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19.01.2013
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Geiseldrama in Algerien

Armee stürmt Gasfeld - alle Terroristen tot

Die algerische Armee hat die BP-Gasanlage in Algerien gestürmt: Alle elf Terroristen sind tot. Die verbliebenen sieben Geiseln waren offenbar zuvor von den Islamisten hingerichtet worden.

Algier - Die Geiselnahme auf dem algerischen Gasfeld Ain Amenas hat ein blutiges Ende gefunden. Die Zeitung "El Watan" aus Algier sowie mehrere Nachrichtenagenturen berichten, dass die Armee die Anlage gestürmt habe. Dort haben die Truppen die sieben verbliebenen Geiseln tot aufgefunden. Offenbar seien die Ausländer zuvor von den Geiselnehmern hingerichtet worden.

Bei dem Einsatz sollen die Soldaten alle elf verbliebenen Terroristen getötet haben. Laut "El Watan" sollen die Entführer am Samstagmorgen begonnen haben, ihre Geiseln hinzurichten. Daraufhin habe sich die Armee zum Sturm auf die Anlage entschlossen. Für die sieben Ausländer - drei Belgier, zwei US-Amerikaner, ein Brite und ein Japaner - sei jedoch jede Hilfe zu spät gekommen.

Das Gelände der Förderanlage sei von den Geiselnehmern vermint worden, teilte das algerische Öl- und Gasunternehmen Sonatrach mit. Soldaten seien dabei, die Sprengsätze zu entschärfen.

Spezialeinheiten hatten ersten Angaben zufolge am Samstagmorgen den Auftrag erhalten, das seit Tagen andauernde Geiseldrama an einer Gasförderanlage im Süden des Landes zu beenden. "Elf Terroristen sind getötet worden, und die ausländischen Geiseln sind umgekommen", sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte. "Wir glauben, dass sie aus Rache umgebracht worden sind." Insgesamt seien bei der Geiselnahme 25 bis 27 Geiseln gestorben. Mehrere ausländische Regierungen hatten in den vergangenen Tagen an die Regierung in Algier appelliert, dem Schutz der Geiseln höchste Priorität einzuräumen.

Die Islamisten hatten unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen islamistische Milizen im Norden Malis gefordert. Die beiden US-Geiseln hatten sie gegen in den USA inhaftierte Terroristen austauschen wollen.

Die Milizen hatten am Mittwoch zunächst einen Bus mit Mitarbeitern der vom Energiekonzern BP, der norwegischen Statoil und einem algerischen Staatsbetrieb betriebenen Gasförderanlage angegriffen, wurden jedoch vom bewaffneten Sicherheitsdienst in einem Gefecht zurückgeschlagen. Daraufhin kaperten die Islamisten das Raffineriegelände sowie die Unterkünfte der Arbeiter und nahmen zahllose Gefangene, wobei Hunderte algerische Arbeiter rasch wieder freigelassen wurden.

Am Donnerstag eröffneten dann Hubschrauber das Feuer auf einen Konvoi der Islamisten, wobei Geiseln und Geiselnehmer getötet wurden. Der Einsatz hatte international massive Kritik hervorgerufen, da den algerischen Behörden mangelnde Rücksicht auf das Schicksal der Gefangenen vorgeworfen wurde, indem sie Verhandlungen mit den Extremisten kategorisch ablehnten.

Die algerische Armee verteidigte ihren umstrittenen Militäreinsatz. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "El-Khabar" einen namentlich nicht genannten Armeesprecher. Zuvor hatte die algerische Führung versichert, sie werde nicht mit den Militanten verhandeln.

