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01.02.2013
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Berichte über Hinrichtungen und Folter

Malis Armee am Pranger

REUTERS

Die Schreckensherrschaft der Islamisten ist in vielen Städten Malis beendet - doch auch die Befreier sorgen im Volk für Angst: Laut Amnesty International gibt es erhebliche Vorwürfe gegen Malis Armee. Von willkürlichen Hinrichtungen ist die Rede, von Festnahmen und Folter.

Bamako - Zehn Tage lang waren Beobachter von Amnesty International in mehreren gerade erst befreiten Städten in Mali unterwegs. Sie haben erschütternde Berichte aus dem Bürgerkriegsland mitgebracht. In ihrem Report schildern die Menschenrechtswächter jedoch nicht nur Verbrechen der islamischen Besatzer. Auch die malische Armee wird scharf kritisiert. Zusammen mit französischen Einheiten hatten die einheimischen Truppen zuletzt mehrere Städte erobert - und sich dabei offenbar massiver Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht.

Einer dieser Berichte kommt aus der Stadt Sévaré im Norden des Wüstenstaats. Am 10. Januar, einen Tag bevor die Franzosen den Ort erreichten, sollen sich hier grausige Szenen abgespielt haben. Augenzeugen berichteten den Amnesty-Beobachtern, dass malische Soldaten mindestens zwei Dutzend Männer festgenommen und ohne Prozess exekutiert hätten.

Den Tathergang schildert der Zeuge in dem Amnesty-Papier so: Die Soldaten hätten zahlreiche Gefangene in einen Brunnen im Ortsteil Waïludé geworfen. "Sobald die Männer unten lagen, feuerten die Soldaten von oben zwei oder drei Salven mit dem Maschinengewehr hinein."

Bei den Getöteten handelte es sich offenbar um Personen, bei denen die malischen Truppen Verbindungen zu den Islamisten vermuteten. Generell herrsche in den befreiten Gebieten große Angst vor einer Festnahme durch einheimische Soldaten. Für einen solchen Zugriff reichten manchmal schon die "falsche" Kleidung oder ethnische Abstammung.

"Viele Menschen fürchten sich davor, verhaftet zu werden - oder vor noch Schlimmerem", sagte Gaëtan Mootoo, Mail-Experte bei Amnesty International. "Die Sicherheitskräfte vor Ort müssen alles tun, um die Zivilbevölkerung vor Verfolgung zu schützen." Es müsse sofort eine Untersuchung der geschilderten Hinrichtungen geben. Gleiches gelte für die Foltervorwürfe, die ehemalige Gefangene gegenüber der malischen Armee erheben.

Schon in der vergangenen Woche hatte sich die französische Regierung besorgt über Racheakte der malischen Einheiten geäußert.

Immer wieder geraten zudem auch unbeteiligte Zivilisten zwischen die Fronten. Nahe der Stadt Konna töteten malische Soldaten zwei Schafhirten, angeblich versehentlich. Zeugen berichten jedoch, die Leichen hätten mehrere Kopfschüsse aufgewiesen. Danach hatte es Spekulationen über eine mögliche Hinrichtung gegeben.

Meldungen über Kindersoldaten

In dem Bericht finden sich auch umfangreiche Schilderungen von Gräueltaten durch die Islamisten, die sie während der monatelangen Besatzung und auch noch nach der Niederlage gegen die französischen und malischen Truppen verübt haben sollen. So sollen die Extremisten am 14. und 15. Januar in Diabali fünf verletzte einheimische Soldaten sowie einen Zivilisten getötet haben.

Einen weiteren Vorwurf erhebt Amnesty in dem neuen Papier: Die Islamisten rekrutierten demnach offenbar auch immer wieder Kindersoldaten. So seien in Diabali mehrfach bewaffnete Kinder in ihren Reihen beobachtet worden - manche kaum zehn Jahre alt.

In dem Ort Ségou gelang es den Beobachtern mit zwei ehemaligen Kindersoldaten zu sprechen. Einer von ihnen habe deutliche Anzeichen einer psychischen Störung aufgewiesen. "Er war komplett still und abwesend. Der Junge schien geistig kaum anwesend", erklärte Gaëtan Mootoo von Amnesty.

