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22.02.2013
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Syrien

Opposition will Regierung für "befreite Zonen"

DPA/ SANA

Nach Explosion in Damaskus: Die Uno spricht von "rund 100" Toten

Die syrische Opposition will für die von ihr kontrollierten Gebiete eine Übergangsregierung bilden. Über die Zusammensetzung des Kabinetts soll bereits am 2. März entschieden werden, beschloss das größte regimekritische Bündnis bei einer Tagung in Kairo.

Damaskus - Die Opposition will für die von ihr kontrollierten Zonen eine Übergangsregierung bilden. Darauf habe sich das größte Oppositionsbündnis Nationale Koalition geeinigt, sagte dessen Sprecher Walid al-Bonni am Freitag. Nach der Anschlagsserie vom Donnerstag mit "rund 100" Toten, so die Uno, wurden am Freitag bei Raketenangriffen auf das nordsyrische Aleppo mindestens zwölf Menschen getötet.

Al-Bonni sagte, über die Zusammensetzung einer Regierung für die Verwaltung der "befreiten Zonen" und ihren Vorsitzenden solle bei einem weiteren Treffen am 2. März in Istanbul entschieden werden.

Die Nationale Koalition tagt seit Donnerstag in Kairo. Bei den Gesprächen geht es vor allem um den Vorstoß des Chefs der Nationalen Koalition, Ahmed Moas al-Chatib, Verhandlungen mit Vertretern der Regierung von Präsident Baschar al-Assad aufzunehmen. Diese Initiative war international auf große Zustimmung gestoßen, der Syrische Nationalrat - eines der wichtigsten Mitglieder der Nationalen Koalition - hatte sich aber dagegen ausgesprochen.

Unterdessen sind bei dem jüngsten Anschlag am Freitag in Aleppo mindesten zwölf Menschen getötet und 50 verletzt worden, sagte der Leiter der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Drei Raketen seien in Tarik al-Bab, einem Viertel im Osten der Stadt, eingeschlagen und hätten mehrere Wohnhäuser zerstört. Mehr Opfer könnten unter Trümmern begraben sein.

Bei den Anschlägen vom Donnerstag seien rund 100 Menschen in Damaskus getötet und 250 verletzt worden, sagte der internationale Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi. Die "grausame" Tat stelle nach internationalem Recht ein "Kriegsverbrechen" dar und sei durch nichts zu rechtfertigen, so der Diplomat. Ein Attentäter hatte am Donnerstag vor dem Sitz der regierenden Baath-Partei eine Autobombe gezündet. Zudem wurden drei weitere offenbar koordinierte Anschlägen auf Gebäude der Sicherheitskräfte im nördlichen Stadtteil Barse verübt.

Die Aufständischen kämpfen seit März 2011 gegen Präsident Assad. Nach Uno-Schätzungen wurden bislang mehr als 70.000 Menschen getötet.