syd/cis/Reuters/AP/AFP/dpa

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insgesamt 189 Beiträge
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furyg 19.01.2013
Sky News berichtet neben den 7 Toten Geiseln auch von 16 befreiten Geiseln, darunter 2 deutsche!
Sky News berichtet neben den 7 Toten Geiseln auch von 16 befreiten Geiseln, darunter 2 deutsche!
2. optional
furyg 19.01.2013
Hier die Meldung zu den u.a. deutschen Geiseln: http://news.sky.com/story/1040172/algeria-crisis-sixteen-hostages-freed
Hier die Meldung zu den u.a. deutschen Geiseln: http://news.sky.com/story/1040172/algeria-crisis-sixteen-hostages-freed
3.
zakalwe. 19.01.2013
So muß man es machen. Das nächste mal werden sie es sich überlegen, ob sie in Algerien Geiseln nehmen, um Geld u.a. zu erpressen. Die lassen sich nicht so veralbern wie die Welt in Somalia, die eine Seefahrer-Geisel nach [...]
Zitat von sysopAFPDie algerische Armee hat die BP-Gasanlage in Algerien gestürmt: Alle elf Terroristen sind tot. Die verbliebenen sieben Geiseln wurden offenbar von den Islamisten hingerichtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gasfeld-geiselnahme-15-verbrannte-leichen-entdeckt-a-878510.html
So muß man es machen. Das nächste mal werden sie es sich überlegen, ob sie in Algerien Geiseln nehmen, um Geld u.a. zu erpressen. Die lassen sich nicht so veralbern wie die Welt in Somalia, die eine Seefahrer-Geisel nach der anderen freikauft und so eine ganze Entführungsbranche ermöglicht. Die eben davon lebt Lösegelder zu erpressen, um dann mit noch besseren Waffen/Booten und mehr Männern, noch mehr Entführungen begehen. Helmuth Schmidt hat bei der RAF auch nicht verhandelt, sondern stürmen lassen. Leider gibt es im Westen solche Politiker nicht mehr. Lieber zahlt und verhandelt man.
4. Mit Terroristen verhandelt man nicht
kneumi 19.01.2013
Jetzt kann ich besser verstehen, warum hier in Deutschland zu RAF-Zeiten das gesellschaftliche Klima hart und kompromisslos war. Wenn ich die Artikel über die Terroristen in Algerien und sonstwo lese ist auch mein erster [...]
Jetzt kann ich besser verstehen, warum hier in Deutschland zu RAF-Zeiten das gesellschaftliche Klima hart und kompromisslos war. Wenn ich die Artikel über die Terroristen in Algerien und sonstwo lese ist auch mein erster Gedanke: Keine Kompromisse mit Terroristen machen, sondern alle erschießen. Es tut mir sehr leid für die Opfer, aber ich denke, dass es richtig war, sich mit den Terroristen auf keine Verhandlungen einzulassen. Das motiviert nur zu Nachfolgetaten. Beim nächsten Mal sollte die algerische Armee aber nicht so stümperhaft stürmen, sondern das gesamte Gelände in einem Rutsch erobern. (bzw. fürs nächste Mal eine Art GSG9 ausbilden, die sowas kann).
5. Überschrift
batmanmk 19.01.2013
So tragisch wie die Meldung auch ist, aber mich interessiert es als Leser nunmal zuallerst wie es den Geiseln geht. Dass man alle Terroristen eliminiert hat, davon gehe ich in der Regel aus. Die richtige Überschrift lautet [...]
Zitat von sysopAFPDie algerische Armee hat die BP-Gasanlage in Algerien gestürmt: Alle elf Terroristen sind tot. Die verbliebenen sieben Geiseln wurden offenbar von den Islamisten hingerichtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gasfeld-geiselnahme-15-verbrannte-leichen-entdeckt-a-878510.html
So tragisch wie die Meldung auch ist, aber mich interessiert es als Leser nunmal zuallerst wie es den Geiseln geht. Dass man alle Terroristen eliminiert hat, davon gehe ich in der Regel aus. Die richtige Überschrift lautet daher: Armee stürmt Gasfeld - alle Geiseln tot , denn ich gehe nicht davon aus, dass die Geiselnahmer ihre Schutzschilde rein freiwillig aufgegeben haben

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