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19.12.2012
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Iraks kranker Präsident

Talabani soll in Deutschland behandelt werden

DPA

Iraks erkrankter Präsident Talabani (Archivbild): Weitere Behandlung in Deutschland

Nach einem Schlaganfall soll Iraks Präsident Dschalal Talabani zur weiteren Behandlung nach Deutschland geflogen werden. Hiesige und Mediziner aus anderen Ländern trafen nach kurdischen Angaben am Mittwoch in Bagdad ein, um sich ein Bild vom Gesundheitszustand des 79-Jährigen zu machen.

Bagdad/Berlin - Der erkrankte irakische Präsident Dschalal Talabani wird nach Angaben aus Bagdad am Donnerstag zur weiteren Behandlung nach Deutschland gebracht. Einer der Ärzte sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, Talabani gehe es besser "und er wird morgen in ein Krankenhaus in Deutschland gebracht". Der 79-Jährige war am Montag laut Staatsfernsehen wegen eines Schlaganfalls in eine Klinik in Bagdad eingeliefert worden.

Das Büro des Präsidenten bestätigte die Angaben zur Verlegung Talabanis in eine deutsche Klinik. Ein Ärzteteam aus dem Irak, Deutschland und Großbritannien habe entschieden, dass der Präsident in Deutschland weiter behandelt werden solle. Unklar war zunächst, wo in Deutschland die Behandlung stattfinden soll. Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich zunächst nicht zur Behandlung Talabanis in Deutschland.

Der Kurde Talabani war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen gesundheitlicher Probleme behandelt worden. Im Jahr 2007 hielt er sich wegen Erschöpfung in Jordanien auf, im August 2008 unterzog er sich in den USA einer Herzoperation. Während im irakischen Staatsfernsehen hinsichtlich der jüngsten Erkrankung Talabanis von einem Schlaganfall die Rede war, sprach das Präsidentenbüro von einer "Arterienverhärtung".

Nach Krankenhausangaben in Bagdad vom Mittwoch verbesserte sich Talabanis Zustand zuletzt. Untersuchungen zeigten eine "Stabilität und Verbesserung" von Talabanis Gesundheitszustand, sagte der Chef des Bagdader Krankenhauses, in das Talabani am Montag eingeliefert worden war.

Talabani gilt als wichtiger Vermittler im Irak

"Onkel Dschalal", wie seine Anhänger den Präsidenten nennen, war nach dem Sturz Saddam Husseins 2005 zum Übergangspräsidenten ernannt worden. Bei den Wahlen 2006 und 2010 wurde er jeweils im Amt bestätigt. Der Kurde gilt als Vermittler in dem religiös und ethnisch gespaltenen Land. Zuletzt hatte er unter anderem die Abhaltung einer "Nationalkonferenz" vorgeschlagen. Schiiten und Sunniten im Irak misstrauen einander ebenso tief, wie die politische Opposition dem schiitischen Ministerpräsidenten al-Maliki, dem seine Gegner vorwerfen, ein "Diktator" zu sein.

Die Verfassung des Irak sieht vor, dass einer der beiden Vize-Präsidenten das Amt des Staatsoberhauptes bei dessen Verhinderung vorübergehend übernimmt. Nach 30 Tagen Abwesenheit muss das Parlament demnach einen neuen Präsidenten bestimmen. Derzeit steht nur Vize-Präsident Chudair al-Chusaje zur Verfügung. Der zweite Vize, Tarik al-Haschemi, war vor einem Jahr in die Türkei geflohen und im September wegen der Anstiftung zweier Morde in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

flo/afp/dpa

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