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05.02.2013
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Selbstjustiz der Islamisten

Videos sollen Hinrichtung in Syrien zeigen

Zwei Videos belegen offenbar die Gräueltaten von Islamisten im Syrien-Konflikt: Auf den Clips ist angeblich die Exekution von Assad-Soldaten und eines Zivilisten zu sehen. Die dschihadistischen Rebellen gewinnen in dem Bürgerkriegsland zunehmend an Einfluss.

Damaskus - Seit zwei Jahren tobt der blutigen Konflikt um die Macht in Syrien, immer wieder kommt es zu Fällen von Folter, Hinrichtungen und Selbstjustiz. Nun prangern syrische Menschenrechtler ungesetzliche Exekutionen durch militante Islamisten in dem Bürgerkrieg an. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London veröffentlicht am Dienstag zwei Videos, die die Verbrechen dokumentieren sollen.

Ein Video zeigt demnach die grausame Hinrichtung von zwei durch die Rebellen gefangen genommenen Soldaten der Assad-Truppen. Auf den Bildern ist ein Gefangener zu sehen, der am Boden liegt. Seine Hände sind hinter dem Rücken gefesselt. Er trägt am Oberkörper nur ein weißes Unterhemd. An der Schulter sind dunkelrote Striemen zu erkennen, die sich über seinen Rücken ziehen wie von Peitschenhieben.

Der Henker drückt mit seinem rechten Fuß den Kopf des Gefangenen zu Boden, dann schneidet er ihm in die Kehle. Der Gefangene verblutet. Ein zweite Mann wird herbeigeholt. Mit ihm soll ähnlich verfahren worden sein.

Wer die Mörder auf dem Video sind, ist noch unklar. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtler soll es sich um eine dschihadistische Rebellengruppe gehandelt haben. Diese stellen zwar noch eine Minderheit unter der syrischen Opposition dar. Ihr Einfluss scheint aber zuzunehmen. Immer wieder wird berichtet, dass Dschihadisten gefangen genommene Assad-Soldaten, die der alawitischen Konfession angehören, als Ungläubige kurzerhand umbringen.

Todesurteil durch das Scharia-Gericht

Das andere Video soll die Hinrichtung eines Zivilisten zeigen, dem vorgeworfen wird, mit dem Assad-Regime kollaboriert zu haben. Ein Scharia-Gericht der Rebellengruppe hat ihn deswegen zum Tode verurteilt. Dem gefesselten Mann wird ebenfalls mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten.

Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes und der andauernden Kämpfe von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London ist eine Aktivistengruppe, die mithilfe ihrer Kontakte vor Ort versucht, Menschenrechtsverletzungen und Todesfälle in Syrien zu dokumentieren.

Die Gruppe gilt als Assad-kritisch, hat aber auch immer wieder Menschenrechtsverletzungen durch Rebellengruppen dokumentiert. Zuletzt hatte sie vor zwei Wochen ein Video veröffentlicht, das Rebellen zeigen soll, wie sie einen gefesselten und völlig entkleideten Assad-Soldaten mit Schlägen auf die Fußsohlen foltern.

Internationale Menschenrechtsgruppen und die Uno werfen beiden Seiten regelmäßig Menschenrechtsverletzungen vor, betonen allerdings, dass es sich von Seiten des Regimes um systematische handelt, während es auf Rebellenseite noch Einzelfälle zu sein scheinen, die jedoch häufiger werden.

ras

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insgesamt 48 Beiträge
1.
mulcahy@gmx.at 05.02.2013
"....Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London ist eine Aktivistengruppe". das ist keine aktivistengruppe, sondern ein ein-mann-unternehmen und alles andere als objektiv.
"....Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London ist eine Aktivistengruppe". das ist keine aktivistengruppe, sondern ein ein-mann-unternehmen und alles andere als objektiv.
2. Endlich mal die Wahrheit!!
lebmah 05.02.2013
Das sind die Terror Gruppen die.der Westen unterstützt!Alles Mörder ,die gegen die Demokratie und Menschenrechte sind .Wenn so welche nach Assad an die macht kommen(das ist höchst wahrscheinlich),dann soll lieber Assad an die [...]
Das sind die Terror Gruppen die.der Westen unterstützt!Alles Mörder ,die gegen die Demokratie und Menschenrechte sind .Wenn so welche nach Assad an die macht kommen(das ist höchst wahrscheinlich),dann soll lieber Assad an die Macht bleiben ,Der ist wenigstens für den Schutz religiöser Minderheiten und es herrschte ein Soziale Diktator .
3. Hinrichtung?
amnesiac 05.02.2013
wann wird es sich endlich auch beim Spiegel herumgesprochen haben, dass die Verwendung des Wortes "Hinrichtung" allenfalls nach erfolgter Verurteilung durch staatlich legitimierte Gerichte angebracht ist. Die [...]
wann wird es sich endlich auch beim Spiegel herumgesprochen haben, dass die Verwendung des Wortes "Hinrichtung" allenfalls nach erfolgter Verurteilung durch staatlich legitimierte Gerichte angebracht ist. Die Abschlachtung eines Menschen durch Banden oder sog. Freiheitskämpfer ist und bleibt Mord und sollte in der Berichterstattung auch so benannt werden!
4. Wie dumm muss man sein?
joergkirchberger 05.02.2013
Wie dumm ist der Westen eigentlich? Nicht ein Land, dass die Revolution durchmachte hat ein Interesse an Demokratie. Merken die nicht, dass die ganzen Geschichten von Seiten der Islamisten ausgenutzt, evtl. sogar geplant waren? [...]
Wie dumm ist der Westen eigentlich? Nicht ein Land, dass die Revolution durchmachte hat ein Interesse an Demokratie. Merken die nicht, dass die ganzen Geschichten von Seiten der Islamisten ausgenutzt, evtl. sogar geplant waren? Unter Ghaddafi hatten die Frauen Rechte, Polizistinnen ohne Kopftuch regelten den Straßenverkehr. Unter Mubarak hatten die Kopten ihre Ruhe, Assad selbst ist Allewit, gehört einer Minderheit an. Alle ehemaligen Dikatoren haben ihr Land ausgeplündert und Dreck am stecken gehabt. Aber, was kommt jetzt? Nordafrika in Händen der Islamisten. Da wurde mit Zitronen gehandelt.
5.
reuanmuc 05.02.2013
Assad hat tausende seiner Gegner hinrichten lassen, ohne Videos. Zehntausende Syrer sind wegen Assad schon vor der Revolution ins Ausland geflohen und wurden sogar dort verfolgt und getötet. Gerade wurde im Libanon ein syrischer [...]
Zitat von lebmahWenn so welche nach Assad an die macht kommen,dann soll lieber Assad an die Macht bleiben ,
Assad hat tausende seiner Gegner hinrichten lassen, ohne Videos. Zehntausende Syrer sind wegen Assad schon vor der Revolution ins Ausland geflohen und wurden sogar dort verfolgt und getötet. Gerade wurde im Libanon ein syrischer General wegen Mordes zur Verhaftung ausgeschrieben.

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