Lade Daten...
17.01.2013
Schrift:
-
+

Entführung in Algerien

Cameron sagt EU-Rede wegen Geiseldrama ab

REUTERS

Cameron: "Schlechte Nachrichten" für die Briten

David Cameron hat den Briten "schlechte Nachrichten" aus Algerien angekündigt. Bislang ist bekannt, dass bei dem Geiseldrama mindestens ein Brite getötet wurde. Der Premier verschiebt deshalb sogar seine mit Spannung erwartete EU-Grundsatzrede, die er am Freitag in Amsterdam halten wollte.

London/Algier - Wie viele ausländische Geiseln sind am Donnerstag beim Befreiungsversuch der algerischen Armee an einem BP-Gasfeld im Südosten Algeriens ums Leben gekommen? Die Lage ist unklar, Dutzende der Festgehaltenen und viele Terroristen sind nach Angaben mehrerer Nachrichtenagenturen getötet worden. Nach bisherigen Informationen wurde auch ein Brite getötet, zwei Schotten konnten entkommen.

Gibt es noch weitere britische Opfer? Premier David Cameron kündigte am Donnerstagabend überraschend an, seine für Freitag in Amsterdam geplante Ansprache über das britische Verhältnis zur EU nicht zu halten. Er werde stattdessen in Großbritannien bleiben, um sich um das Geiseldrama zu kümmern. Seine Landsleute müssten sich auf weitere schlechte Nachrichten aus Algerien einstellen, hieß es von der Regierung in London.

SPIEGEL ONLINE
Cameron hatte am Freitagmorgen in Amsterdam über das Verhältnis seines Landes zur EU sprechen wollen. Es wurde erwartet, dass er dabei die Rückholung von Befugnissen von Brüssel nach London fordern würde. Zudem wurde angenommen, dass er für die Zeit nach den Wahlen 2015 ein Referendum zu der Frage ankündigen werde. Cameron steht unter Druck des euroskeptischen Flügels seiner konservativen Partei. Die pro-europäischen Liberaldemokraten, die mit an der Regierung beteiligt sind, lehnen ein Referendum aber entschieden ab. Wann Cameron die Rede nachholt, steht noch nicht fest.

Verärgert über algerisches Vorgehen

Cameron hatte zuvor über seinen Sprecher mitteilen lassen, er wäre gern im Vorfeld über die Militäraktion der Algerier informiert worden. Die algerische Regierung habe London erst informiert, als der Angriff bereits begonnen habe. Die algerische Armee war am Donnerstag mit Luftangriffen und Bodentruppen gegen die islamistischen Geiselnehmer auf dem BP-Gasfeld vorgegangen. Ein Sprecher der Geiselnehmer sagte der mauretanischen Nachrichtenagentur Ani, bei dem Einsatz seien 34 Geiseln und 15 Kidnapper getötet worden, Großbritannien, Frankreich und Norwegen bestätigten den Einsatz. Algerischen Medien zufolge gelang 15 Ausländern und 30 Algeriern die Flucht.

Die Situation auf dem Gasfeld war auch lange nach Beginn des Militäreinsatzes unübersichtlich. Der algerische Kommunikationsminister Mohand Oussaid Belaid sagte am Abend, die Militäroperation halte noch an. Der Angriff sei am Mittag gestartet worden, nachdem sich die Geiselnehmer geweigert hätten, aufzugeben. Dabei seien mehrere Geiseln getötet und verletzt worden. Zahlen nannte der Minister nicht. Zugleich habe das Militär mehrere Menschen aus den Händen der Entführer befreit. Eine "bemerkenswerte Zahl" an Terroristen habe die Armee "neutralisieren" können. Die Geiselnehmer sollen aus verschiedenen Ländern stammen. Algerische Sicherheitskräfte hätten am Abend weiterhin versucht, die restlichen Geiseln zu befreien, sagte Belaid weiter.

Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete die Lage vor Ort am Abend als "dramatisch". Er verfüge aber noch nicht über genug Informationen, um eine Bewertung abzugeben. Japan forderte ein sofortiges Ende der andauernden Militäraktion. Unter den Geiseln befanden sich auch Japaner. Die US-Regierung zeigte sich besorgt und forderte Klarheit über mögliche ausländische Opfer.

