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09.01.2013
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Bürgerkrieg in Syrien

Assad tauscht Gefangene gegen iranische Geiseln aus

AFP/ Al-Arabiya

Videoaufnahme der iranischen Geiseln (Archiv): Seit August entführt

Die syrischen Rebellen haben offenbar 48 Iraner freigelassen, die sie vor fünf Monaten als Geiseln genommen hatten. Im Gegenzug lässt das Regime von Diktator Assad über 2000 Gefangene frei. Den Austausch sollen die Türkei und Katar eingefädelt haben.

Damaskus - Die Entführung von 48 Iranern in Syrien ist nach fünf Monaten offenbar unblutig zu Ende gegangen. Laut einer türkischen Hilfsorganisation hat sich das Regime von Präsident Baschar al-Assad auf einen Deal eingelassen. Syrien lässt demnach 2130 zivile Häftlinge im Austausch gegen die Iraner frei.

Die Gruppe war seit Anfang August von Rebellen der al-Baraa-Gruppierung festgehalten worden. Die Aufständischen hatten ursprünglich ihre Hinrichtung angekündigt. Die Rebellen beschuldigten die Iraner, Angehörige der Revolutionsgarde zu sein, die zur Unterstützung des syrischen Präsidenten al-Assad in das Land geschickt worden seien. Iran dagegen bezeichnete die Landsleute als Pilger, die schiitische Heiligtümer besuchen wollten.

Auch das staatliche iranische Fernsehen meldete am Mittwoch die Freilassung der Iraner. Die türkische Hilfsorganisation IHH erklärte, die meisten Häftlinge, die freigelassen werden sollten, seien Syrer. Unter ihnen seien aber auch einige Türken sowie andere Ausländer.

Die Männer waren im August vergangenen Jahres in Damaskus verschleppt worden. Wenige Tage darauf strahlte der Sender al-Arabija ein kurzes Video aus, das die Männer zeigen sollte.

Eine Bestätigung der syrischen Regierung für das Ende der Geiselnahme gab es zunächst nicht. Einem Bericht der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anatolien zufolge wurde der Austausch von der Türkei und Katar vermittelt. Die al-Baraa-Brigade - benannt nach einem Gefährten des Propheten Mohammed - wurde im Februar 2012 in Homs gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, Einrichtungen des Assad-Regimes mit Selbstmordanschlägen anzugreifen.

Vor dem Krieg in Syrien reisten jährlich etwa 700.000 Iraner in die syrische Hauptstadt, um dort eine den Schiiten heilige Stätte zu besuchen: das Grab von Sainab, der Tochter des Imams Ali. Die syrischen Rebellen, die gegen das Regime von Assad kämpfen, sind überwiegend sunnitischen Glaubens. Sie prangern Teherans Unterstützung für Assad an, der zur schiitisch-alevitischen Glaubensrichtung gehört.

ler/Reuters/dapd

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 96 Beiträge
1. die
martin-z. 09.01.2013
"rebellen", also die terroristen in syrien stehen mit dem rücken zur wand. syrian arab airlines haben die innersyrischen flüge wieder aufgenommen. noch in 100 jahren soll sich der westen und medien wie der spiegel dafür [...]
"rebellen", also die terroristen in syrien stehen mit dem rücken zur wand. syrian arab airlines haben die innersyrischen flüge wieder aufgenommen. noch in 100 jahren soll sich der westen und medien wie der spiegel dafür schämen, islamistische terroristen unterstützt zu haben und ein friedliches land in einen bürgerkrieg gestürzt zu haben.
2. Beschränktes Weltbild
johnny01 09.01.2013
Sie haben aber ein beschränktes Weltbild. Hier führt ein Diktator Krieg gegen seine Bevölkerung. Dass die Syrer nach 45 Jahren Diktatur mehr Selbstbestimmung einfordern, ist doch kein Verbrechen. Es wurde allerdings so von Assad [...]
Sie haben aber ein beschränktes Weltbild. Hier führt ein Diktator Krieg gegen seine Bevölkerung. Dass die Syrer nach 45 Jahren Diktatur mehr Selbstbestimmung einfordern, ist doch kein Verbrechen. Es wurde allerdings so von Assad verstanden und entsprechend blutig bekämpft. Das ist in dieser Form beispielslos in der jüngsten Geschichte!
3.
kernspalter 09.01.2013
Es gab ja in den letzten anderthalb Jahren wirklich genug Hinweise darauf, daß die gewalttätigen "Regimegegner" mit höflichen Worten kaum beschreibbar sind, es sich also schlicht um bewaffnete, gefährliche Kriminelle [...]
Es gab ja in den letzten anderthalb Jahren wirklich genug Hinweise darauf, daß die gewalttätigen "Regimegegner" mit höflichen Worten kaum beschreibbar sind, es sich also schlicht um bewaffnete, gefährliche Kriminelle handelt. Die Geiselnahme von (mutmaßlich unbeteiligten) Ausländern zum Zweck der Erpressung des Gegners ist da nur ein weiterer Tiefpunkt.
4.
Ghanima22 09.01.2013
Ich weiss nicht. Ein paar tausend Terroristen, ein guter Teil davon im Ausland eingekauft, machen noch keine Bevölkerung aus. Und was die Bevölkerung betrifft, die hat sich zumindest entschieden wen sie nicht unterstützt, zum [...]
Zitat von johnny01Sie haben aber ein beschränktes Weltbild. Hier führt ein Diktator Krieg gegen seine Bevölkerung. Dass die Syrer nach 45 Jahren Diktatur mehr Selbstbestimmung einfordern, ist doch kein Verbrechen. Es wurde allerdings so von Assad verstanden und entsprechend blutig bekämpft. Das ist in dieser Form beispielslos in der jüngsten Geschichte!
Ich weiss nicht. Ein paar tausend Terroristen, ein guter Teil davon im Ausland eingekauft, machen noch keine Bevölkerung aus. Und was die Bevölkerung betrifft, die hat sich zumindest entschieden wen sie nicht unterstützt, zum Leidwesen besagter Teroristen. Wie beschränkt das Weltbild das von ihnen zitierten Foristen auch immer sein mag, es ist nicht annähernd so realitätsfremd wie das Ihre.
5.
reuanmuc 09.01.2013
Was ist mit den 2000 Gefangenen von Assad, weshalb waren sie eingesperrt? Entgegen den Behauptungen der meisten Rebellengegner sind die Iraner offensichtlich noch am Leben, was man nicht von allen Gefangenen Assads behaupten [...]
Zitat von kernspalterDie Geiselnahme von (mutmaßlich unbeteiligten) Ausländern zum Zweck der Erpressung des Gegners ist da nur ein weiterer Tiefpunkt.
Was ist mit den 2000 Gefangenen von Assad, weshalb waren sie eingesperrt? Entgegen den Behauptungen der meisten Rebellengegner sind die Iraner offensichtlich noch am Leben, was man nicht von allen Gefangenen Assads behaupten kann. Es ist erwiesen, dass Iraner in Syrien für das Assadregime kämpfen, sei es direkt mit Waffen oder indirekt durch Kampfausbildung. Hoffentlich bekommen die freigelassenen Syrer die Möglichkeit, über ihre Gefangenschaft zu berichten.
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