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25.02.2013
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Italien

Schlappe Beteiligung an der Schicksalswahl

AP/dpa

Berlusconi bei der Stimmabgabe: Aufholjagd auf Bersani

Die Spannung steigt: In Europas Sorgenland Italien hat der zweite und letzte Tag der vorgezogenen Parlamentswahlen begonnen. Die Wahlbeteiligung ist bisher noch zurückhaltend. Gibt es doch ein Berlusconi-Revival?

Rom - In einer Zeit anhaltender tiefer Rezession und drohender politischer Instabilität bestimmen die Italiener ihr Abgeordnetenhaus und den Senat in Rom neu. Am Montagmorgen öffneten die Wahllokale erneut. Mehr als 50 Millionen Italiener sind zur Wahl aufgerufen. Schnee und Regen hatten am Vortag zu einem schleppenden Wahlbeginn beigetragen.

Bei Schließung der Wahllokale um 22 Uhr betrug die Wahlbeteiligung 55,17 Prozent. Das waren nach Angaben der Wahlkommission vom Sonntagabend deutlich weniger als zu diesem Zeitpunkt vor fünf Jahren. Damals hatte die Beteiligung bei 62,55 Prozent gelegen.

Als Favorit gilt das Mitte-links-Bündnis mit dem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani. Der Ex-Kommunist hat angekündigt, die Konsolidierungspolitik des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti fortzusetzen. Der für seine Arbeit bei den EU-Partnern gelobte Monti liegt mit seiner Zentrums-Bewegung abgeschlagen auf Platz vier und könnte Partner eines Bündnisses mit Bersani werden.

Die Finanzmärkte und europäische Politiker befürchten angesichts des offenen Ausgangs eine Unregierbarkeit des Krisenlands ohne stabile Mehrheit oder auch eine Rückkehr des umstrittenen Ex-Regierungschefs Silvio Berlusconi. Der 76-jährige Medienzar hatte in einer Aufholjagd seinen Rückstand auf Bersani zuletzt auf nur noch fünf Prozentpunkte verringert. Der skandalumwitterte Milliardär hat unter anderem die Rückzahlung der unpopulären Immobiliensteuer versprochen, die wegen des hohen Anteils an Wohneigentum mehr als drei Viertel aller Italiener zahlen müssen.

Besonderen Auftrieb hatte zuletzt allerdings die populistische Protestbewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo verzeichnen können. Sie kann mit bis zu 20 Prozent der Stimmen rechnen, strebt aber nicht in die Regierung und hat überwiegend unerfahrene Kandidaten aufgestellt.

Gewählt werden kann an diesem zweiten Tag noch bis 15 Uhr. Mit ersten Hochrechnungen wird noch vor dem Abend gerechnet.