als/syd/Reuters/dpa/AFP

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
1. Britain Bashing !
Le petit Suisse 17.01.2013
Jetzt kann die Mehrzahl der Foristen ja GB wieder aus der Schusslinie nehmen. Vielleicht sind jetzt erneut die Schweizer dran oder die Franzosen oder gar die Schwaben wegen ihrer Kehrwoche. Wie gehabt ! Ich staune mit welcher [...]
Jetzt kann die Mehrzahl der Foristen ja GB wieder aus der Schusslinie nehmen. Vielleicht sind jetzt erneut die Schweizer dran oder die Franzosen oder gar die Schwaben wegen ihrer Kehrwoche. Wie gehabt ! Ich staune mit welcher Arroganz hier im Namen der EU auf andere Länder eingedroschen wird. So richtig nach der Methode: Wir bezahlen dies alles ! Daher Schnauze und mir nach Marsch !
2. Das große Britannische Imperium
herr minister 17.01.2013
Nur weil man paranoid ist,bedeutet das nicht, dass keiner hinter Dir her ist, nicht wahr Mr Little Swiss. Und dass Camaron offensichtlich wieder einen scheinheiligen Grund gefunden hat, damit er nicht endlich mal Farbe [...]
Zitat von Le petit SuisseJetzt kann die Mehrzahl der Foristen ja GB wieder aus der Schusslinie nehmen. Vielleicht sind jetzt erneut die Schweizer dran oder die Franzosen oder gar die Schwaben wegen ihrer Kehrwoche. Wie gehabt ! Ich staune mit welcher Arroganz hier im Namen der EU auf andere Länder eingedroschen wird. So richtig nach der Methode: Wir bezahlen dies alles ! Daher Schnauze und mir nach Marsch !
Nur weil man paranoid ist,bedeutet das nicht, dass keiner hinter Dir her ist, nicht wahr Mr Little Swiss. Und dass Camaron offensichtlich wieder einen scheinheiligen Grund gefunden hat, damit er nicht endlich mal Farbe bekennen muss, ist leider genauso klar. Das zu kritisieren sowie die Haltung vieler Briten, die sich noch im alten Empire wähnen hat wenig mit bashing zu tun. Allerdings viel mit dem Umgang mit der Kritik. Das ist die letzte von 10 Regeln der Rethorik. Wenn einem die Argumente ausgehen, wird halt einfach der Kritiker beleidigt.
3. Cameron hat wieder Glück gehabt......
habnichviel 17.01.2013
es wird mit dem Säbel gerasselt und da kann England wieder Luft holen. Mit der EU powert England sich aus. Auf der einen Seite Gnade Gott, wenn England durch Verlassen der EU isoliert wird, auf der anderen Seite ne ewige [...]
es wird mit dem Säbel gerasselt und da kann England wieder Luft holen. Mit der EU powert England sich aus. Auf der einen Seite Gnade Gott, wenn England durch Verlassen der EU isoliert wird, auf der anderen Seite ne ewige Hängepartie durch deren Sonderwünsche. Ich glaube in England müßte mal der Stall ausgemistet werden. Es ist doch bekannt, daß Europa nur mit seiner Hände Arbeit überlebt, selbst wenn es den Anschein eines Gulags hat. Und dann sind da Leute, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Finger krumm gemacht haben, aber dieses Land aus der Union drängen wollen. England wäre in einem Jahr pleite, wenn es die Union verläßt. Dann müßten die Lords ihre Burgen befestigen und auf den Zinnen Pech und Schwefel vorhalten. Vielleicht wollen die das, dann würde nämlich zuerst das ganze Geschwirl England verlassen und man könnte sich wieder auf das wesentliche konzentrieren. Mit Stammbesetzung könnte England allerdings viel länger überleben und in dieser Zeit nach neuen Ufern Ausschau halten.
4. Eine schwierige Situation für Cameron
melony 17.01.2013
Die hat er nein diese Situation hat GB sich zuzuschreiben. Der Verschiebung der Rede ist der beste Beweis, wie es hinter der politischen Bühne im London aussieht. Die gesamte Situation ist festgefahren und Herr Cameron ist mitten [...]
Die hat er nein diese Situation hat GB sich zuzuschreiben. Der Verschiebung der Rede ist der beste Beweis, wie es hinter der politischen Bühne im London aussieht. Die gesamte Situation ist festgefahren und Herr Cameron ist mitten in Sturm. Egal was er gesagt hätte, er hätte bloss das falsche sagen können. Er tut einen richtig leid. Denn Cameron ist der einzige Politiker in GB der sich für einen Mittelweg entschieden hat und das Wohl des Volkes in Kopf hat. Auch wenn es die Foristen nicht glauben wollen. Egal ob Tories, Nigel Farage oder die ganzen anderen Euroskeptiker in GB, sie würden mit ihren EU Austritt GB nur schaden. Denn es wäre der endgültige Absturz eines Landes was einmal mehr als die Hälfte der Welt beherrscht hat. Ich hoffe für Cameron, dass er es dennoch trotz Gegenwind seinen goldenen Mittelweg schafft.
5. nur so, ist nicht wichtig
cfjk 17.01.2013
Sind Schotten schon jetzt keine Briten mehr? Ich dachte, die versuchen das erst noch.
Zitat von sysopREUTERSDavid Cameron hat den Briten "schlechte Nachrichten" aus Algerien angekündigt. Bislang ist bekannt, dass bei dem Geiseldrama mindestens ein Brite getötet wurde. Der Premier verschiebt deshalb sogar seine mit Spannung erwartete EU-Grundsatzrede, die er am Freitag in Amsterdam halten wollte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/entfuehrung-in-algerien-cameron-verschiebt-eu-rede-wegen-geiseldrama-a-878264.html
Sind Schotten schon jetzt keine Briten mehr? Ich dachte, die versuchen das erst noch.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Video

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter RSS
alles zum Thema Algerien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten