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28.01.2013
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Erstes gemeinsames TV-Interview

Obama bringt Clinton als Nachfolgerin in Stellung

Von , New York
AP/ CBS

Barack Obama, Hillary Clinton: "Gibt es hier nichts aus dem Kaffesatz zu lesen?"

Rivalen? War da was? In ihrem ersten gemeinsamen Fernsehinterview rühmen sich US-Präsident Barack Obama und seine frühere Außenministerin Hillary Clinton gegenseitig. "Ich werde sie vermissen", schmeichelt Obama. Der Auftritt ist ein Werbespot für Clintons Präsidentschaftskandidatur 2016.

Der Beginn ihrer Aussöhnung damals war noch plump, platt und peinlich. Auf einer Sommerwiese, mitten in Neuengland, nach der bitterbösen Vorwahl-Schlammschlacht von 2008: Da stiegen Barack Obama und Hillary Clinton erstmals gemeinsam auf eine Bühne, um Eintracht zu demonstrieren und Wähler zu ködern.

Schauplatz war ausgerechnet das Dorf mit dem Namen Unity (Einheit) in New Hampshire, in dem beide je 107 Stimmen bekommen hatten. Inszenierte Symbolik, bis hin zur koordinierten Garderobe: Clinton trug einen hellblauen Hosenanzug, Obama trug eine passend hellblaue Krawatte. Sie umarmten sich gequält, lachten verkrampft. Aus den Boxen dröhnte: "Your Love Keeps Lifting Me Higher."

Es war die Zwangstrauung eines ungleichen Traumpaars. Wie schnell die Zeit vergeht.

Viereinhalb Jahre später sitzen sie also wieder beisammen, gleichermaßen ergraut, zu ihrem ersten - und wohl letzten - gemeinsamen TV-Interview. Diesmal lehnen sie sich zueinander, natürlich, ungezwungen. Ihre Verbundenheit müssen sie kaum mehr mit abgestimmten Outfits beweisen. Clinton, die scheidende Außenministerin, trägt Hot Pink. Obama, der erneut vereidigte Präsident, trägt Kühlblau.

Zweifellos: Die arrangierte Ehe ist längst zur Freundschaft mutiert. "Ich wollte einfach nur die Gelegenheit haben, mich öffentlich zu bedanken", sagt Obama, als gehe es hier um sonst nichts. "Ich werde sie vermissen."

"Vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen", sagt Clinton. Sie grinst, denn jeder weiß ja, dass es hier nicht nur darum geht: Schon jetzt wird sie als heißeste Präsidentschaftskandidatin für 2016 gehandelt.

Von Erzfeinden zu Partnern

Zeit heilt angeblich Wunden, auch politische. Das sollte dieses seltene TV-Doppelpack illustrieren, am Sonntagabend im US-Sender CBS. Aber selbst wenn die Zuneigung der Ex-Erzfeinde nun tatsächlich authentisch scheint, steckte auch diesmal Wahlstrategie dahinter. Obama - der hier erstmals in einem Interview eine andere Person an seine Seite ließ als First Lady Michelle - bringt die "Bürogattin" Clinton als Nachfolgerin in Stellung. Ein alter Kreis schließt sich. Ein neuer Kreis beginnt.

"Was ist das Verfallsdatum dieser Wahlkampfhilfe?" Steve Kroft, der das Interview führt, fragt ganz frech, im Namen ganz Washingtons. Da gackert Clinton: "Oh Steve…!" Obama gibt den Düpierten: "Ihr Typen in der Presse seid unverbesserlich. Ich bin buchstäblich vor vier Tagen vereidigt worden. Und Sie reden über Wahlen in vier Jahren."

Doch über diese Wahlen redet ja jetzt schon jeder. Nicht erst, seit Clinton ihren Abgang als Ministerin angekündigt hat. Und nicht erst seit ihrem fulminanten Auftritt vor dem Senat vorige Woche, wo sie die Tea-Party-Ideologen mit eiskaltem Lächeln zur Schnecke machte.

Kein Wunder, dass dieses am Freitag im Blue Room des Weißen Hauses aufgezeichnete "Love-In" ("Guardian") natürlich mehr ist als eine Abschiedsgeste. "Gibt es hier nichts aus dem Kaffeesatz zu lesen?", beharrt Kroft. Man habe leider keinen Kaffee, ulkt Clinton. Aber: "Wir können Ihnen etwas Wasser anbieten."

Erinnerungen an einen bitteren Wahlkampf

Na gut, Spekulationen beiseite. Stattdessen: Reminiszenzen an die Blutfehde. Beide finden das, was sie "im Wahlkampf übereinander gesagt haben" (Kroft), heute recht amüsant. Doch sie hallen nach - Worte wie "Schäm dich, Barack Obama." Oder das herablassende "Du bist schon nett, Hillary."

Erstmals reden sie jetzt darüber. Behaupten, sie hätten das nicht persönlich genommen. "Wir hatten beide eine ziemlich dicke Haut gekriegt", sagt Obama. "Ich glaube, für die Mitarbeiter war es schwerer." Und für die Ehegatten, fügt Clinton schmunzelnd hinzu. Doch das sei sowieso "heute Schnee von gestern", versichert sie und nennt Obama jetzt "einen Partner und Freund". Und: "Mein Präsident." Der revanchiert sich: "Hillary ist eine starke Freundin." Beide tragen stark auf, wieder und wieder, ohne Schamröte.

Trotzdem will Clinton überrascht gewesen sein, als Obama ihr das State Department anbot. Sie habe den Job auch gar nicht gewollt. "Aber er ist ziemlich überzeugend, das sage ich Ihnen." An seiner Stelle hätte sie sich sicher genauso verhalten. Will heißen: "Hätte ich gewonnen."

