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17.01.2013
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Angst vor Abschiebung

Russischer Oppositioneller nimmt sich in Amsterdam das Leben

Er war nach Amsterdam geflohen und sollte nach Moskau zurückgeschafft werden: Ein russischer Oppositioneller hat nach der vorläufigen Ablehnung seines Asylantrags Suizid begangen. Menschenrechtsaktivisten geben Russland und den Niederland die Schuld an seinem Tod.

Amsterdam/Moskau/Hamburg - Der russische Regierungsgegner Alexander Dolmatow fühlte sich in Moskau nicht mehr sicher - und floh in die Niederlande. Doch sein Asylantrag wurde dort abgelehnt: Daraufhin hat sich Dolmatow in der Nacht zu Donnerstag in einem Flüchtlingsheim in Amsterdam selbst getötet, teilte die Vereinigung russischer Menschenrechtsanwälte mit. Demnach sollte "in wenigen Tagen" über einen Einspruch gegen die Ablehnung entschieden werden. In einer Nachricht habe er persönliche Gründe für seinen Selbstmord genannt, sagte die Sprecherin des holländischen Justizministeriums, Charlotte Menten. Russlands Botschaft in den Niederlanden bestätigte laut der Agentur Interfax den Tod des Raketeningenieurs, ohne Details zu nennen.

Die Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa von der Moskauer Helsinki-Gruppe sprach von einer Tragödie. "Ich weiß nicht, warum die Niederlande abgelehnt haben", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax die russische Aktivistin. "Haben sie nicht verstanden, dass ihm in Russland eine lange Freiheitsstrafe drohte?" Sie sagte, dass der junge Mann wegen seiner Teilnahme an Oppositionsprotesten am 6. Mai 2012 verfolgt worden sei. Auch die Wohnung Dolmatows sei durchsucht worden.

Dolmatow war bei der Protestaktion gegen die Amtseinführung von Präsident Wladimir Putin im Mai vergangenen Jahres vorübergehend in Russland festgenommen worden. Zahlreiche Gegner von Kremlchef Putin sitzen nach den gewaltsamen Mai-Protesten in russischer Untersuchungshaft. Einer der Demonstranten wurde mittlerweile zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen 18 weitere Oppositionelle soll im kommenden März beginnen. Dolmatow gehörte der Bewegung "Anderes Russland" an, einer nicht registrierten Partei des Schriftstellers Eduard Limonow.

Limonow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Gruppe versuche die Umstände von Dolmatows Tod zu klären. Er sprach von einer "traurigen und heiklen Angelegenheit". Der prominente Oppositionspolitiker gab Russland und den Niederlanden die Schuld am Tod Dolmatows. Aktivisten kündigten Proteste vor der niederländischen Botschaft in Moskau an, wie die Internetseite "kasparov.ru" berichtete.

bos/otr/dpa/dapd/AFP

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