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10.01.2013
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Kämpfe in Mali

Militär rüstet sich für Ansturm der Islamisten

Aus Segu berichtet
AFP/ SITE

Islamistische Rebellen in Mali: Kämpfe mit dem Militär

Im westafrikanischen Mali liefert sich das Militär weiter heftige Kämpfe mit Islamisten. Jetzt sollen mehr Soldaten in den Norden des Landes geschickt werden, um die Grenzregion zu dem von den Rebellen kontrollierten Gebiet zu sichern.

Das Militär in Mali bereitet sich auf Truppenverstärkungen an der Grenze zu dem von Islamisten kontrollierten Gebiet vor. Nach heftigen Kämpfen in der Nacht zum Donnerstag hat das Militär eine Krisensitzung einberufen, um mit führenden Generälen das weitere Vorgehen zu beraten. Einem hochrangigen Offizier zufolge geht es dabei um eine stärkere Präsenz in der Krisenregion im Norden des Landes.

An der Grenze zu dem von Islamisten kontrollierten Gebiet war es in der Nacht zum Donnerstag zu schweren Kämpfen zwischen den Rebellen und der malischen Armee gekommen. Ein Offizier der malischen Armee aus Kano, der letzten von der Armee kontrollierten Stadt in Zentralmali, sagte SPIEGEL ONLINE am späten Mittwochabend, die Armee und die Rebellen hätten sich ein längeres Feuergefecht geliefert, das gegen 18 Uhr Ortszeit begonnen hatte. Die Gefechte dauerten demnach bis Mitternacht an. Zwar habe die Armee die Gruppe von anrückenden Rebellen mit Mörsergranaten zunächst vertreiben können, später seien aber neue Gruppen der Islamisten auf die Stellungen der Armee zugerast.

Bei den Kämpfen seien mehrere Pick-ups konfisziert und eine kleine Gruppe festgenommen worden. Die Angaben der Armee konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden, allerdings berichteten Anwohner aus der Region Kano ebenfalls von langem Gefechtslärm und Schüssen aus Raketenwerfern.

Das Militär meldete aus Bamako einen angeblichen ersten Erfolg gegen die Islamisten. Man habe in der Nacht die von den Rebellen eingerichtete Grenzstation Duantsa eingenommen und dabei ein paar Dutzend Rebellen festgenommen. Darunter soll auch ein ausländischer Führer der Islamisten sein, der umgehend nach Bamako gebracht worden sei.

Gezielte Provokation der Armee

In Duantsa hatten die Rebellen einen Straßenkontrollpunkt eingerichtet, dort kontrollierten sie alle Reisenden, nahmen ihnen Kameras, Zigaretten und alles vermeintlich Unislamische ab. Frauen und Männer mussten in Bussen in abgetrennten Teilen fahren, die durch Tücher abgehängt wurden.

Anwohner sagten SPIEGEL ONLINE per Telefon allerdings, die Armee sei nicht präsent, vielmehr würden die Checkpoints weiterhin von den Aufständischen kontrolliert. Der Erfolg in Bamako wäre der erste, den das desolate malische Militär seit Beginn der Krise hätte vermelden können. Bisher hatten sich die Truppen stets von den Islamisten zurückdrängen lassen.

Unabhängige Beobachter blockt das malische Militär forsch ab. In Sevare, etwa 60 Kilometer südlich der aktuellen Kämpfe, stoppten Polizei und Militär ein Team von SPIEGEL ONLINE und verweigerten die weiterfahrt. Die Region sei zum "Kriegsgebiet" erklärt worden, das für Journalisten gesperrt sei, erklärte ein Offizier, der seinen Namen nicht nennen wollte. Nach langen Verhandlungen eskortierte die Polizei das Team zurück zu einem Checkpoint und ordnete an, die Reporter sollten nach Bamako zurück reisen.

