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Politik

Terrorverdacht

Ägypten weist Gießener Schüler aus

Wochenlang war ein 18-jähriger Gießener Schüler in Ägypten verschwunden. Die dortigen Behörden vermuten Terrorverbindungen. Jetzt schickten sie ihn SPIEGEL-Informationen zufolge nach Deutschland zurück.

privat

Isa El Sabbagh

Von und
Montag, 14.01.2019   10:53 Uhr

Ägypten hat einen weiteren Deutschen wegen Terrorverdachts ausgewiesen und nach Deutschland zurückgeschickt.

Nach SPIEGEL-Informationen landete der 18-jährige Isa El Sabbagh am Montagmorgen mit einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt. Der junge Mann aus Gießen werde nun von Polizeibeamten befragt, um die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu klären, hieß es in Sicherheitskreisen.

Der Schüler, der sowohl die deutsche als auch die ägyptische Staatsangehörigkeit besitzt, war eine Woche vor Weihnachten per Flugzeug nach Luxor gestartet. Von dort wollte er am selben Abend nach Kairo weiterfliegen und seinen Großvater besuchen.

Vater hatte versucht, Sohn freizubekommen

Nach der Landung in Luxor aber verschwand der Mann aus Hessen spurlos, seine Familie stellte eine Vermisstenanzeige. Die ägyptischen Behörden räumten erst zwei Wochen später auf dringliche Nachfragen des Auswärtigen Amtes ein, dass sie El Sabbagh wegen Terrorverdachts festgenommen hatten. Demnach habe der Schüler über das Internet mit Terrorgruppen auf der Sinai-Halbinsel Kontakt aufgenommen.

Die lokalen Behörden vermuten, dass sich der junge Deutsche der Terrorgruppe anschließen wollte, da er Kartenmaterial mit sich führte. Seine Familie bestreitet den Vorwurf energisch.

In Frankfurt angekommen, wurde der junge Mann von Polizisten am Flugzeug abgeholt und anschließend befragt. Nach SPIEGEL-Informationen wurde umgehend eine Ausreisesperre verhängt, Pass und Personalausweis behielt die Polizei deswegen ein. Nun soll sich der Staatsschutz Hessen weiter um den Fall kümmern.

Bereits Ende vergangener Woche war ein junger deutscher Student aus Ägypten nach Deutschland gebracht worden, auch gegen ihn liegt laut den lokalen Behörden ein Terrorverdacht vor.

Der Vater des jetzt zurückgekehrten Deutschen hatte in den vergangenen Tagen mit öffentlichen Aufrufen versucht, seinen Sohn freizubekommen. Auf einer Internetplattform sammelte Mohamed El Sabbagh mehr als 53.000 Unterschriften, der Vater reiste am Wochenende auch selbst nach Ägypten, um seinen Sohn zu treffen.

NGO schätzt Zahl der politischen Gefangenen in Ägypten auf 60.000

Wie stichhaltig die Vorwürfe der Ägypter sind, ist schwer zu sagen. Unter der Herrschaft von Präsident Abdel Fattah el-Sisi kommt es immer wieder vor, dass Menschen, die den Sicherheitsdiensten als verdächtig gelten, spurlos verschwinden. Wenn sie irgendwann doch wiederauftauchen, dann meist im Gefängnis.

Auf mindestens 60.000 schätzt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Zahl der politischen Häftlinge in Ägypten. Präsident Sisi dagegen sagte kürzlich: "Wir haben keine politischen Gefangenen."

Die Familien der beiden Deutschen befürchteten lange, ihren Söhnen drohe das gleiche Schicksal wie dem italienischen Studenten Giulio Regeni, der als Doktorand zum Thema Gewerkschaften in Kairo recherchierte.

Regeni verschwand im Januar 2016, seine geschundene Leiche wurde neun Tage später an einem Straßenrand entdeckt. Die Regierung in Kairo bestreitet, etwas damit zu tun zu haben. In Rom sieht man das anders: Dort verdächtigt man ägyptische Geheimdienstmitarbeiter, Regeni ermordet zu haben.

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