26.02.2013
Pfusch am Oscar-Dress
Iran verhüllt Michelle Obama per Photoshop
Teheran - Iran hat zuletzt nicht nur gute Erfahrung mit nachbearbeiteten Bildern gemacht. Der neue Kampfjet der iranischen Luftwaffe wurde stolz im Flug präsentiert - die Aufnahme stellte sich jedoch rasch als plumpe Fälschung heraus. Nun legt Teheran mit dem nächsten Bildpfusch nach. Dieses Mal hat es die US-First-Lady Michelle Obama erwischt. Per Photoshop verpassten ihr die iranischen Sittenwächter einen deutlich züchtigeren Oscar-Dress.
Bei der Verleihung des Filmpreises am vergangenen Sonntag hatte sich Obama zuschalten lassen - angemessen im festlichen, wenn auch tief ausgeschnittenen Kleid. Bei der halbstaatlichen iranischen Agentur Fars lief das Bild in einer deutlich anderen Version. Dort trug Obama dasselbe Kleid - dieses Mal allerdings hoch geschlossen. Längere Ärmel hat das silbrig glänzende Kleidungsstück auf wundersame Weise auch noch erhalten.
Iranische Frauen müssen sich im Fernsehen normalerweise mit einer sogenannten Hidschab bedecken. Für ausländische Frauen gelten nicht ganz so strikte Regeln. Allerdings werden viele internationale Film- und TV-Produktionen so nachbearbeitet, dass sie vor dem strengen Auge der Sittenwächter bestehen.
Neben dem Outfit sorgte auch der Inhalt von Obamas Oscar-Auftritt für wenig Erheiterung in Iran. Die Präsidenten-Gattin verlieh den Preis ausgerechnet an den Hollywood-Streifen "Argo". Der Polit-Thriller beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt von der spektakulären Befreiung von US-Geiseln durch die CIA 1980 in Iran. Die Nachrichtenagenturen des Landes zeigten sich wenig begeistert, dass Obama ausgerechnet dann auftritt, "wenn ein antiiranischer Film ausgezeichnet wird".
jok

