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Politik

Gigantisches Bauprojekt

Ägyptens Mega-Metropole in der Wüste

Vorbild Emirate: Ägyptens Staatschef lässt mit Chinas Hilfe eine neue Millionenhauptstadt mit dem höchsten Wolkenkratzer Afrikas errichten. Auch in Kairo gibt es einen Bauboom - die Folgen sind dramatisch.

REUTERS
Von und
Sonntag, 12.08.2018   13:39 Uhr

Humphrey Davies und Lesley Lababidi haben in diesem Juli ein Buch veröffentlicht. Die beiden Autoren erzählen darin die Geschichte von 800 Straßennamen in Kairo. Das Timing für die Veröffentlichung war - ungünstig.

Der Grund: Die ägyptische Hauptstadt, in deren Großraum fast 25 Millionen Menschen leben, wird bald nicht mehr dieselbe sein. Staatschef Abdel Fattah el-Sisi lässt gegenwärtig Teile des Stadtzentrums abreißen und komplett neu errichten.

In den vergangenen Wochen haben Bauarbeiter ein ganzes Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Es geht um das sogenannte Maspero-Dreieck am östlichen Nilufer. Bis dato lebten rund 4500 Familien in dem dichtbebauten Stadtteil im Schatten des Außenministeriums und der Zentrale des staatlichen Fernsehens und Rundfunks.

Hinzu kamen knapp 900 Geschäfte und Unternehmen, die in dem Viertel in bester Innenstadtlage angesiedelt waren. Nun gleicht das Maspero-Dreieck einer Trümmerwüste - die in den nächsten Jahren einem neuen Stadtteil weichen soll. Wo bislang einfache Ziegelhäuser standen, sollen künftig Luxushotels, Wohnhäuser, Bürogebäude und Shopping Malls entstehen.

In der Vision von Stararchitekt Sir Norman Foster, der den Wettbewerb für das neue Viertel gewonnen hat, sitzt ein älterer Herr in traditioneller ägyptischer Kleidung auf einer Dachterrasse, die eine schmale, sonnengeschützte Gasse überblickt, auf der Familien flanieren.

Doch ob diese Vision Wirklichkeit wird, steht in den Sternen: Nur 850 der 4500 Familien werden nach dem Neubau in das Viertel zurückkehren. Alle anderen haben mit dem Abriss ihre Heimat verloren, in der ihre Familien zum Teil seit Generationen gelebt haben.

"Es lebe Ägypten"

Die meisten von ihnen sind in einen Wohnkomplex mehr als 20 Kilometer entfernt untergekommen. Das neue Viertel trägt den Namen "Tahia Masr - es lebe Ägypten". Mit diesem Slogan zog auch Staatschef Sisi in den Präsidentschaftswahlkampf.

Das Maspero-Dreieck ist derzeit das größte Bauvorhaben in der Hauptstadt Kairo - wirkt gegenüber den anderen Großprojekten im Land aber nahezu bescheiden. Das mit Abstand größte Bauprojekt entsteht derzeit in der ägyptischen Wüste, neben der Autobahn, die Kairo mit dem Roten Meer verbindet. Dort wächst eine neue administrative Hauptstadt, eine Megapolis für rund sechs Millionen Menschen.

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El-Sisi: Der Bauherr

In der sogenannten "Smart City" soll das Leben "Tag und Nacht brummen", wie auf der offiziellen Seite vollmundig erklärt wird. Insgesamt sind demnach 10.000 Kilometer Avenuen, Boulevards und Straßen geplant. Gleichzeitig soll die Stadt - in Ägypten ein Novum - fußgängerfreundlich werden und über zahlreiche öffentliche Gärten und Parks verfügen.

Momentan ist "The Capital", wie die Stadt ohne richtigen Namen noch heißt, eine riesige Baustelle. Wenn alles fertig ist, soll es dort neben einem Präsidentenpalast, dem Parlament, Ministerien und Botschaften auch eine Oper und Universitäten geben. Muslime werden in einer Moschee mit 70 Meter hohen Minaretten und koptische Christen in einer dreistöckigen Kathedrale mit Platz für mehr als 10.000 Gläubige beten können.

Chinesische Großinvestments in Ägypten

Die Vorbilder für das Großprojekt, an dem das ägyptische Militär 51 Prozent Anteile hat, sind offenbar die Hightech-Städte der Golfemirate. Über deren finanzielle Mittel verfügt Sisi allerdings nicht. Im Gegenteil: Sein Land ist seit Jahren von Finanzhilfen aus dem Ausland abhängig. Auch deshalb dürfte sich der ägyptische Staatschef mit China zusammengetan haben.

Die Regierung in Peking beteiligt sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg großzügig an der Finanzierung des Herz- und Prunkstückes der neuen Stadt: einem drei Milliarden teuren und 345 Meter hohen Wolkenkratzer. Es soll das höchste Gebäude in Afrika werden, gebaut von der China State Construction Engineering Cooperation.