Sticheln, schmeicheln, schmunzeln

Da schleichen sie sich doch immer wieder ein, die letzten, schwachen Echos der Bitterkeit von 2008. Man spürt es an Clintons übertriebenem Lachen, an ihrer Selbstironie: "Wir beide gieren ja nach Bestrafung." Und daran, dass Obamas Lob für Clinton seltsam umständlich ausfällt.

"Hillary war eine der wichtigsten Beraterinnen, die ich in einer ganzen Reihe von Fragen hatte", sagt er. Oder: "Ich glaube, dass Hillary in die Geschichte eingehen wird als eine der besten Außenministerinnen, die wir je hatten." Oder: "Ich war vor unserer Vorwahlschlacht ein großer Bewunderer Hillarys." Auf die Frage nach ihren außenpolitischen Verdiensten aber fällt ihm nur das Ende des Irak-Kriegs ein - eine Entscheidung, die anderswo gefällt wurde.

Sie stichelt ebenso charmant zurück. "Ich bin älter als der Präsident", gurrt sie, als wolle sie sagen: Ich bin weiser. "Aber nicht viel", unterbricht der. Clinton redet unbekümmert weiter: "Ich erinnere mich als junges Mädchen an einige der Reden Eisenhowers, wissen Sie?"

So oder so: Das Rennen ist eröffnet. Selbst Clintons Sturz vor wenigen Wochen und ihre Blutgerinnsel konnten daran nichts ändern, im Gegenteil. "Ich leide immer noch an ein paar Folgen", erklärt sie ihre neue, markante Brille. "Die Ärzte haben mir gesagt, dass die abklingen." Und die Brille, die ist ihr neues Markenzeichen.

Vizepräsident Biden wird ignoriert

Über einen Mann fällt in dem Interview kein einziges Wort: Vizepräsident Joe Biden. Obwohl der in letzter Zeit jede Chance ergreift, um klarzumachen, dass auch er in 2016 noch nicht zu alt wäre für eine Kandidatur.

Biden ist enorm populär. Doch er hätte keine Chance gegen Clinton, die dieser Tage von allen mit Lob überschüttet wird, selbst von Republikanern. "Wenn Hillary Clinton die nächste Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei sein will", schreibt David Rothkopf, der Herausgeber des Magazins "Foreign Policy", "dann hat sie den Job sicher."

Am Sonntagmittag, bevor das Interview ausgestrahlt wird, besuchte Obama ein Basketballspiel seiner Tochter Sasha. Auf dem Rückweg zum Weißen Haus kam er, wie Reporterin Colleen McCain Nelson vom "Wall Street Journal" berichtet, zufällig an den Clintons vorbei, "die an der Massachusetts Avenue ihren Hund Gassi führten".

Obamas Autokolonne sei weitergefahren, ohne auch nur das Tempo zu verlangsamen.

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insgesamt 65 Beiträge
1. koennen wir ohne
ofelas 28.01.2013
" Ich kamm, ich sah, er starb"....Danke, Nein!
Zitat von sysopAFPRivalen? War da was? In ihrem ersten gemeinsamen Fernsehinterview rühmen sich US-Präsident Barack Obama und seine frühere Außenministerin Hillary Clinton gegenseitig. "Ich werde sie vermissen", schmeichelt Obama. Der Auftritt ist ein Werbespot für Clintons Präsidentschaftskandidatur 2016. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gemeinsames-tv-interview-barack-obama-und-hillary-clinton-a-879976.html
" Ich kamm, ich sah, er starb"....Danke, Nein!
2. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 28.01.2013
Orly? Die Frau wäre dann fast 70.
Zitat von sysopAFPRivalen? War da was? In ihrem ersten gemeinsamen Fernsehinterview rühmen sich US-Präsident Barack Obama und seine frühere Außenministerin Hillary Clinton gegenseitig. "Ich werde sie vermissen", schmeichelt Obama. Der Auftritt ist ein Werbespot für Clintons Präsidentschaftskandidatur 2016. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gemeinsames-tv-interview-barack-obama-und-hillary-clinton-a-879976.html
Orly? Die Frau wäre dann fast 70.
3.
krasmatthias 28.01.2013
Ist es denn möglich! Wir bekommen unsere erste Präsidentin! Was macht dann Frau Merkel? Statist? Und wer ist Herr Gauck dann?
Zitat von sysopAFPRivalen? War da was? In ihrem ersten gemeinsamen Fernsehinterview rühmen sich US-Präsident Barack Obama und seine frühere Außenministerin Hillary Clinton gegenseitig. "Ich werde sie vermissen", schmeichelt Obama. Der Auftritt ist ein Werbespot für Clintons Präsidentschaftskandidatur 2016. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gemeinsames-tv-interview-barack-obama-und-hillary-clinton-a-879976.html
Ist es denn möglich! Wir bekommen unsere erste Präsidentin! Was macht dann Frau Merkel? Statist? Und wer ist Herr Gauck dann?
4. Wie jetzt...
fatherted98 28.01.2013
....ich denke sie hat keine Kraft mehr für das Amt des Aussenministers...und dann will sie Präsidentin werden?
....ich denke sie hat keine Kraft mehr für das Amt des Aussenministers...und dann will sie Präsidentin werden?
5. Gesundheitszustand von Frau Clinton
pförtner 28.01.2013
Muss man als zukünftige Präsidentin der USA nicht über eine ausgezeichnete Gesundheit verfügen ?
Muss man als zukünftige Präsidentin der USA nicht über eine ausgezeichnete Gesundheit verfügen ?

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