Anfang der Woche hatten erste Meldungen über die Gefechte an der Grenze zu dem von den Islamisten ausgerufenen Staat Ängste geschürt, dass die Rebellen ihr Einflussgebiet ausweiten könnten und letztlich auf die nächstgrößere Stadt Mopti zumarschieren könnten. Tatsächlich aber dürften die Islamisten nach Einschätzung von Diplomaten in Bamako allein zahlenmäßig kaum in der Lage sein, einen echten Vorstoß zu organisieren. Offenbar aber suchen sie die Konfrontation mit der Armee, um diese zu provozieren und bei den stockenden Verhandlungen im Nachbarland Burkina Faso Druck zu machen.

Dort wurden die Gespräche, die für Donnerstag angesetzt waren, bereits nach den ersten Zusammenstößen am Montag zunächst ausgesetzt und auf einen späteren Termin verschoben.

Die malische Regierung war im März durch einen Militärputsch gestürzt worden. Tuareg-Rebellen brachten daraufhin gemeinsam mit Islamisten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle. Anschließend vertrieben die Islamisten die Tuareg-Rebellen jedoch aus den wichtigsten Städten und erklärten die islamische Scharia zur Rechtsnorm. Ende Dezember billigte der Uno-Sicherheitsrat den Einsatz einer multinationalen Interventionstruppe gegen die Rebellen. Die Europäische Union will den Einsatz mit einer militärischen Ausbildungstruppe unterstützen.

Mit Material von AFP und Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
1. wir
martin-z. 10.01.2013
müssen da so schnell wie möglich mit massiven kampftruppen rein. alles mobilisieren was zur vefügung steht. sonst haben wir bald einen islamistischen terrorstaat von afghanistan bis mauretanien. luftwaffe, panzer, bodentruppen; [...]
müssen da so schnell wie möglich mit massiven kampftruppen rein. alles mobilisieren was zur vefügung steht. sonst haben wir bald einen islamistischen terrorstaat von afghanistan bis mauretanien. luftwaffe, panzer, bodentruppen; alles runterschicken was geht!!! so schnell wie möglich!
2.
Mcglagan 10.01.2013
Ja, sofort..der Islam ist doch bei uns schon angekommen ;-)..noch bleibt er friedlich....aber bald nicht mehr ;-)
Zitat von martin-z.müssen da so schnell wie möglich mit massiven kampftruppen rein. alles mobilisieren was zur vefügung steht. sonst haben wir bald einen islamistischen terrorstaat von afghanistan bis mauretanien. luftwaffe, panzer, bodentruppen; alles runterschicken was geht!!! so schnell wie möglich!
Ja, sofort..der Islam ist doch bei uns schon angekommen ;-)..noch bleibt er friedlich....aber bald nicht mehr ;-)
3. Nur Frankreich wäre hier militärisch kompetent!
Centurio X 10.01.2013
Das 2. Fallschirmjägerregiment der legion etrangere, 10 Kampfhubschrauber und 5 Mirages würden ausreichen, um dem Islamistischen Spuk in Timbuktu und anderswo binnen kurzem ein Ende zu bereiten. Warum zögert Hollande?
Das 2. Fallschirmjägerregiment der legion etrangere, 10 Kampfhubschrauber und 5 Mirages würden ausreichen, um dem Islamistischen Spuk in Timbuktu und anderswo binnen kurzem ein Ende zu bereiten. Warum zögert Hollande?
4. Mit welchen Panzern?
sgvs 10.01.2013
@martin-z Es wäre ideales Panzergelände. Aber wir haben fast alle Leopard II verkauft.
@martin-z Es wäre ideales Panzergelände. Aber wir haben fast alle Leopard II verkauft.
5. Schnorren
Peter-Lublewski 10.01.2013
Gestern war hierorts noch zu lesen, dass die "Staatsführung" Malis in Deutschland Waffen und Ausbilder schnorren will. Jetzt haben die auf einmal doch genügend Gerät, um einen Feldzug zu starten? Was denn jetzt?
Gestern war hierorts noch zu lesen, dass die "Staatsführung" Malis in Deutschland Waffen und Ausbilder schnorren will. Jetzt haben die auf einmal doch genügend Gerät, um einen Feldzug zu starten? Was denn jetzt?

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