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25.01.2013
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Weißes Haus

Obama macht Vertrauten zum Stabschef

Von , Washington
REUTERS

Neuer Stabschef McDonough: "Einer der engsten Berater und Freunde"

Und schon wieder ein Neuer: Denis McDonough ist bereits der fünfte Stabschef des US-Präsidenten. Obama macht einen alten Bekannten zu einem der mächtigsten Männer des Landes. Als Vize-Sicherheitsberater stand McDonough ihm schon während der Jagd auf Osama bin Laden zur Seite.

Stets beschwört Barack Obama den Wandel. Man solle bitteschön kein zu gemütliches Leben führen, hat er mal gesagt, kein Leben in Furcht vor dem, "was hinter der nächsten Ecke kommen könnte". Und natürlich: "Change" - mit diesem Versprechen hat er zwei Wahlsiege geholt. Unklar, wie sehr der Mann am Ende das Land wird verändern können, doch schon jetzt steht fest: Im Weißen Haus zumindest ist Dauerwandel angesagt.

So präsentiert Obama an diesem Freitag mit Denis McDonough wieder mal einen neuen Stabschef. Der sei, so der Präsident, "einer meiner engsten Freunde, ein unglaubliches Talent und harter Arbeiter".

Der schlaksige 43-Jährige ist schon die Nummer fünf auf diesem Posten - in erst vier Regierungsjahren. Einer Bestätigung durch den Senat - wie etwa bei Ministerposten - bedarf es nicht. Aufgabenbereich und Arbeitspensum sind groß, der Chief of Staff gilt als der zweitmächtigste Mann in Washington - nach dem Präsidenten. Im US-System, das keinen fürs operative Tagesgeschäft zuständigen Ministerpräsidenten kennt, ist er der Schattenpremier. Zwar hielten die Stabschefs der vergangenen drei Jahrzehnte nur noch selten volle vier oder gar acht Regierungsjahre durch, doch wechselte keiner so häufig wie Obama. Bill Clinton und Ronald Reagan brachten es beide in acht Jahren auf jeweils vier Statthalter im Weißen Haus.

Obamas Chaostruppe im Weißen Haus

McDonough ist ein Mann aus dem inneren Zirkel des Präsidenten. Er beriet den jungen US-Senator Obama in außenpolitischen Fragen, zeigte sich im Wahlkampf 2008 als äußerst loyaler Mitstreiter und arbeitete dann im Weißen Haus als stellvertretender Sicherheitsberater. McDonough ist jünger als seine vier Vorgänger und unerfahrener. Er ist nicht gefürchtet wie Rahm Emanuel ("Rahmbo"), nicht routiniert wie der alte Obama-Ratgeber Pete Rouse, kein Mann der Wirtschaft wie Ex-Banker Bill Daley und auch kein Haushaltsexperte wie zuletzt Jack Lew, der jetzt Finanzminister werden soll.

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Aber das macht nichts. Denn während Emanuel und Co. entweder die Beziehungen zum Parlament oder die zur Wirtschaft pflegen sollten, werde von McDonough erwartet, "dass er sich aufs Weiße Haus konzentriert, dass er sicherstellt, dass der Laden funktioniert und mit einer Stimme spricht", bemerkt die "Washington Post".

Denn genau daran haperte es in den vergangenen Jahren immer wieder; Obamas Machtzentrale wirkte alles andere als wohlorganisiert, es fehlte das strategische Zentrum. Die Folge waren heftige Auseinandersetzungen zwischen Obamas Beratern und Ministern - beim Streit um die richtige Strategie für den Afghanistan-Krieg, für die Finanzkrise oder die Durchsetzung der Gesundheitsreform. Der Journalist Bob Woodward hat beschrieben, wie Vize-Präsident Joe Biden den damaligen Afghanistan-Sonderbeauftragten als den "egozentrischsten Bastard", den er kenne, bezeichnete; der seinerzeitige Sicherheitsberater wiederum beschimpfte Obamas Berater schlicht als "Mafia".

Die Streitereien seien so scharf gewesen, dass Obama selbst habe eingreifen und vermitteln müssen, schreibt Ron Suskind in seinem Buch "Confidence Men" über die Chaostruppe im Weißen Haus während der ersten Amtsjahre. Die Berater ihres Mannes seien "engstirnig, kurzsichtig, schlecht organisiert", soll Michelle Obama laut Biografin Jodie Kantor damals festgestellt haben. Unter Jack Lew schienen die Abläufe am Ende besser zu funktionieren.

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Gerade weil Obama mit einem eher kollegialen, auf Konsens orientierten Stil regiert, ist er auf entsprechende Fähigkeiten seines engeren Umfelds angewiesen. "Der Präsident will ein ziemlich eng miteinander verbundenes Team, dem er vertrauen kann, statt neue Leute hineinzubringen, die seinen Stil erst kennenlernen müssen", stellte der frühere demokratische Senatsfraktionschef und Obama-Förderer Tom Daschle in der "New York Times" fest. Bisher passten alle Stabschefs Obamas in dieses Raster, mit Ausnahme Daleys.

McDonough kennt den Stil des Präsidenten aus dem Effeff. "Ich verlasse mich seit fast zehn Jahren auf Denis", sagt Obama. Als er mit seiner Senatorenarbeit in Washington begann, habe ihm McDonough gezeigt, "wo die Toiletten sind und wie man ein Gesetz durchbringt". In allen wesentlichen außen- und sicherheitspolitischen Fragen, so der Präsident weiter, habe er sich stets mit seinem Freund beraten: "Er ist einer meiner engsten und vertrauensvollsten Berater."

So war McDonough von Beginn an involviert in die Jagd auf Osama bin Laden. Als Obama im Wahlkampf 2008 vor dem Woodrow Wilson Center in Washington erklärte, er würde Top-Terroristen auch dann aus Pakistan herausholen lassen, sollten die dortigen Machthaber nicht kooperieren, gehörte McDonough zu jenem Team, das diese Rede vorbereitete.

Sie löste erst viel Wirbel aus. Und dann, drei Jahre später, wurde die darin enthaltene Ankündigung Realität. Das berühmte Foto aus dem Situation Room des Weißen Hauses aus jener Nacht im Mai 2011, in der US-Elitesoldaten Bin Laden töteten, zeigt McDonough links neben Außenministerin Hillary Clinton. "Denis ist einer der engsten Berater und Freunde des Präsidenten", sagt die frühere Verteidigungsstaatssekretärin Michèle Flournoy: "Es gibt nur wenige Leute, die die Gedanken des Präsidenten so gut kennen wie Denis."

Hinzu kommt: Gleich drei der wenigen, die es sonst noch gibt, werden Obama künftig nicht mehr direkt zuarbeiten. David Axelrod, David Plouffe und Robert Gibbs - die Architekten zweier Wahlsiege - gehen nun eigene Wege. Für den Präsidenten wird der loyale Denis McDonough umso wichtiger.

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