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23.02.2013
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Wahl-Boykott in Ägypten

ElBaradei will nicht "Teil eines Schwindels" sein

REUTERS

Oppositionsführer ElBaradei: "Als wäre das alte System nie gestürzt worden"

Appell in Ägypten: Oppositionsführer Mohamed ElBaradei ruft seine Landsleute dazu auf, nicht an der Parlamentswahl teilzunehmen. Sie soll ab 27. April beginnen und in vier Runden ablaufen.

Kairo - Oppositionsführer Mohamed ElBaradei hat zum Boykott der der geplanten Parlamentswahl in Ägypten aufgerufen. Via Kurznachrichtendienst Twitter erklärte er am Samstag, dass er schon unter Langzeitpräsident Husni Mubarak 2010 zum Wahlboykott aufgerufen habe. Diesen Aufruf wiederhole er nun. "Ich werde nicht Teil eines Schwindels sein", betonte der frühere Chef der Uno-Atomaufsicht IAEA. "Als wäre das alte System nie gestürzt worden."

Präsident Mohammed Mursi von den Muslimbrüdern hat die Wahl für April angesetzt. Sie solle den Schlussstein für die Umwandlungen nach dem Sturz Mubaraks bilden.

Ab dem 27. April sollen die Ägypter ein neues Parlament wählen. Die Abstimmung zum Unterhaus soll demnach in vier Runden bis Juni abgehalten werden. Die gewählten Parlamentarier könnten dann am 6. Juli erstmals im neuen Abgeordnetenhaus zusammenkommen.

Grund für die ungewöhnlich lange Wahldauer ist, dass die Behörden nicht ausreichend Personal zur Überwachung aller Wahllokale haben.

