Lade Daten...
19.02.2013
Schrift:
-
+

Rüstungslieferungen an Libyen

Waffen für Gaddafis Erben

REUTERS

Gratis-Beigabe für künftiges Geschäft: 20 Puma-Fahrzeuge bekam Tripolis von Rom

Das Land hat Geld, sein Militär Nachholbedarf: Libyen ist für Waffenschmieden ein Paradies. Gut im Geschäft sind Frankreich und Italien. Nun zieht Großbritannien nach - und schickt ein ganzes Kriegsschiff voller Rüstungsgüter.

Tripolis - Das internationale Waffenembargo gegen Libyen vom Februar 2011 ist noch teilweise in Kraft. Es beschränkt, was an Tripolis verkauft werden darf. Doch Europas Rüstungsschmieden bringen sich längst in Stellung. Unverhohlen buhlen sie um libysche Aufträge - mit immer neuen Verkaufstricks.

London will im April eine Art "Pop Up Store" aufmachen: Ein Schiff der Royal Navy soll vom 4. bis 14. April im Hafen von Tripolis anlegen, an Bord das beste Equipment aus der Produktion britischer Waffenkonzerne. Libyen sei "Prioritätsland" für künftige Rüstungssexporte, heißt es bei der Wirtschaftsförderung der britischen Regierung (UKTI).

Direkt vom Schiff verkauft werde nicht, so die UKTI. Aber die nötigen Kontakte fürs Geschäft geknüpft: "Die Veranstaltung wird hochrangige Schlüsselfiguren anziehen, die in der libyschen Regierung für Militärfragen verantwortlich sind", verspricht die Wirtschaftsförderung auf ihrer Webseite.

Frankreichs und Italiens Waffenschmieden sind den britischen schon einen Schritt voraus. Die französische Firma Sillinger verkaufte Tripolis im Januar 50 kleine Boote. Rom hat Tripolis im Februar 20 italienische "Puma"-Panzerfahrzeuge geschenkt - gewissermaßen als Probepackung.

"Wir werden Italien Priorität geben beim Einkauf neuer Waffen", verkündete Libyens Verteidigungsminister Mohammed Al-Bargati erfreut. Italiens Verteidigungsminister Giampaolo Di Paolo stellte den Libyern neue Trainingskurse in Aussicht, sollte das Land italienisches Equipment ordern.

Die Wunschliste der Libyer ist lang

Auf Europas Verteidigungsindustrie wartet in Libyen Geld und Nachfrage. Die Armee befindet sich nach dem Bürgerkrieg im Aufbau. Unter Kontrolle hat die Regierung die Sicherheitslage noch nicht - und auch nicht Libyens Außengrenzen, die viele Tausende Kilometer lang sind. Neues Gerät könnte Tripolis zwar dabei helfen. Doch besteht auch die Gefahr, dass Equipment in die Hände von radikalen Gruppen gelangt. Während des Bürgerkriegs verschwanden Unmengen von Waffen, die später wohl in Mali und bei der Geiselnahme im algerischen Amenas eingesetzt wurden.

Die Wunschliste der Libyer ist lang - es gibt einiges nachzuholen. Kein Land im Nahen Osten gab zuletzt weniger für sein Militär aus im Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt als Libyen unter Muammar al-Gaddafi. Der wollte vermeiden, dass die Armee zu stark werden könnte - aus Angst vor einem Putsch. Schließlich hatte er selbst seinen Vorgänger König Idris gewaltsam gestürzt.

Zwischen 1986 und 2004 galt ein amerikanisches und europäisches Embargo wegen der Unterstützung Gaddafis für terroristische Gruppen. Ein Großteil des libyschen Arsenals stammt daher noch aus sowjetischen Beständen. US-Beamte spotteten schon 2009 nach dem Crash eines Kampfjets bei einer Flugshow über "Libyens alternde Luftwaffe" - so stand es in den von WikiLeaks veröffentlichten Diplomatendepeschen.

Über Waffeneinkäufe im Wert von 4,5 Milliarden Euro hatte Frankreichs damaliger Präsident Nicolas Sarkozy 2007 mit Gaddafi gesprochen. Dafür durfte der auch sein Beduinenzelt im Garten des Elysee-Palastes aufschlagen. Es ging um französische "Rafale"-Kampfjets, Helikopter, Schiffe und Artillerie.

Damals sei es jedoch zu keinem Jet-Verkauf gekommen, so der "Rafale"-Hersteller Dassault Aviation. Inzwischen dürfte die Orderliste der Libyer wohl noch länger geworden sein, nachdem ein großer Teil der Militärinfrastruktur im Bürgerkrieg zerstört wurde - auch durch die Nato-Luftangriffe.

ras

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
1. Deja Vu?
Highfreq 19.02.2013
Irgendwie kommt mir das so bekannt vor? Geschäfte mit Libyen und später werden die Waffen gegen einen selbst gerichtet. Schon irgendwie lustig der Kreislauf.
Irgendwie kommt mir das so bekannt vor? Geschäfte mit Libyen und später werden die Waffen gegen einen selbst gerichtet. Schon irgendwie lustig der Kreislauf.
2. endlich
uspae2007 19.02.2013
Frankreich muss seine Schulden nicht zurück zahlen, nun noch Waffenverkäufe, es hat sich ja gelohnt , der Krieg.
Frankreich muss seine Schulden nicht zurück zahlen, nun noch Waffenverkäufe, es hat sich ja gelohnt , der Krieg.
3. jaja
tkgdfk 19.02.2013
erst das Land kaputtbomben, dann grosse Geschäfte beim Wiederaufbau machen - ja dafür gibt es die NATO.
erst das Land kaputtbomben, dann grosse Geschäfte beim Wiederaufbau machen - ja dafür gibt es die NATO.
4. Aufrüstung der Libyer
udolein 19.02.2013
In Mali bekämpft man die Islamisten, in Libyen rüstet man sie auf. Die Waffen kann man ja dann via Algerien oder Niger nach Mali transportieren. Ich erkenne kein Konzept? Man hat wohl einen kurzfristigen Profit aber erkennt [...]
In Mali bekämpft man die Islamisten, in Libyen rüstet man sie auf. Die Waffen kann man ja dann via Algerien oder Niger nach Mali transportieren. Ich erkenne kein Konzept? Man hat wohl einen kurzfristigen Profit aber erkennt nicht, dass man an seinem eigenen Stuhl sägt.
5. Das war doch 2011 schon klar
seneca55 19.02.2013
Libyen ist der reichste Staat in Afrika mit relativ kleiner in Stämmen organisierter muslim. Bevölkerung und mit viel Öl und Gaz. Was die Libyer erstmal mit ihren Mrd. Petro-USD ist natürlich eine möglichst teure [...]
Libyen ist der reichste Staat in Afrika mit relativ kleiner in Stämmen organisierter muslim. Bevölkerung und mit viel Öl und Gaz. Was die Libyer erstmal mit ihren Mrd. Petro-USD ist natürlich eine möglichst teure Modernisierung ihres großen aber alten Militärpotentials. Den Hilfsdienst/Luftkrieg der 6 NATO-Staaten in 2011 gab es ja nicht nur für Mumpe, das war doch klar. Immerhin muss man sich gegen die Touaregs und Al Qaida im Süden schützen und gegen die gierigen Blicke aus dem armen Tunesien und dem Tschad.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter RSS
alles zum Thema Libyen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten