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28.01.2013
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Krise in Mali

US-Militär plant Drohnenbasis in Nordwestafrika

REUTERS

"Predator"-Drohne: Bald auch Einsatz in Westafrika?

Frankreichs Präsident Hollande gibt sich im Mali-Konflikt siegessicher, doch bei den Verbündeten herrscht trotz der Erfolge Skepsis. Die Vereinigten Staaten warnen vor einem jahrelangen Konflikt. Laut "New York Times" bereitet das US-Militär bereits den Aufbau einer Drohnenbasis in der Region vor.

Paris/Washington - Französische und malische Soldaten gehen erfolgreich gegen die Islamisten in Mali vor, aus den Hochburgen im Norden des Landes wie Timbuktu und Gao wurden die Extremisten vertrieben. Frankreichs Staatschef François Hollande lobte die Effektivität seiner Armee. Der Truppe sei es gelungen, die Rebellen innerhalb weniger Tage zu stoppen. "Wir sind dabei, die Schlacht zu gewinnen", gab Hollande sich am Montag in Paris siegessicher.

In den USA ist die Stimmung längst nicht so euphorisch. Die von den Franzosen angeführte Mission in dem Gebiet könne Jahre dauern, warnt Don Yamamoto, ein hoher Beamter, der im US-Außenministerium für Afrika zuständig ist. "Dies ist nur die erste Phase. Es wird Zeit in Anspruch nehmen", sagte Yamamoto. An die Franzosen gewandt sagte er: "Ich glaube, die Leute sollten nicht der Illusion verfallen, dass es schnell geht." Im Gegenteil: "Es wird eine lange Zeit dauern, und das bedeutet, dass mehrere Jahre notwendig sind", sagte Yamamoto der Nachrichtenagentur AP während eines Treffens der Afrikanischen Union in Äthiopien.

Angesichts der unsicheren Lage arbeitet das US-Militärkommando in Afrika nach einem Bericht der "New York Times" (NYT) an Plänen, im Nordwesten des Kontinents eine eigene Drohnenbasis einzurichten. Der wahrscheinlichste Ort für die Stationierung der Überwachungsflugzeuge ist demnach der Wüstenstaat Niger, östlich von Mali. Als weitere Standorte würden auch andere Staaten der Region wie zum Beispiel Burkina Faso gehandelt. Die Planspiele seien eine Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch al-Qaida und andere islamistische Extremistengruppen in der Sahara-Region.

Eine Handvoll "Predator"-Drohnen

Bislang ist nur an unbewaffnete Drohnen gedacht, die von der Basis aus starten sollen, um das Gebiet zu überwachen. Ob es bei einer Verschlechterung der Lage auch zu Einsätzen von mit Raketen bestückten Fluggeräten kommt, sei noch nicht erörtert worden, heißt es.

Den Plänen des Militärkommandos müssten laut "NYT" noch das Pentagon und das Weiße Haus zustimmen. Auch die Regierung Nigers muss die Pläne für eine amerikanische Drohnenbasis abnicken. Bislang ist das US-Militär nur begrenzt in Afrika vertreten - mit einer permanenten Basis in Dschibuti im Osten des Kontinents. Schon eine Handvoll von "Predator"-Drohnen würde demnach zur Überwachung der Krisenregion ausreichen, um dringend benötigte Informationen über Aktivitäten islamistischer Rebellen in Mali, aber auch über Waffenlieferungen an die extremistischen Kämpfer etwa aus Libyen zu bekommen.

Doch die geplante Drohnenbasis könnte in der Region für Unruhe sorgen, heißt es in dem Bericht weiter. Bei den Einsätzen von bewaffneten Überwachungsflugzeugen in Afghanistan und Pakistan werden immer wieder Zivilisten getötet. Experten befürchten demnach, dass den Bewohnern der Unterschied zu den unbewaffneten Drohnen möglicherweise nicht vermittelt werden könne.

Dass die USA nicht an eine schnelle Beruhigung der Lage glauben, begründet Yamamoto: Ein großer Teil der islamistischen Rebellen, die in Mali kämpften, sei noch von den Soldaten des früheren libyschen Despoten Muammar al-Gaddafi ausgebildet worden. "Sie wurden über zehn Jahre trainiert, sind gut ausgerüstet und sehr aggressiv." Eine militärische Offensive alleine werde nicht zur Stabilisierung der Krisenregion führen, so Yamamoto. Wichtig sei ein Dialog zwischen der malischen Regierung in Bamako und den Stämmen im Norden des Landes. Es sollten außerdem so schnell wie möglich Wahlen abgehalten werden, forderte der hohe Beamte aus dem State Department.

Hollande nimmt afrikanische Verbündete in die Pflicht

Hollande wird die Skepsis der USA nicht gerne hören. Der französische Staatschef bekräftigte am Montag das Vorhaben, seine Truppen so schnell wie möglich wieder abzuziehen. "Frankreich wurde nicht gerufen, um in Mali zu bleiben", sagte der Präsident - und nahm die afrikanischen Verbündeten in die Pflicht: Es sei jetzt deren Aufgabe, dass Mali seine territoriale Integrität wiedergewinne, vor allem auch im von den Islamisten kontrollierten Norden.

Hollande bestätigte die "Wiedereroberung der wichtigsten Städte" im Norden Malis und nannte dabei namentlich Gao und Timbuktu. Gao wird nach Angaben des französischen Außenministeriums von Einheiten der malischen Armee sowie von Truppen aus Tschad und dem Niger kontrolliert. Ein Oberst der malischen Armee und der Bürgermeister von Timbuktu erklärten außerdem, malische und französische Truppen hätten die historische Stadt vollständig eingenommen. Vor ihrer Flucht zündeten die Islamisten jedoch in Timbuktu eine Bibliothek mit jahrhundertealten Schriften an.