An die Islamisten richtete er einen dringenden Appell: "Das Anwerben von Kindersoldaten muss sofort aufhören. Alle Kinder, die sich noch in den Reihen der Extremisten befinden, müssen unverzüglich freigelassen werden."

jok

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insgesamt 42 Beiträge
1. Rache
Peter-Lublewski 01.02.2013
Vielleicht begreifen die Europäer irgendwann, dass Kriege in Afrika anders ablaufen als sonstwo. Da wird am besiegten Gegner Rache genommen. Als ob Afrikaner mit ihren "Traditionen" brechen, nur weil in Europa oder den [...]
Vielleicht begreifen die Europäer irgendwann, dass Kriege in Afrika anders ablaufen als sonstwo. Da wird am besiegten Gegner Rache genommen. Als ob Afrikaner mit ihren "Traditionen" brechen, nur weil in Europa oder den USA jemand Anklage erhebt.
2. Ursachen bekaempfen
ofelas 01.02.2013
koennte es sein das die Tuareg genau wegen eines solchen Verhaltens die Islamisten unterstuetzt hatten....und Frankreich sowie der Westen es ignorierten - passte ja der Sueden war einfach zu kontrollieren und die hatten die [...]
Zitat von sysopDie Schreckensherrschaft der Islamisten ist in vielen Städten Malis beendet - doch auch die Befreier sorgen im Volk für Angst: Laut Amnesty International gibt es erhebliche Vorwürfe gegen Malis Armee. Von willkürlichen Hinrichtungen ist die Rede, von Festnahmen und Folter. Hinrichtungen: Amnesty beklagt Verbrechen der malischen Armee - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/hinrichtungen-amnesty-beklagt-verbrechen-der-malischen-armee-a-880878.html)
koennte es sein das die Tuareg genau wegen eines solchen Verhaltens die Islamisten unterstuetzt hatten....und Frankreich sowie der Westen es ignorierten - passte ja der Sueden war einfach zu kontrollieren und die hatten die Rohstoffe verkauft
3.
stefansaa 01.02.2013
Finden Sie das gut? Sollte man so etwas gut finden? Ich bin da mal der Meinung, dass so etwas nicht sein muss. Rache schön und gut aber warum immer dann noch Folter? An die Wand und fertig. Dann stört der Gegner auch nicht [...]
Zitat von Peter-LublewskiVielleicht begreifen die Europäer irgendwann, dass Kriege in Afrika anders ablaufen als sonstwo. Da wird am besiegten Gegner Rache genommen. Als ob Afrikaner mit ihren "Traditionen" brechen, nur weil in Europa oder den USA jemand Anklage erhebt.
Finden Sie das gut? Sollte man so etwas gut finden? Ich bin da mal der Meinung, dass so etwas nicht sein muss. Rache schön und gut aber warum immer dann noch Folter? An die Wand und fertig. Dann stört der Gegner auch nicht mehr. Nur weil in Afrika alles anders ist, muss es ja nicht besser sein...
4. Unheimlicher Spaß
Peter-Lublewski 01.02.2013
WO habe ich denn geschrieben, dass ich solche Praktiken gut finde? Hä? Das macht wirklich unheimlichen Spaß hier etwas zu schreiben, wenn einem jeder Satz umgedreht wird.
Zitat von stefansaaFinden Sie das gut? Sollte man so etwas gut finden? Ich bin da mal der Meinung, dass so etwas nicht sein muss. Rache schön und gut aber warum immer dann noch Folter? An die Wand und fertig. Dann stört der Gegner auch nicht mehr. Nur weil in Afrika alles anders ist, muss es ja nicht besser sein...
WO habe ich denn geschrieben, dass ich solche Praktiken gut finde? Hä? Das macht wirklich unheimlichen Spaß hier etwas zu schreiben, wenn einem jeder Satz umgedreht wird.
5.
der_namenslose 01.02.2013
Auch europäische Soldaten verhalten sich nicht immer moralisch oder rechtlich korrekt. Krieg ist Gewalt, und Gewalt kann ausarten. Wer Freunde neben sich hat sterben sehen, wer die Folgen einer feindlichen Okkupation erlebt oder [...]
Zitat von Peter-LublewskiVielleicht begreifen die Europäer irgendwann, dass Kriege in Afrika anders ablaufen als sonstwo. Da wird am besiegten Gegner Rache genommen. Als ob Afrikaner mit ihren "Traditionen" brechen, nur weil in Europa oder den USA jemand Anklage erhebt.
Auch europäische Soldaten verhalten sich nicht immer moralisch oder rechtlich korrekt. Krieg ist Gewalt, und Gewalt kann ausarten. Wer Freunde neben sich hat sterben sehen, wer die Folgen einer feindlichen Okkupation erlebt oder gesehen hat, der wird auch Rachegedanken hegen. Und der ein oder andere setzt diese in die Tat um. Das ist das Wesen des Krieges. Das hat nichts mit "Traditionen" zu tun, sondern mit Ausbildungsstand und Führung der Soldaten.

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