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24.12.2012
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Islamisten in Mali

Ashton verurteilt Zerstörung von Heiligtümern in Timbuktu

AFP

EU-Außenbeauftragte Ashton: "Tragödie nicht nur für die Malier, sondern für die ganze Welt"

Sie machen auch vor Mausoleen und anderen Heiligtümern in Timbuktu nicht halt: Radikale Islamisten haben im Norden Malis erneut Teile des Unesco-Weltkulturerbes verwüstet. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich "tief schockiert".

Timbuktu - Catherine Ashton spricht von einer "Tragödie nicht nur für die Malier, sondern für die ganze Welt". Die EU-Außenbeauftragte hat die Zerstörung der noch verbliebenen Mausoleen und Schreine islamischer Heiliger in der nordmalischen Stadt Timbuktu durch radikale Islamisten verurteilt. Ashton sei "zutiefst schockiert" und rufe "zum umgehenden Schutz dieses in Afrika einmaligen kulturellen und religiösen Erbes" auf, wie sie über ihren Sprecher mitteilen ließ.

Die im Norden Malis herrschenden Islamisten hatten am Sonntag mit der Zerstörung der restlichen Mausoleen in Timbuktu begonnen. Sie begründeten ihr Vorgehen damit, dass die Grabstätten gegen islamische Vorschriften verstießen, weil Gläubige nur Allah anbeten und keine Heiligen verehren dürften.

"Die Mausoleen dienen der Heiligenverehrung, und es ist nicht gut, wenn Menschen Gebäude oder Gräber wie einen Gott verehren", sagte Sprecher der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine. Die Kulturstätten beherbergen die sterblichen Überreste islamischer Gelehrter.

"Die zerstörten Mausoleen gehören zum Unesco-Weltkulturerbe und befinden sich in der Medina (Altstadt, Anm. d. Red.) von Timbuktu", sagte Bagna Wangara, ein Bewohner der historischen Wüstenstadt, am Montag. "Sie haben alles verwüstet, was sie finden konnten." Bei den Tätern habe es sich nicht um Bürger Timbuktus, sondern um Fremde gehandelt.

Bereits im Sommer hatten Extremisten in Timbuktu mehrere berühmte und von der Unesco geschützte Heiligengräber zertrümmert. Die Islamisten hatten den Norden Malis nach einem Militärputsch im März erobert und kontrollieren mittlerweile zwei Drittel des Landes.

Die neuen Zerstörungen dürften eine Reaktion auf einen Beschluss des Uno-Sicherheitsrats sein, der am Donnerstag einem Militäreinsatz in dem westafrikanischen Land einstimmig zustimmte. In den kommenden Monaten ist aber kein Vorgehen gegen die Islamisten im Norden Malis zu erwarten, denn die beschlossene Resolution stellt mehrere Hürden für eine endgültige Zustimmung auf. Mit einem Einsatzbeginn ist laut Diplomaten nicht vor September zu rechnen.

wit/dpa/AFP

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