heb/Reuters/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
1. Der Friedensnobelpreisträger von der IAEA will Wahl-Boykott?
seneca55 23.02.2013
Tja, El Baradei spielt im heutigen Ägypten nur eine marginale bis gar keine Rolle und er will deshalb die von Präs. Mursi angesetzte Parlamentswahl boykottieren, das ist nachvollziehbar. In einem Land, was zu 90%muslimisch ist, [...]
Tja, El Baradei spielt im heutigen Ägypten nur eine marginale bis gar keine Rolle und er will deshalb die von Präs. Mursi angesetzte Parlamentswahl boykottieren, das ist nachvollziehbar. In einem Land, was zu 90%muslimisch ist, sind die Chancen für säkular-liberale Parteien überschaubar. Warum sich dann auch mit den Islamisten und Salafist weiter Straßenschlachten liefern? Von der Straße aus, ist die Macht nicht mehr zu erringen, die Chancen sind 2011 verpaßt worden. Jetzt müssen sich die Minderheiten eine für sie relativ erfolgreich Strategie in einer Islamischen Republik Ägypten suchen, aber Straßenkampf gegen die vielleicht militante Mehrheit dürfte nicht von Erfolg gekrönt sein, Herr ElBaradei. "Du hast zwar keine Chance, aber nutze sie!"
2. darüber, ob die Wahlen stattfinden ist das
pontiac42 23.02.2013
Der Wahltermin ist eine Hinauszögerungstaktik der Moslembrüder. Selbstverständlich gibt es genug Leute, die die Wahlen beobachten können.- Ob die Wahlen überhaupt stattfinden, bleibt abzuwarten. Nach den letzten Treffen des [...]
Der Wahltermin ist eine Hinauszögerungstaktik der Moslembrüder. Selbstverständlich gibt es genug Leute, die die Wahlen beobachten können.- Ob die Wahlen überhaupt stattfinden, bleibt abzuwarten. Nach den letzten Treffen des obersten Militärrats - das erste Treffen ohne Herrn Morsi - das zweite - gestrige Treffen mit Herrn Morsi. erweckt den Eindruck, dass möglicher Weise ein Führungswechsel bevorsteht. Die Grüchteküche spricht inzwischen von einer erneuten Machtübernahme durch das Militär. Herr Morsi dürfte seinen Popularitätsbonus durch seine leeren Versprechungen seit seine Wahl bei der Mehrheit der Bevölkerung verspielt haben.-
3. Muslimbrüder werden gewinnen
k.airo 23.02.2013
wie die letzten Wahlen. Die Schlangen vor den Wahllokalen waren so lang wie nie, trotzdem war die Beteiligung nur 30%... ha ha ha Ausserdem wird Ägypten nur aufwachen, wenn man die Brüder weiter machen lässt. Also ruhig [...]
wie die letzten Wahlen. Die Schlangen vor den Wahllokalen waren so lang wie nie, trotzdem war die Beteiligung nur 30%... ha ha ha Ausserdem wird Ägypten nur aufwachen, wenn man die Brüder weiter machen lässt. Also ruhig regieren lassen, damit die Leute dann merken, dass die zu Nichts fähig sind, ausser leeren Versprechungen und "kaputt" wirtschaften. Nicht alles Moslems sind für Mursi. Das eine ist eine Religion, dass andere eine Partei, die von den meisten Moslems nicht gewünscht wird.
4. optional
egyptwoman 23.02.2013
@Pontiac: das wäre im moment wünschenswert wenn das Militär zumindest vorübergehend wieder die Macht übernehmen würde, den die sind noch nicht von den Islamisten so unterwandert wie die derzeitige Regierung. Ich wohne selbst [...]
@Pontiac: das wäre im moment wünschenswert wenn das Militär zumindest vorübergehend wieder die Macht übernehmen würde, den die sind noch nicht von den Islamisten so unterwandert wie die derzeitige Regierung. Ich wohne selbst in Ägypten und bevor Mursi an die Macht kam ging es unter Leitung des Militärs wenigstens ein Stück weit aufwärts, seit Mursi und seine MB die Macht übernommen haben geht es nur noch bergab und ein Ende ist nicht abzusehen. Gott bewahre das sie die Mehrheit im neuen Parlament bekommen, denn dann dürfte Ägypten zu einem zweiten Iran oder Saudi-Arabien werden, Einnahmen durch den Tourismus - was ja die größte Einnahmequelle ist werden gegen 0 tendieren und somit das Land in eine Armut versinken - bei über 80 Mio Einwohnern tendenz steigend, die dann wohl irgendwann wenn es selbst das letzte Dorf hier begriffen hat in einen erneute Revolution münden dürfte, die dann aber mit sicherheit sehr blutig werden wird wenn sie nicht gar in einen Bürgerkrieg wie in Syrien ausartet. Ich befürchte auch das diejenigen die für die Entfernung der Pyramiden und Sprengung der Sphinx sind um die alte Geschichte auszulöschen dies dann u.U. durchsetzen, was für den Tourismus dann genauso verheerend ist.
5. Ergebnis verwundert nicht und ist zu erwarten
gerd33 23.02.2013
Die säkularen und liberalen Kraäfte repräsentieren die wirtschaftliche und intellektuelle Elite im Land. Die werden keine Interesse haben, sich von Mursi den Hijab vorschreiben zu lassen oder ihre Satellitenschüsseln [...]
Zitat von seneca55Tja, El Baradei spielt im heutigen Ägypten nur eine marginale bis gar keine Rolle und er will deshalb die von Präs. Mursi angesetzte Parlamentswahl boykottieren, das ist nachvollziehbar. In einem Land, was zu 90%muslimisch ist, sind die Chancen für säkular-liberale Parteien überschaubar. Warum sich dann auch mit den Islamisten und Salafist weiter Straßenschlachten liefern? Von der Straße aus, ist die Macht nicht mehr zu erringen, die Chancen sind 2011 verpaßt worden. Jetzt müssen sich die Minderheiten eine für sie relativ erfolgreich Strategie in einer Islamischen Republik Ägypten suchen, aber Straßenkampf gegen die vielleicht militante Mehrheit dürfte nicht von Erfolg gekrönt sein, Herr ElBaradei. "Du hast zwar keine Chance, aber nutze sie!"
Die säkularen und liberalen Kraäfte repräsentieren die wirtschaftliche und intellektuelle Elite im Land. Die werden keine Interesse haben, sich von Mursi den Hijab vorschreiben zu lassen oder ihre Satellitenschüsseln abzumontieren. Ich erinnere an die islamische Revolution im Iran, nach der große Teile der iranischen "Intelligenz" das Land verlassen haben. Gleiches erwarte ich in Ägypten. Als Folge dürfte der Tourismus noch weiter einbrechen, keine Devisen ins Land kommen und die Unzufriedenheit wachsen. Die Wahlergebnisse sind Tatsache; aber es ist ebenso eine Tatsache, dass die Muslimbrüder schon seit Jahren und auch unter Mubarak die einzige Gruppe gewesen sind, die ihren Anhängers so etwas wie soziale Sicherheit gegeben haben, z.B. in Form von Gesundheitseinrichtunge, öffentlichen Lebensmittelverteilungen, Kinderbetreuung (für Eltern, die für einen Hungerlohn in den Hotels der Ägyptischen Oberschicht arbeiten mussten) usw.. Fragt Euch mal alle, warum Urlaub in Ägypten so billig ist und was tatsächlich beim arbeitenden Volk ankommt, nur damit Ihr dort einen Pauschalurlaub 4-5 Sterne all inclusive verleben könnt für Kosten, für die man nicht einmal 3 Nächte im preiswerten Stadthotel in Deutschland absteigen kann. Wenn Ihr dass nicht glaubt, verlasst mal Euer 4-Sterne-Resort und spaziert zu Fuß wenige Kilometer durch die Wohnviertel der Einheimischen bis zur Stadtmitte. Und wenn es euch gelingt ein wenig Vertrauen zu einem Kellner Eures Hotels aufzubauen, fragt ihn mal nach dem Lebensstandard seiner Familie. Und fragt Ihn auch mal, wer ihm hilft, wenn mal eine familiäre Notsituation eintritt, wer ihm Geld leiht, wenn der Hoteldirektor mal nicht bezahlt, wer seinen Kindern die Schulbildung ermöglicht usw... RICHTIG: Die Muslimbrüder. Pauschaltourismus in Billigländer würde ich als die moderne Form des Sklavenhandels bezeichnen!

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