15.12.2012
Syrien
Assad-Truppen und Rebellen kämpfen um Vororte von Damaskus
Rebell in Nordsyrien: Die Kämpfe im Land gehen unvermindert weiter
Berlin/Damaskus - In Syrien verschärfen sich die Kämpfe im Umland der Hauptstadt Damaskus. Nach Angaben von Oppositionellen haben Regierungstruppen eine Offensive gegen Rebellen im Vorort Daraja eingeleitet. Damit wollten Militär und Milizen des Regimes offenbar den nahe gelegenen Militärflughafen Mezze sichern, der direkt an Daraja angrenzt.
Laut Aktivisten vor Ort ist Daraja seit mehr als einem Monat vom Strom- und Telefonnetz abgeschnitten. Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) hätten jedoch wiederholte Offensiven der Regierungstruppen zurückgedrängt. Im August hatten Truppen des Regimes in Daraja ein Massaker verübt, bei dem nach Angaben von Oppositionellen Hunderte Zivilisten getötet wurden.
Auch aus dem Stadtteil Jarmuk im Süden von Damaskus wurden am Samstag Kämpfe gemeldet. Bis zum Ausbruch der Kämpfe in Syrien war Jarmuk das größte palästinensische Flüchtlingslager des Landes, seither haben in dem Viertel jedoch auch viele Syrer Zuflucht gesucht. Seit Wochen liefern sich seitdem dort Rebellen Gefechte mit Regierungstruppen sowie palästinensischen Milizionären, die auf Seiten des syrischen Diktators Baschar al-Assad stehen.
Hochburg der Islamisten
Die Regierung versucht seit Wochen, die Region um Damaskus wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Südwesten der Hauptstadt ist dabei besonders umkämpft. Bei ihren Angriffen soll die Armee erneut Kampfjets eingesetzt haben. Auch im Norden Syriens, etwa der Umgebung der Millionenstadt Aleppo sowie in Homs und Idlib gingen die Kämpfe unvermindert weiter.
Die Nato rechnet inzwischen mit einem baldigen Sturz des Assad-Regimes, doch was danach kommt weiß niemand: Der Hauptstadtvorort Daraja hat sich seit dem Massaker im August zu einer Hochburg der islamistischen Nusra-Front entwickelt. Diese Bewegung mit engen Verbindungen zu al-Qaida im Irak hat seit Ende vergangenen Jahres hunderte Anschläge begangen, bei denen auch viele Zivilisten ums Leben kamen. Die USA haben die Nusra-Front deshalb kürzlich zu einer Terrororganisation erklärt.
Bei vielen sunnitischen Syrern stieß diese Entscheidung auf Unverständnis. Auf Demonstrationen am Freitag bekundeten Tausende ihre Solidarität mit den militanten Islamisten. Die gut ausgebildeten und disziplinierten Kämpfer gelten bei ihnen als Schutztruppe gegen Angriffe der Regierungsarmee. FSA-Kommandeur Riad al-Asaad lobte die Truppe, in deren Reihen inzwischen zahllose Kämpfer aus dem Ausland aktiv sind, als "mutigstes und bestes Bataillon" im Widerstand gegen das Regime.
syd/AFP/dpa/Reuters