Es ist nicht das erste bilaterale Projekt. Bereits im vergangen Jahr wurde etwa bekannt, dass ein Konsortium chinesischer Firmen ein mehr als eine Milliarde teures und 66 Kilometer langes S-Bahn-Netz im Großraum Kairo baut. Dadurch soll die neue ägyptische Hauptstadt mit der alten verbunden werden - und China treibt durch seine Investments im bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt sein eigenes Projekt einer weltumspannenden "Neuen Seidenstraße" voran.

insgesamt 97 Beiträge
decathlone 12.08.2018
1. Die Planwirtschaft wird's schon richten...
Was für China dabei herausspringt ausser einer Auslastungssteigerung der überdimensionierten chinesischen Bauindustrie, werden wir dann wohl auch irgendwann erfahren. Ich kann mir im Moment aber beim besten Willen nicht [...]
Was für China dabei herausspringt ausser einer Auslastungssteigerung der überdimensionierten chinesischen Bauindustrie, werden wir dann wohl auch irgendwann erfahren. Ich kann mir im Moment aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies ein gutes Investment ist... Schade für die vertriebenen Familien.
bigroyaleddi 12.08.2018
2. Da hauen die Chinsen aber wirklich rein
Es dürfte uns eigentlich nicht wundern. In vergangenen Jahrzehnten waren es in Europo die Amerikaner, welche uns die Städte verhunzt haben. Gut, jetzt sind es die Chinesen. Mir tun alle Menschen leid, die wegen solche [...]
Es dürfte uns eigentlich nicht wundern. In vergangenen Jahrzehnten waren es in Europo die Amerikaner, welche uns die Städte verhunzt haben. Gut, jetzt sind es die Chinesen. Mir tun alle Menschen leid, die wegen solche Wahnsinnsträume ihren Lebensmittelpunkt verlieren. Aber da zeigt sich die Brutalität eines ungebremsten (Staats)Kapitalismus. Ich kenne zwar Ägypten nur aus dem Fernsehen, könnte mir allerdings sehr gut vorstellen, dass sich die neue Skyline nicht unbedingt mit Denkmalschutz verstehen wird, wie wir ihn hier verstehen (sollten).
sakayanakoeln 12.08.2018
3. Bevölkerungsentwicklung Ägyptens...
...liefert die Antwort auf Deine Zweifel. Das ist *DEFINITIV* ein lohnenswertes Investment. Kein einziges internationales Investment der Chinesen hat nicht entweder Rendite- oder geo-strategische Ziele. Hier kommt beides zum [...]
Zitat von decathloneWas für China dabei herausspringt ausser einer Auslastungssteigerung der überdimensionierten chinesischen Bauindustrie, werden wir dann wohl auch irgendwann erfahren. Ich kann mir im Moment aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies ein gutes Investment ist... Schade für die vertriebenen Familien.
...liefert die Antwort auf Deine Zweifel. Das ist *DEFINITIV* ein lohnenswertes Investment. Kein einziges internationales Investment der Chinesen hat nicht entweder Rendite- oder geo-strategische Ziele. Hier kommt beides zum Tragen. Nachdem der Westen sein Vertrauen im Arabischen Frühling verspielt hat, ernten die Chinesen nun zurecht die Früchte - übrigens nach dem gleichen Modell, das in ganz Afrika funktioniert. Der verbrannten Erde der europäischen Kollonialherren folgen die Chinesen mit Milliarden Invests und Teilhabe. Trading feeds the planet - das ist das einzige was zählt...
sakayanakoeln 12.08.2018
4. Es geht um WOHLSTAND
Nichts anderes. Die Chinesen garantieren den Ägyptern eine Steigerung der Lebensqualität. Den Ägyptern ist Denkmalschutz vollkommen gleichgültig. Für sie geht es darum EIGENEN Wohlstand zu erlangen - ganz genau so wie der [...]
Zitat von bigroyaleddiEs dürfte uns eigentlich nicht wundern. In vergangenen Jahrzehnten waren es in Europo die Amerikaner, welche uns die Städte verhunzt haben. Gut, jetzt sind es die Chinesen. Mir tun alle Menschen leid, die wegen solche Wahnsinnsträume ihren Lebensmittelpunkt verlieren. Aber da zeigt sich die Brutalität eines ungebremsten (Staats)Kapitalismus. Ich kenne zwar Ägypten nur aus dem Fernsehen, könnte mir allerdings sehr gut vorstellen, dass sich die neue Skyline nicht unbedingt mit Denkmalschutz verstehen wird, wie wir ihn hier verstehen (sollten).
Nichts anderes. Die Chinesen garantieren den Ägyptern eine Steigerung der Lebensqualität. Den Ägyptern ist Denkmalschutz vollkommen gleichgültig. Für sie geht es darum EIGENEN Wohlstand zu erlangen - ganz genau so wie der Nachkriegsgeneration auf deutschem Boden. Da interessierte auch niemanden was oder wie schützenswert war so lange die eigene Wohnung warm und der Tisch gedeckt war. Denkmalschutz sind Luxusprobleme der ersten Welt.
brosswag 12.08.2018
5. Meine Meinung zum Thema
Besser als in Kriegen das Geld verpulvern und damit Menschen und deren Existenz planmäßig zerstören ist das allemal. Die Chinesen werden mir dadurch immer mehr vertrauenswürdiger. Wenn die USA nicht Willens werden [...]
Besser als in Kriegen das Geld verpulvern und damit Menschen und deren Existenz planmäßig zerstören ist das allemal. Die Chinesen werden mir dadurch immer mehr vertrauenswürdiger. Wenn die USA nicht Willens werden umzudenken, sinken sie auf Dauer immer weiter ab.

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