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 54 Beiträge
1. Die Maske und der Spassmacher ...
susiwolf 25.02.2013
Beppo oder Silvio ... Erstmal: Hervorragend in Szene gesetzt - dieser Silvio. Einzeln verpflanzte Häärchen, geliftetes Gesichtchen, dezent getünchtes 'make it up' - in Neudeutsch: aufgehübscht. Der 'etwas unbekanntere Komiker' [...]
Beppo oder Silvio ... Erstmal: Hervorragend in Szene gesetzt - dieser Silvio. Einzeln verpflanzte Häärchen, geliftetes Gesichtchen, dezent getünchtes 'make it up' - in Neudeutsch: aufgehübscht. Der 'etwas unbekanntere Komiker' wird weder durch Optik noch durch Inhalte glänzen. Meine Prognose heute am Montag morgen: Beide werden n-i-c-h-t den Zuspruch erhalten, wie allgemein publiziert. Pier Luigi Bersani im Mitte-Links Bündnis wird die Welt davon überzeugen, dass nicht alle ItalienerInnen Bretter vor den Köpfen haben; allerdings auch nur mässig, wegen der mässigen Beteiligung an den Wahlen. Die Italiener sind (Politik-) müde und haben andere Sorgen, als sich vor das Kasperle-Theater zu stellen und zuzugucken, welche Figuren dort herum hampeln.
2.
albrechtstorz 25.02.2013
Zitat aus dem Artikel: "Die Finanzmärkte und europäische Politiker befürchten angesichts des offenen Ausgangs eine Unregierbarkeit des Krisenlandes ohne stabile Mehrheit oder auch eine Rückkehr des umstrittenen [...]
Zitat von sysopDie Spannung steigt: In Europas Sorgenland Italien hat der zweite und letzte Tag der vorgezogenen Parlamentswahlen begonnen. Die Wahlbeteiligung ist bisher noch zurückhaltend. Europa schaut besorgt in den Süden: Gibt es doch ein Berlusconi-Revival? Italien: Schlappe Beteiligung an der Schicksalswahl - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-schlappe-beteiligung-an-der-schicksalswahl-a-885309.html)
Zitat aus dem Artikel: "Die Finanzmärkte und europäische Politiker befürchten angesichts des offenen Ausgangs eine Unregierbarkeit des Krisenlandes ohne stabile Mehrheit oder auch eine Rückkehr des umstrittenen Ex-Regierungschefs Silvio Berlusconi." Die Interessen "der Finanzmärkte" und europäische Politiker sind also deckungsgleich. Die Interessen der Bürger aber nicht. Was folgt daraus: die Bürger wählen die Politiker, "die Finanzmärkte" rekrutieren sie dann zur Wahrung ihrer Interessen.
3. Hoffentlich....
fatherted98 25.02.2013
...kommt Berlusconi zurück. Mitte/Links würde bedeuten es geht alles so weiter wie bisher und wir müssen zahlen....bei Berlusconi muss die EU einfach reagieren und Italien aus dem EURO werfen....ach träumen darf man doch mal....
...kommt Berlusconi zurück. Mitte/Links würde bedeuten es geht alles so weiter wie bisher und wir müssen zahlen....bei Berlusconi muss die EU einfach reagieren und Italien aus dem EURO werfen....ach träumen darf man doch mal....
4. Sorgenland Italien
friedenspfeife 25.02.2013
Ein gut gewaehlter Ausdruck. Wann sind eigentlich in unserer "Sorgen- EU" mal wieder Wahlen?
Zitat von sysopDie Spannung steigt: In Europas Sorgenland Italien hat der zweite und letzte Tag der vorgezogenen Parlamentswahlen begonnen. Die Wahlbeteiligung ist bisher noch zurückhaltend. Europa schaut besorgt in den Süden: Gibt es doch ein Berlusconi-Revival? Italien: Schlappe Beteiligung an der Schicksalswahl - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-schlappe-beteiligung-an-der-schicksalswahl-a-885309.html)
Ein gut gewaehlter Ausdruck. Wann sind eigentlich in unserer "Sorgen- EU" mal wieder Wahlen?
5. Neiderfüllte Deutsche
SenYek 25.02.2013
Ja, ich gebe es zu: Ich bin neidisch auf die Dauerparty, die die Italiener mit ihren jungen (Grillo) und alten (Berlusconi) Komikern feiern - als gäbe es kein morgen. Niemand hier würde auf die Idee kommen, mit Angela Merkel zu [...]
Ja, ich gebe es zu: Ich bin neidisch auf die Dauerparty, die die Italiener mit ihren jungen (Grillo) und alten (Berlusconi) Komikern feiern - als gäbe es kein morgen. Niemand hier würde auf die Idee kommen, mit Angela Merkel zu feiern! Und ich stimme auch der Mehrheit der Italiener zu, dass wir griesgrämigen Deutschen endlich aufhören sollten, von Sparsamkeit, weniger Korruption und mehr Wettbewerbsfähigkeit zu predigen. Dadurch werden wir nicht beliebter - die Italiener sind eine eigenständige Nation, die keine Belehrungen braucht. Es bleibt nur eine (dringende!) Bitte: Liebe Italiener, bezahlt Eure riesige Bunga-Bunga-Party dann auch selbst und erwartet nicht, dass wir Euch das unter dem Deckmantel der "Solidarität" dann hinterher das Aufräumen der Scherben finanzieren.

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