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06.01.2013
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Obamas Verteidigungsminister

Republikaner gilt als Favorit für Pentagon-Spitze

AP

Ex-Senator Hagel (Foto von 2008): Möglicher nächster US-Verteidigungsminister

Chuck Hagel kristallisiert sich als führender Kandidat für die Nachfolge von Leon Panetta als US-Verteidigungsminister heraus. Schon am Montag könnte Präsident Obama den Republikaner offiziell nominieren. Der frühere Senator gilt als äußerst streitbare Figur.

Washington - US-Präsident Barack Obama scheint sich auf einen Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers festgelegt zu haben. Obama werde den republikanischen Ex-Senator Chuck Hagel voraussichtlich am Montag als Nachfolger von Leon Panetta nominieren, sagte ein Berater aus den Reihen der Demokraten. Ähnliches war aus Kongress- und Sicherheitskreisen zu vernehmen.

Allerdings dürfte dem Vietnam-Veteranen ein schwieriges Anhörungsverfahren im Senat bevorstehen, wo vor allem seine Haltung zum US-Verbündeten Israel Thema sein könnte. Hagel hatte mehrmals gegen amerikanische Iran-Sanktionen gestimmt und sich abschätzig über den Einfluss der nach seinen Worten "jüdischen Lobby" in Washington geäußert.

Hagels Positionen sind auch in seiner eigenen Partei umstritten. Führende Republikaner halten ihn für zu nachgiebig gegenüber dem Iran und werfen ihm vor, nicht eng genug an der Seite Israels zu stehen. Viele konservative Republikaner stoßen sich zudem bis heute an Hagels Kritik an den Plänen des damaligen Präsidenten George W. Bush, die US-Truppen im Irak aufzustocken, um die Gewalt in dem Land in den Griff zu bekommen.

Der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham aus South Carolina bezeichnete Hagels mögliche Nominierung als "unglaublich kontroverse Wahl". Er werde "der Israel-feindlichste Verteidigungsminister in der Geschichte unserer Nation sein", sagte Graham CNN. Er wisse nicht, ob er und viele seiner Kollegen dies hinnehmen könnten.

Hagel wäre nach Robert Gates der zweite Republikaner, den Obama an die Spitze des Pentagon holt. Er gilt als unabhängiger Kopf mit Neigung zu unverblümten Sprüchen. Sollten alle Demokraten im Senat zustimmen, bräuchte Obama nur noch eine Handvoll Republikaner, um im Senat die notwendigen 60 Stimmen für die Bestätigung seines Kandidaten zu erhalten.

Hagel vertrat bis 2008 Nebraska als Senator in Washington. Obama hat ihn zuletzt insbesondere als Berater in Geheimdienstfragen schätzen gelernt. Ende vergangenen Jahres machte der Präsident sich öffentlich für ihn als potenziellen nächsten Pentagon-Chef stark.

Obama muss nach seiner Wiederwahl im November einige Schlüsselressorts neu besetzen. Finanzminister Timothy Geithner und Außenministerin Hillary Clinton hören auf. Bei der Suche nach einem Nachfolger für die US-Chefdiplomatin musste Obama bereits einen Rückschlag hinnehmen. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nation, Susan Rice, die als seine erste Wahl galt, verzichtete auf das Amt. Sie war wegen Äußerungen über den Anschlag auf die US-Vertretung im libyschen Bengasi unter Druck geraten. Neuer Außenminister soll nun der Senator und Ex-Präsidentschaftskandidat der Demokraten, John Kerry, werden.

ulz/Reuters/AFP

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