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22.12.2012
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Gewaltdebatte

US-Waffenlobby gerät massiv in die Kritik

"Eine fast verwirrte Hasstirade", "Realitätsverweigerung", "paranoide Vision für Amerika": Die Reaktionen auf die Pressekonferenz der US-Waffenlobby am Freitag fallen harsch aus. Die NRA hatte unter anderem gefordert, bewaffnete Wachen an Schulen aufzustellen.

Washington - Die kruden Aussagen der US-Waffenlobby nach dem Blutbad von Newtown stoßen auf harsche Kritik. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warf dem Lobbyverband NRA eine "paranoide Vision eines noch gewalttätigeren Amerikas" vor, in dem "jeder bewaffnet und kein Ort mehr sicher" sei. Der parteilose Politiker plädiert seit Jahren für schärfere Waffengesetze.

Senator Frank Lautenberg aus New Jersey sagte, der Verband liege weit von dem entfernt, was die US-Öffentlichkeit wolle. Die "New York Times" bezeichnete die Äußerungen des NRA-Vizepräsidenten Wayne LaPierre als "verlogen, wahnhaft" und eine "fast verwirrte Hasstirade".

LaPierre war am Freitag eine Woche nach dem Schulmassaker von Newtown vor die Presse getreten. Er sprach sich dabei für den Einsatz bewaffneter Polizisten an jeder Schule aus. "Das Einzige, was einen bösen Menschen mit einer Waffe aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Waffe", sagte er in Washington.

Zugleich machte er die Medien, Videospiele, Filme und Musikvideos für die Gewalt in der Gesellschaft verantwortlich. "In einer Abwärtsspirale wetteifern Konzerne darum, zu schockieren und jeden Standard der zivilisierten Gesellschaft zu verletzen", sagte der NRA-Chef. Manche hätten versucht, politisches Kapital aus dem Massaker zu schlagen. Deshalb habe die NRA zunächst "respektvoll geschwiegen".

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NRA: Kämpfer für noch mehr Waffen
Schauspieler fordern Verbot von Schnellfeuergewehren

Die stellvertretende Direktorin der Anti-Waffen-Gruppe Code Pink, Medea Benjamin, warf der NRA Realitätsverweigerung vor: "Sie haben die Schuld für die Gewalt auf alle möglichen Dinge geschoben - nur nicht auf die Waffen selbst."

Bei dem Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20-Jähriger am Freitag vor einer Woche 20 Kinder sowie sechs Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Attentäter zu Hause auch seine Mutter getötet. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst. Das Verbrechen hatte die Debatte um Waffenbesitz in den USA neu entfacht.

Am Freitag veröffentlichten zahlreiche Hollywood-Stars, darunter Gwyneth Paltrow, Julianne Moore und Jamie Foxx, ein Video, in dem sie sich unter anderem für ein Verbot von automatischen Schnellfeuergewehren sowie eine schärfere Überprüfung von Waffenkäufern aussprechen. Die Schauspieler zählen die Amokläufe der vergangenen Jahre auf: "Columbine. Virginia Tech. Tucson. Aurora. Fort Hood. Oak Creek. Newtown. Newtown. Newtown." Und dann stellen sie die entscheidende Frage: "Wie viele mehr?"

cte/AFP

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insgesamt 167 Beiträge
1. Frage
snickerman 22.12.2012
Wenn wir einfach mal einem Vorschlag der NRA folgen würden- wer soll denn bitteschön die zehntausende von zusätzlichen bewaffneten Sicherheitskräfte vor/in den Schulen bezahlen? Die Waffenlobby selber?
Wenn wir einfach mal einem Vorschlag der NRA folgen würden- wer soll denn bitteschön die zehntausende von zusätzlichen bewaffneten Sicherheitskräfte vor/in den Schulen bezahlen? Die Waffenlobby selber?
2. Mord
Ruler 22.12.2012
ist seit Urzeiten in der zivilisierten Welt verboten. Und? Waffen verbieten ist so sinnvoll wie Alkohol und Drogen unter Strafe zu setzen. Die Prohibition hat die Mafia bereichert und sonst nichts bewirkt.
ist seit Urzeiten in der zivilisierten Welt verboten. Und? Waffen verbieten ist so sinnvoll wie Alkohol und Drogen unter Strafe zu setzen. Die Prohibition hat die Mafia bereichert und sonst nichts bewirkt.
3. Das ist ja doll ...
doctor no 22.12.2012
... dass dann jetzt vielleicht mal darüber nachgedacht wird, den Verkauf von Sturmgewehren unter Umständen stärker zu reglementieren. Nur eine kleine Frage dazu: Wieviele der zahlreichen Amokläufe der vergangenen Jahre wurden [...]
... dass dann jetzt vielleicht mal darüber nachgedacht wird, den Verkauf von Sturmgewehren unter Umständen stärker zu reglementieren. Nur eine kleine Frage dazu: Wieviele der zahlreichen Amokläufe der vergangenen Jahre wurden denn mit einem solchen unternommen? Meines Wissens waren es fast immer stinknormale Pistolen, ab und zu vielleicht noch eine Schrotflinte, die da zum Einsatz kamen. Was ist das aktuelle Gelabere über Sturmgewehre denn da anderes als bloßer Aktionismus; eine Alibidebatte und ein Feigenblatt?
4. Schwachköpfe
audumbla 22.12.2012
diese Möchtegern-Cowboys halten an ihrem Waffenrecht von vor 200 Jahren fest, egal ob Kinder ermordet werden oder nicht!
diese Möchtegern-Cowboys halten an ihrem Waffenrecht von vor 200 Jahren fest, egal ob Kinder ermordet werden oder nicht!
5. Beispiel Newtown
Ruler 22.12.2012
Bei 700 gemeldeten Schülern kann z.B. über eine Umlage sicher ein Sicherheitsmitarbeiter von den Eltern bezahlt werden.
Zitat von snickermanWenn wir einfach mal einem Vorschlag der NRA folgen würden- wer soll denn bitteschön die zehntausende von zusätzlichen bewaffneten Sicherheitskräfte vor/in den Schulen bezahlen? Die Waffenlobby selber?
Bei 700 gemeldeten Schülern kann z.B. über eine Umlage sicher ein Sicherheitsmitarbeiter von den Eltern bezahlt werden.

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