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18.01.2013
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Iran

Menschenrechtsanwältin erhält Hafturlaub

Die bekannte iranische Anwältin Nasrin Sotudeh sitzt seit zweieinhalb Jahren in Haft. Nun darf sie das Gefängnis für drei Tage verlassen - offenbar aus gesundheitlichen Gründen. Die Sacharow-Preisträgerin hat mehrere Hungerstreiks hinter sich.

Teheran - Die inhaftierte iranische Menschenrechtsaktivisten und Anwältin Nasrin Sotudeh hat einen dreitätigen Hafturlaub bekommen. Das meldeten Oppositionskreise am Freitag auf ihren Webseiten. Die Sacharow-Preisträgerin wurde am Donnerstagabend für drei Tage aus dem Ewin-Gefängnis in Teheran entlassen, nachdem sie eine Kaution in Höhe von umgerechnet 187.000 Euro hinterlegt hatte.

Der Grund für den Hafturlaub wurde in den Berichten nicht erwähnt, aber es wird vermutet, dass ihr Gesundheitszustand ausschlaggebend für die vorübergehende Entlassung gewesen ist. Aus Protest gegen ihre Verurteilung und Repressalien gegen sie und ihre Familie war Sotudeh in ihrer fast zweieinhalbjährigen Haftzeit mehrmals in den Hungerstreik getreten.

Die 47-jährige Sotudeh wurde im September 2010 festgenommen und wegen angeblicher Propaganda gegen das Establishment zu elf Jahren Haft und 20 Jahren Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt. Sie hatte sich vor allem für die Rechte der Frauen und gegen die Todesstrafe eingesetzt.

Die Anwältin vertrat minderjährige Straftäter in Todeszellen und Oppositionelle, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 festgenommen wurden. Nach den Massendemonstrationen wurden zahlreiche Journalisten, Menschenrechtsvertreter, Anwälte und politische Gegner der Regierung zu Haftstrafen verurteilt. Gegen Hunderte Demonstranten verhängten Gerichte lange Gefängnisstrafen. Einige wurden auch zum Tode verurteilt.

Im Oktober 2012 erhielt die Mutter zweier Kinder zusammen mit dem iranischen Filmemacher Jafar Panahi den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments, den aber weder sie noch Panahi wegen ihrer Inhaftierungen persönlich entgegennehmen konnten.

ler/dpa/AFP

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insgesamt 1 Beitrag
1. hoffentlich ändert sich bald was
grass 18.01.2013
Die Geistlichen müssen, dass Zepter abgeben. Die Zeit ist angekommen, selbst Konservative, wie Ahmedinejad sägen am Stuhl des Klerus. Hoffentlich schafft es Ahmedinejad die Geistlichen zu überlisten, denn nur ein Konservativer [...]
Die Geistlichen müssen, dass Zepter abgeben. Die Zeit ist angekommen, selbst Konservative, wie Ahmedinejad sägen am Stuhl des Klerus. Hoffentlich schafft es Ahmedinejad die Geistlichen zu überlisten, denn nur ein Konservativer kann das ohne als Agent des Westens abgestempelt werden zu können.

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