Deutschland will die logistische Hilfe für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen in Mali unterdessen ausweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte am Montagabend einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung", wonach die Entsendung eines dritten Transall-Transportflugzeugs nach Mali geplant ist. Dabei soll es sich um eine Reservemaschine handeln. Nach Angaben aus Regierungskreisen soll zudem im Senegal, einem Nachbarland Malis, technisches Personal für Wartung und Reparatur stationiert werden.

Die Lage im Norden Malis bleibt offenbar unübersichtlich: Tuareg-Rebellen und abtrünnige Islamisten-Kämpfer meldeten am Montagabend die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kidal im Nordosten. "Wir gewährleisten zusammen die Sicherheit der Bewohner", sagte am Montag ein Vertreter der Islamischen Bewegung für Azawad (MIA), die sich von der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine abgespalten hat. Kidal galt bisher als eine Hochburg von Ansar Dine. Die extrem brutale Gruppierung gilt als Verbündete des Terrornetzwerkes al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Frankreich fürchtet angesichts des Einsatzes um das Leben von Franzosen in Afrika. Wegen Anschlagsdrohungen von "nigerianischen Terrorgruppen" warnt Paris seine Staatsbürger ausdrücklich vor Aufenthalten im gesamten Norden des afrikanischen Landes. "Aus der Intervention in Mali ist eine Situation erhöhter Unsicherheit entstanden", erklärte am Montag das französische Generalkonsulat in Lagos. "Nigerianische Terrorgruppen haben direkte Drohungen gegen Frankreich und Franzosen ausgesprochen." Auch das Nigerdelta, wo viele Franzosen und andere Ausländer in der Ölförderung arbeiten, solle gemieden werden, erklärte das Konsulat.

als/dpa/AP/AFP

Forum

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insgesamt 36 Beiträge
1. Gedankenspiel
donsti 28.01.2013
Ganz ehrlich, wie lange wird es dauern, bis alle Afrikaner souverän sind und über einen funktionierenden Staat verfügen? 100, 500000 Jahre?
Ganz ehrlich, wie lange wird es dauern, bis alle Afrikaner souverän sind und über einen funktionierenden Staat verfügen? 100, 500000 Jahre?
2. Alles schon ..
universaldillettant 28.01.2013
...seit Jahren geplant im Rahmen der Rückeroberung des afrikanischen Kontinents von den Chinesen.
Zitat von sysopREUTERSFrankreichs Präsident Hollande gibt sich im Mali-Konflikt siegessicher, doch bei den Verbündeten herrscht trotz der Erfolge Skepsis. Die Vereinigten Staaten warnen vor einem jahrelangen Konflikt. Laut "New York Times" bereitet das US-Militär bereits den Aufbau einer Drohnenbasis in der Region vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krise-in-mali-usa-bereiten-drohnen-einsatz-in-westafrika-vor-a-880161.html
...seit Jahren geplant im Rahmen der Rückeroberung des afrikanischen Kontinents von den Chinesen.
3. Das klingt brutal, ...
schulfi 28.01.2013
... aber so ist es wohl leider: Wenn man den Gegner nicht vernichtet sondern in die Flucht schlägt, muss man dort bleiben, damit er nicht wiederkommt. Das dürfte Frankreichs Afghanistan werden.
Zitat von sysopREUTERSFrankreichs Präsident Hollande gibt sich im Mali-Konflikt siegessicher, doch bei den Verbündeten herrscht trotz der Erfolge Skepsis. Die Vereinigten Staaten warnen vor einem jahrelangen Konflikt. Laut "New York Times" bereitet das US-Militär bereits den Aufbau einer Drohnenbasis in der Region vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krise-in-mali-usa-bereiten-drohnen-einsatz-in-westafrika-vor-a-880161.html
... aber so ist es wohl leider: Wenn man den Gegner nicht vernichtet sondern in die Flucht schlägt, muss man dort bleiben, damit er nicht wiederkommt. Das dürfte Frankreichs Afghanistan werden.
4. Mali ist nicht Afghanistan und Irak
LOWES 28.01.2013
Die Franzosen haben eine ganz andere Einstellung und Motivation als die vor allem im Irak aber auch in Afghanistan reichlich tumb rumtrampelnden Rep-Amis. War in Baghdad das Hauptziel der Usa das Ölministerium, so hat das [...]
Die Franzosen haben eine ganz andere Einstellung und Motivation als die vor allem im Irak aber auch in Afghanistan reichlich tumb rumtrampelnden Rep-Amis. War in Baghdad das Hauptziel der Usa das Ölministerium, so hat das mausarme und rohstofffreie aber symbolträchtige Timbuktu oberste Prioritat. Den Franzosen geht es um die europäische Sicherheit, den Bush-Amerikanern um Öl. Ich könnte noch manches erwähnen, etwa die vorbehaltlose Freude der Malinesen.
5. Die USA und Frankreich
cirkular 28.01.2013
verfolgen in Mali nicht die gleichen Feinde und somit auch nicht die gleichen Ziele. Die USA war schon lange im Kampf gegen das Selbstbestimmungsrecht der Tuareg in Nordmali und Frankreich will die vom US-Partner Saudi-Arabien [...]
verfolgen in Mali nicht die gleichen Feinde und somit auch nicht die gleichen Ziele. Die USA war schon lange im Kampf gegen das Selbstbestimmungsrecht der Tuareg in Nordmali und Frankreich will die vom US-Partner Saudi-Arabien finanzierten Radikal-Islamisten vertreiben. Das verspricht einen langen Krieg.

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