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22.02.2013
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US-Truppen in Afghanistan

De Maizières peinlicher Zahlendreher

Aus Brüssel berichtet
REUTERS

Minister Panetta (l.), de Maizière: Streit über US-Präsenz in Afghanistan

Es ist ein Zahlenmalheur auf höchster Ebene: Die USA bleiben angeblich mit bis zu 12.000 Soldaten in Afghanistan, da gab sich der deutsche Verteidigungsminister de Maizière sicher. Doch sein US-Kollege Panetta sieht das ganz anders - und dementiert die Größenangabe heftig.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat für einen kleinen Eklat beim Nato-Ministertreffen in Brüssel gesorgt. Es geht um seine Äußerungen über angebliche Zahlen der US-Truppenstärke für die Zeit nach dem Ende der Isaf- Mission in Afghanistan ab 2015.

Nach den Beratungen erklärte der CDU-Politiker, sein US-Kollege Leon Panetta habe in der vertraulichen Runde der Minister angekündigt, dass die Vereinigten Staaten "in einer Größenordnung zwischen 8000 und 12.000 Soldaten in Afghanistan involviert sein werden". Die Meldung ging in Sekunden um die Welt, denn außer Eingeweihten innerhalb der Nato waren die Zahlen offiziell nicht bekannt.

Es dauerte jedoch nicht länger als 15 Minuten, da wurde der Deutsche von US-Minister Panetta öffentlich korrigiert. Sichtlich verwundert über die Äußerungen sagte Panetta in seiner letzten Pressekonferenz als Verteidigungsminister, die Angaben seien "nicht korrekt". Ohne de Maizières Namen zu erwähnen, sagte er: "Wir haben über die Nato-Kräfte insgesamt und nicht allein über die der USA gesprochen", so Panetta.

De Maizière hatte zu diesem Zeitpunkt das Hauptquartier bereits verlassen, da er dringend zum Flughafen musste. Auf dem Weg in die Türkei erklärte er seinen Aussetzer dann so: "Ich habe mich vor zwei Stunden in Brüssel missverständlich ausgedrückt, indem ich diese Zahlen allein den Amerikanern zugeordnet habe."

Kopfschütteln bei Diplomaten

Mehrere Nato-Diplomaten bestätigten nach der Verwirrung, dass die Version von US-Minister Panetta stimme. Demnach habe man in der Runde über zwei Modelle für die Nato-Trainingsmission gesprochen. Die Mission soll einen Zerfall der mühsam aufgestellten afghanischen Sicherheitskräfte verhindern. Dabei seien auch die von de Maizière genannten Zahlen gefallen.

"Allen in der Runde war klar, dass es sich dabei nicht nur um US-Soldaten handelt, sondern um Kräfte aus allen Nato-Nationen", so ein Nato-Diplomat. Einer der Sprecher von Panetta sagte, de Maizière müsse in der Runde "offensichtlich etwas schlicht falsch verstanden" haben. Andere Nato-Diplomaten reagierten mit Kopfschütteln und Verwunderung auf die Panne.

Durch die Verwirrung wegen des Fauxpas sind nun immerhin erste Zahlen über die Post-Isaf-Mission offiziell bekannt. Mit einer Größe zwischen 8000 und 12.000 Mann wird die Ausbildungstruppe zwar erheblich kleiner als die Isaf. Gleichzeitig wurden jedoch Planungen bekannt, die Größe der afghanischen Sicherheitskräfte nach dem Abzug der Isaf nicht schrittweise zu reduzieren, sondern auf einem Niveau von 352.000 Mann zu belassen.

Mehr Verantwortung für Deutschland

Auf Deutschland kommt bei der Trainingsmission womöglich mehr Verantwortung zu, als sich Berlin das wünscht. Die USA haben Deutschland bereits vor dem Ministertreffen in Brüssel gebeten, die militärische Führung über die Ausbildung im bisherigen Regionalkommando Nord zu übernehmen. Minister de Maizière kündigte an, man wolle diese Bitte nun prüfen.

