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22.02.2013
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Wahlen in Indien

Soll Hitler an die Macht? Oder lieber Frankenstein?

AFP

Kandidat Adolf Lu Hitler (2.v.l.): Hoffen auf viele Wählerkreuzchen

Die Wahlliste einer nordindischen Provinz strotzt vor prominenten Namen - doch einer sticht besonders heraus: Am Samstag können die Wähler ihr Kreuzchen bei Adolf Hitler machen. Drei Urnengänge hat der Inder bereits gewonnen. Besonderen Wert legt er auf seinen Zweitnamen.

Gauhati - Adolf Hitler versteht die Aufregung nicht. Alles was er will, ist an diesem Samstag gewählt zu werden. Und nun muss er plötzlich Interviews geben. Hitler ist einer von 345 Kandidaten für die "State Assembly", dem Parlament des Bundesstaates Meghalaya. Die Chancen stehen gut, drei Wahlen hat er bereits gewonnen - trotz seines, nun ja, ungewöhnlichen Namens.

Auf der Wahlliste der Region in Indiens äußerstem Nordosten befindet sich Hitler in prominenter Gesellschaft. Kenedy Marak, Kennedy Cornelius Khyriem und Jhim Carter Sangma stehen da zur Abstimmung. Die Anleihe bei prominenten Politikern der Vergangenheit hat in der Region eine lange Tradition.

Hitler ist sich der Geschichte seines Namens durchaus bewusst. "Mir ist klar, dass er einer der am meisten gehassten Menschen der Welt ist, wegen des Massenmords an den Juden." Aber - und darauf legt Hitler wert - es gibt zwischen ihm und dem deutschen Diktator einen kleinen, aber feinen Unterschied: den zweiten Vornamen. "Mein Vater hat mich Adolf Lu Hitler genannt, deshalb bin ich anders."

Im Übrigen habe ihm die namentliche Verbindung in der Vergangenheit kaum Probleme bereitet. Die USA und Deutschland habe er schon besucht und stets ein Visum erhalten. "Ich habe den Einwanderungsbehörden immer gesagt, dass ich bei meiner Namenswahl keinerlei Einfluss hatte", erklärt der Vater dreier Kinder.

Viele Inder haben kaum Hemmungen beim Umgang mit dem Namen Hitler oder mit der historischen Person. Das Buch "Mein Kampf" wird häufig ganz offen angeboten. In der Stadt Ahmedabad gibt es ein Kleidungsgeschäft namens Hitler. Auch hier wunderten sich die Betreiber über das Medieninteresse aus aller Welt.

Die Kandidaten bei der Wahl beschränken sich jedoch keineswegs nur auf Figuren aus der politischen Geschichte. Ihr Kreuzchen können die Wähler am Samstag auch bei einer durchaus prominenten Figur der Literatur- und Filmgeschichte machen: Frankenstein Momin.

jok/AP

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