jok/lei/AFP

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insgesamt 13 Beiträge
1. welche befreiten zonen?
juri-gagarin 22.02.2013
ich habe bis jetzt noch von keinem größerem zusammenhängendem gebiet gehört das von den terroristen gehalten wird. Selbst im grenzgebiet zur türkei ist die reguläre armee noch am agieren. Sind die "rebellen" jetzt [...]
ich habe bis jetzt noch von keinem größerem zusammenhängendem gebiet gehört das von den terroristen gehalten wird. Selbst im grenzgebiet zur türkei ist die reguläre armee noch am agieren. Sind die "rebellen" jetzt völlig grössenwahnsinnig geworden, oder soll hier ein nicht vorhandener status quo erschaffen werden?
2. Wer wählt denn diese "Regierung" ?
topodoro 23.02.2013
Und dürfen die vertriebenen Christen und Alawiten auch wählen ? Dürfen sie wieder zurück in ihre Orte, Dörfer und Häuser ? Dürfen auch Frauen wählen ? Darf die UN diese Wahl beobachten ? Oder setzen da Katar und [...]
Zitat von sysopDPA/ SANADie syrische Opposition will für die von ihr kontrollierten Gebiete eine Übergangsregierung bilden. Über die Zusammensetzung des Kabinetts soll bereits am 2. März entschieden werden. Dies beschloss das größte regimekritische Bündnis bei einer Tagung in Kairo. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-opposition-will-regierung-fuer-befreite-zonen-a-885106.html
Und dürfen die vertriebenen Christen und Alawiten auch wählen ? Dürfen sie wieder zurück in ihre Orte, Dörfer und Häuser ? Dürfen auch Frauen wählen ? Darf die UN diese Wahl beobachten ? Oder setzen da Katar und Saudiarabien ihre Statthalter ein ?
3.
Methados 23.02.2013
und neu-kölln beschliesst, den kalifatstaat auszurufen. das gleiche in grün und nicht hinnehmbar.
Zitat von sysopDPA/ SANADie syrische Opposition will für die von ihr kontrollierten Gebiete eine Übergangsregierung bilden. Über die Zusammensetzung des Kabinetts soll bereits am 2. März entschieden werden. Dies beschloss das größte regimekritische Bündnis bei einer Tagung in Kairo. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-opposition-will-regierung-fuer-befreite-zonen-a-885106.html
und neu-kölln beschliesst, den kalifatstaat auszurufen. das gleiche in grün und nicht hinnehmbar.
4. ...
JDR 23.02.2013
Wenn es tatsächlich gelingen sollte, eine funktionsfähige Gegenregierung zu installieren, wäre dies ein wohl ein Riesenschritt für die Rebellen. Offenbar ist ihnen zeitgleich ein weiterer Coup gelungen. Berichten zu [...]
Zitat von sysopDPA/ SANADie syrische Opposition will für die von ihr kontrollierten Gebiete eine Übergangsregierung bilden. Über die Zusammensetzung des Kabinetts soll bereits am 2. März entschieden werden. Dies beschloss das größte regimekritische Bündnis bei einer Tagung in Kairo. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-opposition-will-regierung-fuer-befreite-zonen-a-885106.html
Wenn es tatsächlich gelingen sollte, eine funktionsfähige Gegenregierung zu installieren, wäre dies ein wohl ein Riesenschritt für die Rebellen. Offenbar ist ihnen zeitgleich ein weiterer Coup gelungen. Berichten zu Folge sind die Nukleareinrichtungen von al Kibar nun in der Hand der Rebellen. Strategisch dürfte ihre Bedeutung nach der Zerstörung des Reaktors gegen Null gefallen sein, dennoch gehörten die Objekte zu den wichtigsten Geheimnissen des Regimes und Assad verweigerte jegliche Kooperation mit der Weltgemeinschaft, nachdem eine erste Untersuchung Beweise für die Urananreicherung an diesem Ort gefunden hatten. Symbolisch ist der Verlust der Kontrolle über diese Geheimnisse vergleichbar mit der Einnahme eines Palastes der Herrscherfamilie, auch wenn nicht damit gerechnet werden kann, dass "nächste Woche" ein Team von UN-Inspekteuren eine neue Mission startet. Im Gegensatz zu ein paar Mörsergranaten, welche in der Nähe eines seiner Paläste einschlugen, sind diese Objekte objektiv seinem Einfluss entzogen. Die Einnahme der Einrichtungen ist wohl ein unübersehbarer Beweis dafür, dass Assad "sein Wasser nicht mehr halten kann."
5. Was wohl unter
blackwatcher 23.02.2013
..zu verstehen sein wird, wissen wohl nur die Islamisten-Brüder und deren sich im Versteck haltenden Schergen z.T. mit ausländischer Provenienz. Ob diese nicht autochthonen "Kräfte" in der Lage sein werden, das Land [...]
..zu verstehen sein wird, wissen wohl nur die Islamisten-Brüder und deren sich im Versteck haltenden Schergen z.T. mit ausländischer Provenienz. Ob diese nicht autochthonen "Kräfte" in der Lage sein werden, das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen, dürfte mehr als fraglich sein. Falls die Waffen tatsächlich schweigen würden, könnte die nächste Phase einer psychologischen Kriegsführung Platz machen. Dann wird sich herausstellen, ob bloss mit dem Koran in der Hand die enormen physischen und psychischen Schäden behoben werden können. Zweifel sind angebracht.

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