05.02.2013
Trotz konservativen Widerstands
Unterhaus gibt Homo-Ehe "Ja"-Wort
Demonstration für die Homo-Ehe vor dem Unterhaus: In der Regierungspartei umstritten.
London - Großbritannien dürfte das neunte Land in Europa werden, in dem Homosexuelle eine Ehe eingehen dürfen. Das britische Unterhaus nahm das Gesetzesvorhaben, nach dem sich Schwule und Lesben in England und Wales standesamtlich trauen lassen dürfen, am Dienstagabend mit 400 gegen 175 Stimmen an. Vor dem Inkrafttreten muss die Neuregelung noch vom britischen Oberhaus verabschiedet werden. Anfang 2014 soll es in Kraft treten.
Großbritanniens konservativer Premierminister David Cameron nannte das Gesetz "einen wichtigen Schritt nach vorne". Es mache die "Gesellschaft stärker." In seiner eigenen Partei war das Gesetz jedoch sehr umstritten. Eine Mehrheit der Abgeordneten von Camerons Partei stimmte gegen das Gesetz. Ein konservativer Parlamentarier nannte das Gesetz einen "orwellianischen" Versuch, die Bedeutung des Wortes Ehe zu verändern. Weil die Liberaldemokraten und die oppositionelle Labour-Partei aber für das Gesetz stimmten, war die Zustimmung des Parlaments jedoch nicht gefährdet.
Den meisten Kirchen wird freigestellt, ob sie Homosexuelle trauen wollen. In der dominierenden Anglikanischen Kirche soll sie jedoch verboten bleiben. Vertreter der katholischen Kirche in Großbritannien nannten das Gesetz "undemokratisch". Die Konservativen hätten die Homo-Ehe in ihrem Wahlprogramm gar nicht erwähnt, kritisierte der Vorsitzende der Bischofskonferenz der britischen katholischen Kirche. Das Gesetzesvorhaben geht auf ein Wahlversprechen der an der Regierung beteiligten Liberaldemokraten zurück.
Bevor das House of Lords sich mit dem Gesetzentwurf befasst, muss ihn erst noch ein Parlamentsausschuss eingehend prüfen. In Großbritannien können schwule und lesbische Paare seit 2005 ihre Partnerschaft eintragen lassen und dadurch in den Genuss eheähnlicher Privilegien kommen.
Eine Mehrheit der Briten befürwortet gleichgeschlechtliche Ehen. Anderen Umfragen zufolge kommt Camerons starke Unterstützung für das Reformvorhaben bei seinen Stammwählern nicht gut an. Bei der Parlamentswahl 2015 könnte es ihn Stimmen kosten.
ade/AFP