Spekulationen über die Zahlen einer möglichen US-Präsenz in Afghanistan nach 2014 gab es seit Beginn der Tagung. Bereits am Mittwoch hatte SPIEGEL ONLINE berichtet, dass der Präsidentenberater Douglas Lute die Nato-Botschafter Anfang Februar in geheimer Sitzung über die Washingtoner Planungen unterrichtet hatte.

Damals sagte Lute, die USA wollten nicht mehr als 10.000 Soldaten nach 2014 in Afghanistan stationieren. Für die mittlerweile "Resolute Response" getaufte Trainingsmission der Nato sollen laut Lute jedoch nur die Hälfte dieser 10.000 Mann abgestellt werden, der Rest wird unter einem anderen Mandat den Kampf gegen Terrorgruppen weiterführen. Die nun in der Brüsseler Nato-Runde diskutierten Zahlen passen exakt zu dem Briefing.

Bisher weigert sich die Bundesregierung, über den deutschen Anteil an der Ausbildung für die Afghanen zu reden. Grundsätzlich wollen alle Nationen die Zahl ihrer Soldaten so stark wie möglich reduzieren. Derzeit hat die Bundeswehr rund 4400 Soldaten in Afghanistan, bis Ende 2013 soll diese Zahl um 1000 Mann reduziert werden.

Forum

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insgesamt 47 Beiträge
1. Man sollte sich nicht
derandersdenkende 22.02.2013
mit Kleinigkeiten aufhalten. Der ganze Einsatz war peinlich und verzichtbar! Umso wichtiger ist es, daß er schnellstens beendet wird. Den Brunnenbau und das Essen auf Rädern kann man aber meinetwegen fortsetzen, wenn man [...]
Zitat von sysopEs ist ein Zahlenmalheur auf höchster Ebene: Die USA bleiben angeblich mit bis zu 12.000 Soldaten in Afghanistan, da gab sich der deutsche Verteidigungsminister de Maizière sicher. Doch sein US-Kollege Panetta sieht das ganz anders - und dementiert die Größenangabe heftig. Minister de Maizière gibt US-Truppenstärke in Afghanistan falsch an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/minister-de-maiziere-gibt-us-truppenstaerke-in-afghanistan-falsch-an-a-885020.html)
mit Kleinigkeiten aufhalten. Der ganze Einsatz war peinlich und verzichtbar! Umso wichtiger ist es, daß er schnellstens beendet wird. Den Brunnenbau und das Essen auf Rädern kann man aber meinetwegen fortsetzen, wenn man überhaupt schon damit begonnen und nicht alle Mittel in Befriedungsaktionen vergeudet hat.
2. optional
Neal_cassady 22.02.2013
was ist nun der faux pas ? das ausplaudern von interna über die nato truppenstärke oder die aussage 10-12 k us soldaten.. oder beides ?
was ist nun der faux pas ? das ausplaudern von interna über die nato truppenstärke oder die aussage 10-12 k us soldaten.. oder beides ?
3. optional
tijeras 22.02.2013
Da is er wohl eingeschlaffen der Gute. Jetzt wird er wohl auch im Ausland die Misere genannt.
Da is er wohl eingeschlaffen der Gute. Jetzt wird er wohl auch im Ausland die Misere genannt.
4. Frau Merkel
anbue 22.02.2013
hat Ihn als Verteidigungsminister engagiert und nicht als Rechenknecht oder lag´s am Englisch
Zitat von derandersdenkendemit Kleinigkeiten aufhalten. Der ganze Einsatz war peinlich und verzichtbar! Umso wichtiger ist es, daß er ....
hat Ihn als Verteidigungsminister engagiert und nicht als Rechenknecht oder lag´s am Englisch
5. Zahlendreher
arnauldman 22.02.2013
Passieren den Besten!
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Ausrüstung der Bundeswehr

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Panzer
DDP

Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

dpa

Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

REUTERS

Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.
Panzerhaubitzen
DPA

Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
DPA

Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Getty Images

Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
AP

Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
ddp

Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.

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