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06.01.2013
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Newtown-Massaker

Obama will Waffengesetze massiv verschärfen

REUTERS

Obama bei Newtown-Gedenkfeier (Archivbild): Verschärfung des Waffenrechts

Hintergrund-Checks bei Waffenkäufern, mehr Kontrolle, mehr Restriktionen: Laut einem US-Zeitungsbericht will Präsident Barack Obama die Verbreitung von Schusswaffen stark eindämmen - mit einem Maßnahmenpaket, das die bisherigen Erwartungen deutlich übertrifft.

Washington - US-Präsident Barack Obama plant nach dem Schulmassaker von Newtown angeblich eine umfassende Verschärfung der laxen Waffengesetze. Wie die Zeitung "Washington Post" am Sonntag unter Berufung auf mehrere Insider berichtete, will der Präsident nicht nur ein Verkaufsverbot von Sturmgewehren reaktivieren.

Die Arbeitsgruppe, die Obama nach dem Blutbad mit insgesamt 27 Toten ins Leben gerufen hatte, prüfe unter anderem auch Hintergrund-Checks bei allen Waffenkäufern. Außerdem sollen der Verkauf und der Wiederverkauf von Waffen auf nationaler Ebene beobachtet und registriert werden.

Als eine weitere Maßnahme würden schärfere Strafen gegen unerlaubtes Mitführen von Waffen etwa in der Nähe von Schulen ins Auge gefasst. Erwogen werde auch ein härteres Vorgehen gegen Personen, die Schusswaffen an Minderjährige weitergäben.

Große Werbekampagne geplant

Obama hatte nach dem Massaker im Dezember zwar entschlossenes Handeln angekündigt, um eine Wiederholung derartiger Tragödien zu verhindern. Einzelheiten nannte er jedoch zunächst nicht.

Als sicher galt lediglich, dass Obama den Verkauf von halbautomatischen Sturmgewehren verbieten lassen will. Dafür hatte er sich in der Vergangenheit wiederholt ausgesprochen, aber keine entsprechende Initiative ergriffen. Mit Sturmgewehren lassen sich ohne Nachladen innerhalb kürzester Zeit extrem viele Schüsse abgeben.

Die nun bekannt gewordenen Verschärfungen sind weitaus breiter angelegt als zunächst erwartet. Um sie durchzusetzen, will Obama der "Washington Post" (hier finden Sie den Originalartikel) zufolge eine intensive Werbekampagne starten. Sie solle sich auch an Unternehmen richten, die Waffen verkauften. Dadurch könne die einflussreiche Waffenlobby National Rifle Association umgangen werden. Die NRA lehnt schärfere Gesetze ab und meint, jeder Amerikaner müsse in der Lage sein, einem Angreifer mit einer eigenen Schusswaffe zu begegnen.

Die Debatte um schärfere Waffengesetze stößt in den USA meist schnell an eine Grenze, weil viele Bürger an dem in der Verfassung verankerten Recht auf Waffenbesitz hängen. Doch das Massaker von Newtown, bei dem ein 20-Jähriger am 14. Dezember 2012 seine Mutter, 20 Grundschüler und sechs weitere Erwachsene erschossen hatte, hob die Gewalt auf eine neue Ebene: Anders als bei den Amokläufen an der Columbine High School 1999 oder an der Universität Virginia Tech 2007 wurden dabei Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren zur Zielscheibe.

sto/dpa/AFP

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
1. US-Waffenspinner
mk70666 06.01.2013
Demnach hätte Obama mit der Vorschrift von High-Tech-Visieren, die ein Mindestalter der Opfer von 14 Jahren erfordern, bei den amerikanischen Waffenspinnern wahrscheinlich ganz gute Chancen. Naja, der Verbot von [...]
Zitat von sysopREUTERSHintergrund-Checks bei Waffenkäufern, mehr Kontrolle, mehr Restriktionen: Laut einem US-Zeitungsbericht will Präsident Barack Obama die Verbreitung von Schusswaffen stark eindämmen - mit einem Maßnahmenpaket, das die bisherigen Erwartungen deutlich übertrifft. Obama plant Verschärfung der Waffengesetze - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-plant-verschaerfung-der-waffengesetze-a-876016.html)
Demnach hätte Obama mit der Vorschrift von High-Tech-Visieren, die ein Mindestalter der Opfer von 14 Jahren erfordern, bei den amerikanischen Waffenspinnern wahrscheinlich ganz gute Chancen. Naja, der Verbot von Sturmgewehren ist ja schonmal ein guter Anfang. Sind Amokläufer nur noch mit ein paar Revolvern ausgerüstet, gibt es im Schnitt bestimmt höchstens nur noch ~20 Opfer. Und eine höhere Strafe bei Führen von Waffen in Schulnähe hält auch garantiert jede Menge Psychopathen vom Massakrieren ab...
2. Glückwunsch an die Redaktion
Friedrich Hattendorf 06.01.2013
Endlich gibt es einmal einen Link zur Qqelle der Informationen
Endlich gibt es einmal einen Link zur Qqelle der Informationen
3. Es gebietet die Höflichkeit...
HollowPoint 06.01.2013
... andere Menschen wegen ihrer Überzeugungen nicht auszugrenzen indem man sie ständig als Narren, Spinner, Fetischisten oder sonstigen abwertenden Bezeichnungen belegt. Leider trägt die bewusste Fehlinformation unserer [...]
... andere Menschen wegen ihrer Überzeugungen nicht auszugrenzen indem man sie ständig als Narren, Spinner, Fetischisten oder sonstigen abwertenden Bezeichnungen belegt. Leider trägt die bewusste Fehlinformation unserer Qualitätsmedien Früchte. Selbst in einem ehemals seriösen Blatt wie dem SPIEGEL sind diese Entwürdigung nachzulesen. Dies ist mE der mangelhaften Ausbildung der Redakteure und der Vernachlässigung journailistischer Grundprinzipien wie zB sorgfältiger Recherche auf dem Altar der Quote geschuldet. Wäre diese erfolgt, wäre dem verantwortlichen Redakteur aufgefallen, dass es in den USA zwar den 2. Verfassungszusatz gibt, der jedem Bürger das Recht zum Waffenbesitz gibt; gern übergangen - oder dem Leser bewusst vorenthalten - werden die fast 20.000 lokalen Waffengesetze der Bundesstaaten, Landkreisen und Gemeinden. Diese sind zum Teil extrem unterschiedlich gefasst und gehen von einem totalen Besitz- und Trageverbot bis hin zu einer völligen Freigabe des Besitzes inklusive öffentlichem, zugriffsbereitem Führen der persönlichen Waffe. Zudem ist der Verkauf von "Sturmgewehren" in den USA bereits seit 1986 verboten. Bevor jetzt wieder der typisch deutsche Einwurf mit der einigen Mitbürgern eigenen Scheuklappenmentalität "...die Amis mit ihrer Cowboymentalität..." durchschlägt: es kommt nachweislich in den Gegenden mit Waffenfreigaben zu weniger Straftaten als in solchen mit scharfen Waffengesetzen. Nachzulesen ist dies im Crime Report des FBI, hier stellvertretend der von 2009: FBI — Preliminary 2009 Crime Statistics (http://www.fbi.gov/news/stories/2010/may/crime_052410/crime-rates-fall-according-to-our-preliminary-stats) Mir stellt sich zudem die Frage des Sinnes nach einem Verbot eines Tatmittels. Verbiete eines, ein Täter sucht sich ein anderes. Diese Täter wählen zudem bewusst Ziele aus an denen mit Sicherheit nicht mit Gegenwehr zu rechnen ist und geben beim ersten Anzeichen von Widerstand auf. Viel wichtiger als reflexhafte Verbotsforderungen sind die Ursachen für die in letzter Zeit häufiger auftretenden School-Shootings zu bekämpfen. Soziale Verelendung, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, psychologische Ursachen und als einer der wichtigsten Punkte die Glorifizierung dieser Mörder in den Medien sind Punkte an denen angesetzt werden muss.
4. Anlassgesetzgebung....
Harry Callahan 06.01.2013
Das Wahlvolk hat den Eindruck, dass auf jedes Unglück ein Gesetz folgen muss - egal ob es Sinn macht oder nicht. Was hier verboten wird, sind rein optische Merkmale. Ob eine Waffe einen Pistolengriff hat oder einen gravierten [...]
Das Wahlvolk hat den Eindruck, dass auf jedes Unglück ein Gesetz folgen muss - egal ob es Sinn macht oder nicht. Was hier verboten wird, sind rein optische Merkmale. Ob eine Waffe einen Pistolengriff hat oder einen gravierten Holzschaft ist völlig belanglos und sagt nichts über ihr Gefährdungspotential aus. Schon der Begriff "Assault Weapon" ist fehlerhaft. Dieser beschreibt eine vollautomatische Waffe. Diese sind schon jetzt - im Gegensatz zur landläufigen Meinung in D - stark reglementiert. Einen Vollautomaten bekommt man nach etwa 8 Monaten Papierkrieg für nicht unter 10.000 Dollar. Und jemand soll diesen Aufwand auf sich nehmen, um danach einen Supermarkt zu überfallen und dort 10 Dollar zu erbeuten? Das passiert einfach nicht. Was verboten werden soll, sind halbautomatische Schußwaffen. Aber - wie ich schon geschrieben habe - nach rein optischen Kriterien. Technisch die gleiche Waffe mit Holzschaft ist ok, aber wenn ich mir einen Pistolengriff anschraube, wird sie gefährlich? Auch eine Begrenzung von Magazinkapazitäten ist Humbug. Wen will, kann sich mal die Aussage von Suzanna Gratia Hupp ansehen, die vor einem Untersuchungsausschuss aussagt, nachdem Ihre Eltern in einem Restaurant erschossen wurden. Sie sagt glaubwürdig aus, dass ein Magazinwechsel in Sekunden geschieht. Es ist völlig egal, ob in dem Magazin 10 oder 30 Schuß sind, weil es eine völlige Illusion ist, dass man in der Zeit des Magazinwechsels auf den Täter einwirken kann. Aber es ist immer noch, wie es früher war - wenn etwas passiert, muss jemand dafür bestraft werden. Kann man den Täter nicht mehr greifen, müssen eben die Waffenbesitzer bestraft werden. Auch hierzu hat Frau Gratia eine eindeutige Meinung....
5. Sicherheit vs. Freiheit
martinom 06.01.2013
Bravo! Amerika ist auf dem besten Weg, ein Freiheitsrecht gegen vermeintliche Sicherheit zu verkaufen.
Bravo! Amerika ist auf dem besten Weg, ein Freiheitsrecht gegen vermeintliche Sicherheit zu verkaufen.
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