertigten Bestrebungen des syrischen Volks", das ist das Letzte, was die Nato interessiert. Der Sieg der Nato im Syrienkrieg wird ebenso ein Phyrrussieg sein wie der Sieg in Afghanistan, im Irak oder in Libyen
5. Autobomben
lighter 13.12.2012
Unsere Rebellenhelden haben wieder eine Autobombe gezuendet und sechzehn Menschen verletzt. Wir sind entzueckt und gratulieren. Täglich wird sich naeher an die Freiheit herangebombt. Das kann nur gut enden. Wir freuen uns schon [...]
Unsere Rebellenhelden haben wieder eine Autobombe gezuendet und sechzehn Menschen verletzt. Wir sind entzueckt und gratulieren. Täglich wird sich naeher an die Freiheit herangebombt. Das kann nur gut enden. Wir freuen uns schon auf die Fruechte dieser hervoragenden Befreiungsarbeit.

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